Euripides Orestes 1

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Rein Uebel ist so schrecklich, das die Sprache nennt, 1 2
1
Kein Schicksal oder gottverhängtes Ungemach,
Das nicht mit seiner Bårde last' auf Sterblichen.
Denn auch der Glückliche, (nicht verhohn' ich sein Geschick,) 3
Von Zeus Entsproßne, wie sie sagen, - Tantalos,
5
Schwebt hoch in Lüften, vor dem Fels in steter Furcht,
Der über seinem Haupte ragt, und büßet so,
Weil, wie sie sagen, er, ein Mensch, gewürdiget,
Der Götter Mahl zu theilen, mit der Zunge sich
Ruchlos vermessen, aller Schwächen schmählichste. 4
10
Er zeugt den Pelops, und von ihm stammt' Atreus ab,
Dem Klotho Zwist in seinen Lebensfaden spann,
So daß er wider Thyestes, seinen Bruder, Krieg
Erhob. Wozu berichten Unaussprechliches?
Er mordet' ihm die Kinder, lud zum Mahl ihn dann.
15
Von Atreus (Andres meld' ich nicht, was mitten liegt,)
Sprof Agamemnon, hochberühmt, wofern er's war,
Und Menelaos aus dem Schooß Aërope's.
Der eine, Menelaos, freit um Helena,
Die gottverhaste; mit dem Fluch der Danaër,
20
Der Klytåmnestra, wird vermählt der andre Fürst.
Von ihm und jener stammen wir drei Mädchen ab,
Chrysothemis, Iphigeneia, ich Elektra, dann
Ein Sohn, Orestes; und gebar die Frevlerinn,
Die ihren Gatten mit dem Wirrgeweb' umstrickt,
25
T.
Und so gemordet: nicht der Jungfrau ziemt's, den Grund
Zu sagen; hell' ein Andrer euch dies Dunkel auf!
Was soll ich Phobos zeihn der Ungerechtigkeit?
Doch hieß er meinem Bruder sie, die ihn gebar,
Ermorden, was nicht überall für rühmlich gilt.
30
Gleichwohl, dem Gott willfahrend, übt' er diese That;
Ich hatte Theil am Morde, wie's ein Weib vermag,
Und fördernd bot uns Pylades die Hand dabei. 5

Orestes. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ὀρέστης Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 1-139 focus
Translations (2)
Orestes Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1-136 focus
Orestes (OCR draft) Experimental (Orestes. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Orestes

1. OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notes
3. [OCR note; compare the printed page.] f. Anders: Der Hochbeglückte (nicht verhöhn' ich sein Geschick), Der Sohn Kronions, wie sie sagen, Tantalos. Compare printed p. 223
4. [OCR note; compare the printed page.] Anders: Vermaß, von allen Schwächen, traun, die schmählichste. Compare printed p. 223
5. [OCR note; compare the printed page.] 2. ξυγκατήρτισται. Compare printed p. 223