Euripides Orestes 1-136

Edward P. Coleridge (Translator)

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Orestes. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Orestes (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ὀρέστης Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 1-139 focus
Translations (2)
Orestes (OCR draft) Experimental (Orestes. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Rein Uebel ist so schrecklich, das die Sprache nennt, 1 2
1
Kein Schicksal oder gottverhängtes Ungemach,
Das nicht mit seiner Bårde last' auf Sterblichen.
Denn auch der Glückliche, (nicht verhohn' ich sein Geschick,) 3
Von Zeus Entsproßne, wie sie sagen, - Tantalos,
5
Schwebt hoch in Lüften, vor dem Fels in steter Furcht,
Der über seinem Haupte ragt, und büßet so,
Weil, wie sie sagen, er, ein Mensch, gewürdiget,
Der Götter Mahl zu theilen, mit der Zunge sich
Ruchlos vermessen, aller Schwächen schmählichste. 4
10
Er zeugt den Pelops, und von ihm stammt' Atreus ab,
Dem Klotho Zwist in seinen Lebensfaden spann,
So daß er wider Thyestes, seinen Bruder, Krieg
Erhob. Wozu berichten Unaussprechliches?
Er mordet' ihm die Kinder, lud zum Mahl ihn dann.
15
Von Atreus (Andres meld' ich nicht, was mitten liegt,)
Sprof Agamemnon, hochberühmt, wofern er's war,
Und Menelaos aus dem Schooß Aërope's.
Der eine, Menelaos, freit um Helena,
Die gottverhaste; mit dem Fluch der Danaër,
20
Der Klytåmnestra, wird vermählt der andre Fürst.
Von ihm und jener stammen wir drei Mädchen ab,
Chrysothemis, Iphigeneia, ich Elektra, dann
Ein Sohn, Orestes; und gebar die Frevlerinn,
Die ihren Gatten mit dem Wirrgeweb' umstrickt,
25
T.
Und so gemordet: nicht der Jungfrau ziemt's, den Grund
Zu sagen; hell' ein Andrer euch dies Dunkel auf!
Was soll ich Phobos zeihn der Ungerechtigkeit?
Doch hieß er meinem Bruder sie, die ihn gebar,
Ermorden, was nicht überall für rühmlich gilt.
30
Gleichwohl, dem Gott willfahrend, übt' er diese That;
Ich hatte Theil am Morde, wie's ein Weib vermag,
Und fördernd bot uns Pylades die Hand dabei. 5
Seit dieser Zeit krankt, abgezehrt von wilder Pein,
Mein armer Bruder; auf das Lager hingestreckt
35
Liegt er; mit Wahnsinn quälend, schreckt der Mutter Blut
Ihn auf; ich nenne zitternd nur die Gottinnen,
Die Eumeniden, die mit Furcht ihn angstigen.
Der sechste Tag ist heute, seit des Feuers Glut
Der hingemordeten Mutter Leib gereinigt hat.
40
Seit dieser Zeit berührt er keine Speise, gonnt
Kein Bad den Gliedern; eingehüllt in sein Gewand,
Vergießt er Thränen, wann die Krankheit ihn verließ,
Bei vollen Sinnen; bald vom Lager springt er weg
In schnellem Laufe, wie vom Joch ein Füllen springt.
45
Doch Argos hat beschlossen, nicht das Feuer uns,
Den Muttermordern, noch ein Dach zu gönnen, noch
Ein Wort des Grußes; und bestimmt ist dieser Tag,
Daß Argos Bürger über uns abstimmen, ob
Wir fallen sollen durch den Tod der Steinigung,
50
Ob uns den Nacken scharfer Stahl durchbohren soll.
Doch eine Hoffnung haben wir zu leben noch:
Denn Menelaos kam in's Land von Troja heim;
Er füllt den Hafen Nauplia's mit Rudern an,
C
Und landet am Gestade, lang' umhergeirrt,
55
Seit Troja stürzte; nächtlich hat er Helena 6
Voran in unser Haus gesandt, daß Keiner sie
Bei Tage kommen sehe, dem vor Ilion
Die Söhne fielen, und sofort sie steinige: 7
Nun birgt das unheilvolle Weib hier innen sich,
60
Und weint um ihre Schwester und des Hauses Leid.
Doch blieb in ihrem Jammer ihr ein süßer Trost: 8
Die Tochter, welche Menelas (er brachte sie
Von Sparta) hier ließ, als er zog nach Ilion,دية
Und meiner Mutter übergab, Hermione;
65
An ihr sich freuend, denkt sie ihres Harmes nicht.
Nach allen Wegen spåh' ich nun, wann Menelas
Sich etwa zeige; denn das Andre bietet uns
Nur schwache Stüzen, rettet uns nicht dieser Mann.
Wo wäre Rettung, wenn die Noth ein Haus betraf!
70
Du, welche Klytamnestra von Agamemnon einst
Empfing, Elektra, unvermählt so lange schon,
Wie wardst du Muttermorderinn, Unselige,
Was übt' Orestes solche That, dein Bruder, aus?
Wohl nicht verunreint werd' ich durch ein Wort mit euch,
75
Indem ich diese Sunde wälz' auf Phobos' Haupt. 9
Doch muß ich Kiytämnestra, muß der Schwester Loos
Beweinen, die ich nimmer sah seit jener Zeit,
Daß ich, gewiß durch eines Gottes Zorn berückt,
Nach Troja fuhr: verlassen klag' ich mein Geschick.
80
Du sprachest wohl, mein Mädchen, und ich folge dir.
110
Kind, aus dem Hause komm hervor, Hermione!
(Hermione tritt aus dem Palaste.)
Dies Todtenopfer nimm zur Hand und dieses Haar,
Und auf der Klytamnestra Grab, gelangst du hin,
Geuß Milch, gemischt mit Honig, geuß des Weines Schaum,
Und stehend auf der Hügels Hohn, sprich dieses Wort:
115
„Dies Opfer weiht dir deine Schwester Helena;
Sie fürchtet deinem Grabe selbst zu nahn, und scheut
Das Volk von Argos." Heiße sie mit holdem Sinn
Mir, dir, und meinem Ehgemahl gewärtig sein,
Und diesen zwei Unseligen, die der Gott verdarb.
120
Auch alle Gaben, wie man sie den Todten weiht,
Die ich der Schwester schuldig bin, verheiße noch.
Nun gehe, Tochter, eile mir, und brachtest du
Dem Grab das Opfer, denke schnell der Wiederkehr.