Euripides The Phoenician Women 261-636

Edward P. Coleridge (Translator)

View: By Card

The Phoenician Women. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

The Phoenician Maidens (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Φοίνισσαι Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 261-637 focus
Translations (2)
The Phoenician Virgins (OCR draft) Experimental (The Phoenician Virgins. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 261 focus
Die Pfortenhüter haben mir mit schneller Hand
Die Thor' erschlossen und den Eingang nicht gewehrt.
Ich fürchte, nun sie mich verstrickt in ihrem Nez,
Sie lassen mich nicht ohne Blut von dannen ziehn.
Wohl muß ich darum überallhin, dort und hier,
265
Die Blicke werfen, ob ein Trug mich nicht beruckt.
Doch mit dem guten Schwerte hier die Hand bewehrt,
Schaff' ich getrost mir sichre Bahn und fürchte Nichts. - 1
Wen hor' ich? Holla! Oder schreckt mich nur Geräusch?
Wohl findet Alles grausenvoll der Wagende,
270
Wann seine Füße schreiten durch des Feindes Land.
Indeß der Mutter trau' ich, und auch wieder nicht,
Die mit Geleit hierherzugehen mich bestimmt.
Doch nahe weilt die Hülfe: hier stehn Heerde, stehn
Altare, nicht verlassen sind die Wohnungen.
275
Der dunkeln Scheide geb' ich denn mein Schwert zurück,
Und frage, wer die Frauen dort am Hause sind. -
Ihr fremden Frauen, sagt mir an, aus welchem Land
Hieher zu Hellas Häusern ihr gekommen seid?
Laß mich, zu Füßen dir, dich anbeten, Fürst,
Die Weise meines Landes ehrend!
Du kommst, ach, so spåt in dein heimisch Land!
295
Auf, eil' hervor, Gebieterinn,
Deffne die Pforten ihm!
Du, die ihn geboren, Mutter, hörst du?
Warum såumst du noch in dem gewölbten Gemach?
Schlinge die Arm' um deinen Sohn!
300
Doch hier im Hause sizt der augenlose Greis,
Weint um das Brüderpaar, welches von seinem Stamm
325
Hassend sich losgetrennt,
Und hårmt in unendlichem Sehnen sich ab;
Schon hat er gegen sich
Das Schwert gezuckt, die Todesschling' am Pfosten schon befestiget,
Verslucht heulend sein Geschlecht;
330
Mit endlosem Iammerruf birgt er hier
Sich in der Finsterniß.
Doch du, mein Sohn, hör ich, hast ein Weib sogar
Gewählt, und Vaterfreuden dir gesucht
In fremdem Hause, Fremde dir als Anverwandte zugesellt:
335
Für deine Mutter welche Schmach, und deinen Urahn Laïos,
Der Fluch der fremden Hochzeit!
Und Ich habe nicht die Brautfakel dir
Nach dem Gebrauch entflammt,
Wie's der glückseligen Mutter ziemt.
340
Kein hochzeitlich Wonnebad spendete
Dir des Ismenos Flut, und in der Theber Stadt
Blieb rings Alles still vom Einzug der Braut.
Verderbe denn, wer es verschuldet,
Ob dein Vater, ob Krieg, ob Zwietracht,
345
Ob sich verheerend entlud auf Dedipus'
Haus der Unsterblichen Fluch:
Auf mich wälzt sich her des Unglückes Nacht.
In Weh'n gebåren, ist der Frauen hartes Loos,
Und liebend hången alle Fraun an Kindern wohl.
350
Erst also frag' ich, was zu wissen mich verlangt:
Das Vaterland entbehren, ist es ein hartes Loos?
Adrastos schwor uns beiden, Deneus' Sohn und mir,
In's Vaterland uns heimzuführen, mich zuerst.
Viel Häupter, aus Mykene, viel aus Hellas, sind
Mit mir, den traurig bittern, doch nothwendigen
Dienst leistend; denn ich kriege wider meine Stadt.
425
Die Götter wissen's, daß zum Speer ungerne nur
Ich wider meine Liebsten griff; sie wollten es! 4
Doch dir, o Mutter, kommt es zu, dies Ungemach
Zu wenden, auszuschnen, die das Blut verband,
Die Noth zu wehren mir und dir und allem Volk.
430
Ein altes Wort zwar ist es, dennoch sag' ich's nach:
„Nichts hat den Menschen höhern Werth, als Goldesglanz;
Er übt von allem Menschending die größte Macht."
Nach diesem trachtend, führ' ich her unzählige
Von Lanzen: ist ein Edler arm, so gilt er nichts.
435
Das Wort der Wahrheit, Mutter, ist einfach und schlicht,
Und schlauer Wendung Künste braucht das Rechte nie;
Es trägt in sich die Stärke: nur das Bose hat
Kunstreicher Schminke nothig, weil es krankt in sich.
465
Ich hab' es mit dem Vaterhause wohl gemeint,
Mit mir und diesem; und den Fluch des Dedipus
Bu fliehen, den er wider uns gesprochen einst,
Verbannt' ich selbst freiwillig aus dem Reiche mich,
Und ließ des Landes Scepter ihm auf Jahresfrist,
470
Damit ich selbst auch herrschte, traf die Reihe mich,
Und nicht, in Feindschaft und mit Mord zurückgekehrt,
Ihm Böses that' und litte, wie es nun geschieht.
Auch ihm gefiel das, bei den Göttern schwor er mir's;
Doch Nichts erfüllt er, was er angelobt, und hålt
475
Mein Theil am Erbe mir zurück und meinen Thron.
Noch jezo, wird das Meine mir, bin ich bereit,
Das Heer hinwegzuführen aus der Våter Land,
In meinem Hause zu wohnen, trifft die Reihe mich,
Und ihm es abzutreten auf die gleiche Zeit:
480
Und nicht verheeren werd' ich meiner Ahnen Land,
Noch leg' ich Leitern stürmend an die Mauern an.
Doch das zu thun versuch' ich, wenn man mir mein Recht
Versagt: zu Zeugen ruf ich dann die Götter auf,
Daß recht und billig all mein Thun gewesen, daß
485
Man ohne Recht mich aus der Heimath frevelnd stoßt.
Dies Alles, Mutter, sagt' ich ohn' Umschweife dir,
Nicht eitle Trugschluss häufend; Thor und Weiser wird
Gerecht erfinden, was ich sprach, wie mir's bedunkt.
Wenn allen Menschen Eines weise dunkt und schön,
So würde sie kein zweifelhafter Streit entzwein.
Nun aber gilt Nichts ähnlich, Nichts gilt ihnen gleich,
Als bloß die Namen; über Sachen hadern sie.
495
So sag' ich's denn, o Mutter, ungescheut heraus:
Zum Sternenaufgang stieg' ich durch des Aethers Raum,
In die Erde taucht' ich tief hinab, vermocht ich das, -
Errang' ich so die größte Göttinn mir, die Macht.
Dies Gut, o Mutter, will ich einem Anderen
500
Nicht überlassen, ich bewahr' es lieber mir:
Feigheit verråth ja, wer am Kleinern sich begnugt,
Das Großre preisgibt. Und errothen müßt' ich auch,
Wenn er, das Land verheerend, durch der Waffen Macht
Das, was er wunscht, erlangte; denn erniedrigend
505
Für Thebe wår' es, wenn ich ihm den Herrscherstab
Aus Furcht vor Argos Speeren überlieferte.
Den Frieden, Mutter, hått' er mit den Waffen nicht
Erstreben sollen: denn das Wort erobert ja
Das Alles, was der Feinde Schwert ausrichten mag.
510
Doch wenn er sonst in diesem Lande wohnen will,
Er kann's; die Herrschaft geb' ich nie freiwillig ab,
Um ihm zu dienen, während ich gebieten darf.
Mit Feuer denn, mit Schwertern sturmt auf mich heran,
Schirrt an die Rosse, deckt das Feld mit Wagen rings:
515
Doch meine Herrschaft überlass ich diesem nie.
Denn muß man einmal freveln, ist's um einen Thron
Am schönsten; sonst in Allem sei man tugendhaft.
Was liebst du sonder alles Maaß dies glückliche
Unrecht, die Herrschaft, was bedunkt es dich so groß,.
Wenn Alles ehrend dich bestaunt? Welch eitler Wahn!
Viel Angst empfinden, da du Viel im Hause hast,
545
Das willst du? Was ist Ueberfluß? Ein Name nur!
Denn was genug ist, das genügt dem Måßigen.
Der Mensch besizt ja keinen Schaz als Eigenthum;
Was gute Götter uns geginnt, verwalten wir;
Sobald sie wollen, nehmen sie's uns wiederum.
550
Wenn ich die Wahl dir lasse, was du lieber willst,
Der Herrscher oder dieser Stadt Erretter sein:
Du wåhlst die Herrschaft? Aber wenn dein Bruder siegt,
Wenn Argos Speere zwingen dein Kadmeierheer:
Dann siehst du diese Theberstadt in Grund gestürzt,
555
Siehst, ach! gewaltsam viele kriegsgefangene
Jungfraun in Knechtschaft fortgeschleppt von Feindesmacht.
So wird der Reichthum, den du suchst, Ehrsüchtiger,
Für Thebe's Sohne Gegenstand des Jammers sein.
Dir sag' ich Dies; du, Polyneikes, hdre nun:
560
Unkluge Liebesdienst erwies Adrastos dir,
Unweise zogst du wider diese Stadt zu Feld.
Sprich: wenn du sie bezwingest, (o verhuten das
Die Götter!) welche Siegstropha'n errichtest du?
Welch Opfer bringst du, wenn du Kadmos' Land gewannst?
565
Was wirst du schreiben auf die Beut am Inachos?
„Polyneikes legt' in Asche Thebe's Stadt, und weiht
Den Göttern diese Schilde." Kind, daß solcher Ruhm
Niemals in Hellas Volke dich verherrliche!
Doch wenn der Bruder dich besiegt: wie kehrst du dann
570
Nach Argos, wann du Tausend hingeopfert hast?
Da wird man sagen: „o verwunschter Chebund,
Den du geknupst, Adrastos! Um Ein Mädchen ging
Dein Volk zu Grunde!" So bedrohn zwei Uebel dich:
Du fålst im Kampf hier, und verlierst die Freunde dort. 5
575
laßt, o laßt dies Wüthen! Nichts ist gråßlicher,
Als wenn die Thorheit Zweier um Dasselbe kämpft.
Keinen Kampf um Worte gilt es, und die Zeit ist unterdeß
580
Ungenügt verschwendet, Mutter; dein Bemüh'n, es fruchtet
Nichts.
Einigung ist keine möglich, außer daß, wie schon gesagt,
Ich den Herrscherstab empfangend, Konig bleib' in diesem
Land.
Drum entlaß mich und erspare dir die langen Mahnungen!
Du, entweich' aus diesen Mauern, oder stirb sogleich!
585
Sorge nicht, ich gehe: Mutter, habe Dank!.