Unserer Stadt und uns kündest du schweres Leid!
1325
Bote.
Habt ihr's vernommen, Dedipus' Paläste hier,
Wie seine Sohne gleiches Loos vernichtet hat?
Chor.
Wenn sie Gefühl beseelte, wohl auch weinten sie.
Kreon.
Ja, schwer ruht die Hand des Unglücks auf mir!
Ach, welches Elend ångstet mich Unseligen!
1330
Bote.
D, wenn du wußtest, was sich außerdem begab!
Kreon.
Wie gåb' es Unheilvoll'res, als was schon geschah?
Bote.
An beider Kinder Seite liegt Jokaste todt.
Chor.
hebt, hebet die Wehklage,
Und mit den weißen Hånden schlagt jammernd euch das
1335
Haupt!
Kreon.
Jokaste, welch ein traurig Ende fandest du
Des Lebens und der Ehe durch den Spruch der Sphinx!
Wie ward der beiden Söhne Mord vollbracht, der Fluch
Des Dedipus vollendet? Das verkünde mir.
Bote.
Daß unsre Waffen vor den Thürmen obgefiegt,
1340
Weißt du: so fernhin dehnt sich unsre Mauer nicht,
Daß nicht bekannt dir wäre, was geschehen ist.
Als nun die Jungling' aus dem Stamm des Dedipus
Mit ehr'ner Waffen Hülle sich den Leib geschmückt;
Da traten sie in die Mitte vor das Doppelheer
1345
Sich gegenüber, so den Kampf zu endigen.
Polyneikes betet', Urgos zugewandt den Blick:
Hera, - denn dein bin ich, seit Adrastos mir
Vermählt die Tochter, seit ich wohn' in deinem Land,
Laß mich den Bruder todten, fårb' im Kampfe mir
1350
Die siegerringende Rechte roth mit seinem Blut!
Eteokles blickte nach der goldbeschildeten
Athene Tempel, flehend: gib, o Tochter Zeus',
Daß diese Lanze kühn geschnellt von meinem Arm
zu schonem Siege, treff in meines Bruders Herz,
1355
Ihn tödte, der mein Vaterland zu verheeren kam!
Als, einem Brand gleich, nur der Ruf tyrrhenischer
Trompeten scholl, das Zeichen mörderischer Schlacht;
So stürmten beide wider sich in wildem Lauf,
Und fielen, gleich Waldebern, die den grimmen Zahn
1360
Gewezt, die Wangen weiß von Schaum, einander an,
Die Speere schwingend; doch sie barg des Schildes Rund,
Daß wirkungslos das Eisen niederschmetterte.
Wenn Einer über dem Rande sah des Andern Blick
So schwang er eilends wider seine Stirn den Speer.
1365
Doch da sie klüglich an der Schild' erhaben Rand
Das Auge legten, saust' umsonst der Lanze Schwung.
Und dichter trof der Schweiß herab den Schauenden,
(Für ihre Freunde bangten sie) denn diesen selbst.
The Phoenician Women. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .