Euripides Orestes 1013-1245

ed. Gilbert Murray

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Orestes. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Ὀρέστης (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Orestes Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1013-1245 focus
Orestes (OCR draft) Experimental (Orestes. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1013 focus
Sieh da: dort kommt dein Bruder heran,
Zum Tode verdammt durch des Volkes Beschluß;
Auch Pylades naht, der getreueste Freund
1005
Voll Brüderlichkeit,
Der sorglich den Schritt des Ermatteten lenkt,
Ihn liebendes Sinnes geleitet.
Weh mir! Ich seufze, daß ich vor dem Grabe dich,
So nah dem Holzstoß, Bruder, dich erblicken muß.
1010
Und aber weh mir! Heute sieht mein Auge dich
Zum leztenmale; ganz vergehn die Sinne mir.
Halt ein! Vor Allem muß ich Eins dir tadeln, wenn
1060
Du wähntest, daß ich leben wolle, wenn du stirbst.
Wir tödten Helena; bitter kränkt Menelaos sich.
Nichts auf der Welt ist edler, als ein treuer Freund,
Nicht Reichthum oder Herrschermacht, und thiricht ist's,
Die Gunst der Menge vorzuziehn dem edlen Freund.
Du bist es, der Aegisthos' Strafe mir ersann,
Du standest bei Gefahren treu zur Seite mir;
1150
Nun hilsst du wieder mir den Feind demüthigen,
Und weichest nicht. Doch dich zu loben lass ich ab,
Weil auch das allzugroße Lob belästiget.
Nun mir's verhångt ist, auszuhauchen meinen Geist,
So will ich fallen, meine Feinde züchtigend,
1155
Daß auch verderben, die dem Tode mich geweiht,
Und jammern, die mir solches Loos bereiteten.
Ich bin der Sohn Agamemnons, der erkoren ward
Zu Hellas Herrscher; kein Gewaltherr war er, doch
Besaß er eines Gottes Kraft. Ihn werd' ich nicht
1160
Entehren, sterbend als ein Sklav', ich lasse frei
Mein Leben, wann Menelaos mir zuvor gebüßt.
Wir wären glücklich, wenn wir Eins erreichten, wenn
Uns unerwartet Rettung kam', und wir den Mord
Vollbråchten und nicht stürben: dieses wunsch' ich noch.
1165
Und herzerfreuend ist es, wenn, was unsre Brust 5
Erfüllt, in raschbeschwingtem Wort vom Munde flieht.
Du, die erhabnen Mannessinn im Busen trägt,
1195
Und mit der Schönheit Glanze strahlt vor allen Fraun,
Wohl bist du mehr zu leben, als zu sterben, werth!
Und solche Gattinn sollst du nun verlieren, Freund,
Die dir das Leben schmücken sollt' in schonem Bund!