Den Frevler fliehn, ihn hassen Bacchos' Orgien.
Pentheus.
So sahst du deutlich, wie der Gott gestaltet war?
410
Dionysos.
So wie der Gott selbst wollte; nicht, daß ich's gebot.
1
Pentheus.
Auch dies umschlichst du gar gewandt, und sagtest Nichts.
2
Dionysos.
Unweise scheint, wer Unerfahrnen weise spricht.
Pentheus.
Du kamst zuerst hieher mit deinem neuen Gott?
Dionysos.
Die Feste feiern alle Nichthellenen schon.
415
Pentheus.
Wohl sind sie weit unweiser, als Achda's Volk.
Dionysos.
Hier sind sie weiser, freilich sonst ungleich an Art.
Pentheus.
Und diese Weihen feierst du, Nachts oder Tags?
Dionysos.
Bei Nacht die meisten; heilig ist die Dunkelheit.
Pentheus.
Für Frauen ist sie trugerisch und voll Gefahr.
420
Dionysos.
Wohl auch am hellen Tage sinnt man Frevel aus.
Pentheus.
Du sollst es büßen, daß du frech Trugschlusse webſt.
Dionysos.
Und du die Thorheit, daß du kühn den Gott verhöhnft.
Pentheus.
Wie dreist, in Worten wie geübt der Bacchos ist!
3
Dionysos.
Was muß ich leiden? Welches Arge thust du mir?
425
Pentheus.
Die weichen Locken schneid' ich dir vor Allem ab.
Dionysos.
Die Locken sind geweiht; dem Gotte pfleg' ich sie.
Pentheus.
Dann übergib mir, den du trägst, den Thyrsosstab.
Dionysos.
Selbst nimm ihn mir; als Bromios' Gabe trag' ich ihn.
Pentheus.
Im Kerker drinnen schlagen wir in Bande dich.
430
Dionysos.
Befreien wird mich Bacchos selbst, sobald ich will.
Pentheus.
Sobald du seinen Namen rufst in der Bacchen Chor.
Dionysos.
Auch nun mir nahe, sieht er, was ich leiden muß.
Pentheus.
Und wo verweilt er? Denn mein Auge sieht ihn nicht.
Dionysos.
Bei mir; doch du Gottloser kannst nicht schaun den Gott.
435
Pentheus.
Ergreift ihn! Er verachtet mich und Thebe's Volk.
(zu den Sclaven).
Dionysos
Nein, sag' ich! Ihr Unweisen, faßt mich Weisen nicht!
Pentheus.
Ich sage: faßt ihn! Denn ich bin der Stårkere.
Dionysos.
Nicht weißt du, Stolzer, was du thuſt, noch wer du bist.
Pentheus.
Pentheus, Echions und Agave's Sohn, bin ich.
440
Dionysos.
Als Sohn des Unheils kundet schon dein Name dich.
4
Pentheus.
Hinweg! Den Rosseskrippen nah', ihr Sclaven, legt
Ihn gleich in Fesseln, daß er schaut die dunkle Nacht!
Dort tanze! Diese Frauen, die du hergeführt,
Des Frevels Helferinnen, sie verkaufen wir,
445
('an den Chor sich wendend)
Oder an den Webstuhl fessl' ich euch als Sclavinnen,
Nachdem ich euch von diesem Paukenlårm entwohnt.
Dionysos.
Ich gehe. Dulden muß ich nicht, was mein Geschick
Mir nicht bestimmt hat. Aber, traun, für diese Schmach
Wird Bromios dich strafen, den du låugnen willst.
450
Denn uns mit Hohn belastend, fesselst du den Gott.
(Er wird fortgeführt. Pentheus folgt.)
Strophe.
Chor.
Bacchae. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .