Euripides The Phoenician Women 1307-1766

ed. Gilbert Murray

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The Phoenician Women. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Φοίνισσαι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
The Phoenician Maidens Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1307-1765 focus
The Phoenician Virgins (OCR draft) Experimental (The Phoenician Virgins. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1307 focus
Aber nun verstummt, o Klagen! Denn ich sehe Kreon dort,
Der hieher zum Königshause kummervoll die Schritte lenkt.
Weh, was beginn' ich? Wein' ich über mein Geschick,
Beklag' ich Theben, das Gewölk der Feinde rings
1295
Umlagert, und zum Acheron zu senden droht?
Mein Sohn, sich opfernd für das Land, ist auch dahin,
Hat hohen Ruhm errungen, doch zum Kummer mir:
Ihn trug ich eben aus des Drachen Kluft, entseelt
Von eignen Hånden, jammervoll im Arme fort.
1300
Das ganze Haus ruft wehe: doch ich such', ein Greis,
Die greise Schwester, meinen Sohn zu baden, ihn
Zur Schau zu stellen, der das Licht verlassen hat.
Denn Ehre zollen müssen, die im Leben sind,
Den Abgeschiednen und die Todesgotter scheun.
1305
Armer ich! Was soll ich sagen, welche Worte sprech' ich aus?
Ales hin!
1320
Unserer Stadt und uns kündest du schweres Leid!
1325
Da stößt Eteokles einen Stein mit dem Fuße weg,
1370
Der seinen Gang hemmt, und entbloßt vom Schilde wird
Sein Bein: Polyneikes stürmte mit der Lang' heran,
Als er dem Stahle bloßgestellt den Fuß erblickt,
Und durch das Schienbein bohrt sich sein Argeierspeer.
Laut jubelt' auf der Danaïden ganzes Heer.
1375
Bei diesem Kampfe sah der erst Getroffene
Des Polyneikes Schulter bloß, und schnellt' auf ihn 01:
Mit Macht den Wurfspeer, und bereitet hohe Lust!
Des Kadmos Bürgern; doch des Schaftes Spize brach.
Wie so der Speer ihm fehlte, wich er hinterwärts
1380
Zurück, ergriff und schleudert' einen Marmorstein,
Und malmt' entzwei die Lanze. So war gleich der Kampf;
Denn beider Hånde waren nun des Speeres bloß.
Jezt aus der Scheide rafften sie die Schwerter; nah
Sich ruckend, Schild an Schild gedrängt, erregten sie
1385
Ein laut Getose, rasch im Kampf umhergejagt.
Und überlegend brauchte nun der Thessaler
Kunstgriff Eteokles, den er diesen abgelernt.
Nicht messen wollt' er långer sich im nahen Kampf;
Nach hinten trat er auf den linken Fuß zurück,
1390
Und deckte sich bedachtig vorn den Unterleib.
Den rechten Fuß vorsezend, bohrt' er ihm sodann
Tief durch den Nabel seine Wehr in's Wirbelbein.
Polyneikes bog die Seiten und den Leib zugleich,
Und unter blutigen Stromen sank der Arme hin.
1395
Doch Jener, gleich als Sieger, der mit Glück gekämpft,
Wirst seine Wehr zur Erden, und beraubt den Feind,
Sein selbst vergessen, nur den Sinn hierauf gewandt.
Dies bracht' auch ihn zu Falle. Schwach noch athmete
Polyneikes, hielt im grausen Sturze noch das Schwert,
1400
Und senkte mühsam, aber doch, er, der zuvor
Gestürzt, in Eteokles' Brust das Eisen ein.
Vermählt dem Staube, liegen nun die Beiden dort
Zunächst einander; Keinem ward der Sieg zu Theil.
Nun hore, was sich Böses außerdem begab.
Nachdem die Brüder fallend ihren Geist verhaucht,
Da kommt die arme Mutter schon herbeigestürzt,
Erblickt die Beiden, welche traf der Todesstoß,
1410
Und seufzt: „o Kinder, ach, zu spåt erschein' ich euch
Zur Hülfe;" - kniet zu diesem, kniet zu jenem hin,
Und weint, beklagt sie, die so muhvoll.sie gesäugt,
Und jammert; ihr zur Seite stohnt Antigone:
Schuz der greisen Mutter! Ihr vereiteltet,
1415
Brüder, meinen Ehebund!" Aus tiefer Brust
Seufzt Eteokles schmerzlich auf, der Heeresfürst;
Er hört die Mutter, streckt nach ihr die schwache Hand;
Kein Laut entfsloh ihm, aber stumm verkündeten
Die Thränen seines Auges ihr der Liebe Gruß.
1420
Der Andre, Polyneikes, athmet noch, und spricht,
Zur Schwester und der greisen Mutter hingewandt:
„Verloren sind wir, Mutter; ich beklage dich
Und hier die Schwester und den todten Bruder dort.
Er ward, ein Freund, zum Feinde; dennoch lieb' ich ihn.
1425
Bestatte mich, o Mutter, und, o Schwester, du,
Im Schooß des Heimatlandes, und versöhnt die Stadt,
Die schweren Groll hegt, daß ich so viel Erde nur
Von ihr erlange, wenn ich auch den Thron verlor.
Mit deinen Hånden drücke mir die Augen zu,
1430
Mutter: (und er legt sie selbst auf sein Gesicht)
Nun lebet wohl mir; schon umhüllt mich Todesnacht."
So hauchten beid' ihr jammervolles Leben aus.
Die Mutter, als sie dieses Unheilvolle sah,
Riß aus der Leiche sich das Schwert in wildem Schmerz,
1435
Und that das Grause: mitten durch die Kehle stoßt
Sie sich das Eisen, und zu ihren Theuersten,
Die Arm' um beide schlingend, sank sie todt dahin.
Zu Wortgefechten stürmt' empor die Menge nun;
Wir meinten, unser König sei der Siegende,
1440
Die Feinde, Jener. Auch die Führer haderten;
Die sagten: Polyneikes' Lanze traf zuerst;
Und Andre: niemals fällt der Sieg den Todten zu.
Zu den Waffen stürzt man: aber wohl vorsichtig war,
Die Schild' am Arme, Kadmos' Volk gelagert schon;
1445
Und eh sich Argos Kriegerheer mit Rüstungen
Bewehrte, brach es plozlich auf die Schaaren ein.
Und Keiner übte Widerstand, sie floh'n, das Feld
Erfüllend; endlos strömte Blut von Todten, die
Gefällt die Lanze. Da wir so gesiegt im Kampf,
1450
Erhdhten Diese für den Zeus ein Siegesmal,
Wir andern raubten Schilde von den erschlagenen
Argeiern, stadtwärts sendend, was erbeutet ward.
Die Todten bringen Andere mit Antigone,
Daß ihr, die Freunde, sie beklagt, hieher zu euch.
1455
So haben unsre Kämpfe dort den glücklichsten
Ausgang erfahren, hier den unglückseligsten.
Nicht mehr schallt bloß in die Dhren das Leid
Von Dedipus' Haus; schon sind ja die drei
Leichname bereits hier vor dem Palast
1460
Mit Augen zu sehn, die ewige Nacht
Umfing in gemeinsamem Tode.
Nicht mit dem Schleier verhüllend die liebliche Wange, die blühende,
Noch jungfraulich scheuend das purpurne Roth,
Das über die Wange sich ausgießt,
1465
Stürm' ich in wüthendem Schmerz um die Todten daher,
Und das schimmernde, safranfarbne Gewand
Hinwerfend, die Bind' aus dem lockigen Haar
Reißend, geleit' ich mit Seufzen die Leichname.
Ach, ach, o weh mir!
1470
Wohl, Polyneikes, hast du den Namen verdient: (ach,
Theba!)
Dein Zwist, - nein, Mord war es um Mord, - er
Stürzte des Dedipus Haus, und es endete
Blutig und schreckvoll, blutig und grausig.
Welche Gesänge,
1475
Welche melodischen Laute der Klage zu
Thränen, zu Thränen, (o Wohnung, o Wohnung!)
Soll ich erheben,
Hier die verschwisterten Todten geleitend,
Mutter und Söhne, den Raub der Erinnyen,
1480
Welche das Haus umstürzten des Dedipus,
Weil er mit forschendem
Geiste der wüthenden Sphinx unerforschliches
Råthsel gelöst und ermordet die Sängerinn?
weh, Vater, mir!
1485
Welch fremdes, welch griechisches Weib,
Welches vordem edle Geschlecht,
Sterblichem Blut' entsprossen, trug
Solche Bedrängnisse, solch
Sichtbares Leiden, als mein Ruf
1490
Jammernd beklagt? Stimmt, in der Tann'
Oder im Eichengezweig
Sizend, ein Singvogel in mein
Klagendes Lied, trauert mit mir, mutterlos
Trauernder Jungfrau?
1495
Die ich hinfort ewig verwaist
Lebe die zukünftige Zeit,
Einsam in wehklagendem Ton
Trauergesang hebend bei stets
Rinnenden Thränen.
1500
Wen beklag' ich?
Wem zuerst soll ich trauernd
Mein Haupthaar zerraufen, zum Opfer weihn?
Bring' ich den Brüsten der Mutter es dar,
Die mich ernährt einst,
1505
Oder den Brüdern,
Welche das Schwert schmählich entseelt hat?
Weh, wehe! Verlaß dein Haus,
Du mit dem blinden Gesicht,
Zeig' uns, o greiser Vater Dedipus,
1510
Dein unselig Dasein, der du dir
Düstere Nacht um die Augen verbreitetest, und im Palaste
Gramvoll dein Leben schleppst!
Greis, horst du mich, während du im Hof umher
Irrst, und den müden Fuß
1515
Auf dem Lager ausruhst?
Nicht zur Beleidigung oder zum Hohne dir,
Sag' ich das Traurige: deine Verfluchung,
Sie stürzte, mit Glut,
Schwertern und gråßlichem Kampfe bewehrt, auf deine Geliebten;
1535
Vater, o weh mir!
Viel Jammer häufte dieser Tag auf Dedipus'
Geschlecht: o mige froher nun dein Leben sein!
Gut, daß du meine Kniee nicht berühren willst;
Denn nie gestatt' ich, daß du hier im Lande wohnst.
Von diesen Todten tragt sofort den Einen mir
In's Haus; den Andern aber, der die Vaterstadt
Mit Fremden auszutilgen kam, Polyneikes, ihn
1605
Werft unbestattet aus des Landes Mark hinaus.
Und allen Kadmossohnen werd' es kundgethan:
Wer diesen Leichnam kränzend angetroffen wird,
Wer ihn bestattet, soll dafür den Tod empfahn.
Du, laß die Klagen um die drei Gestorbenen,
1610
In's Haus verfüge dich zurück, Antigone,
Und harr' im Frauenzimmer bis zu jenem Tag,
Der dich dem Hamon als Gemahl vereiniget.
Zu deiner Hochzeit ziemen dir die Klagen nicht.
Geh', Armer, dich verbannend;
Reiche die traute Hand,
1685
Mein alter Vater, mir; ich will
Dich leiten, wie des Windes Hauch die Schiffe.
Meiner Heimat edle Bürger, seht mich hier, den Dedipus,
1730
Der entwirrt die hohen Räthsel, und der erste war an
Macht,
Der die Macht der
blutbefleckten Sphinx allein sich unterwarf, -
Selbst entehrt und
kläglich muß er nun entfliehn aus seinem Land.
Doch warum bewein' ich
fruchtlos, was bejammr' ich mein
Geschick?
Tragen muß ja, was
1735
der Götter Schluß verhängt, ein
Sterblicher.
Hochheilige Nike, lenk' allezeit
Mein sterbliches Loos,
Und laß nicht ab, es zu kränzen!
1740

Notes on the current edition

The Phoenician Women

1. From 1335 to end, all Messenger speeches are best attributed to the second Messenger ( Ἕτερος Ἄγγελος) listed in the Dramatis Personae.