Weh, was beginn' ich? Wein' ich über mein Geschick,
Beklag' ich Theben, das Gewölk der Feinde rings
1295
Umlagert, und zum Acheron zu senden droht?
Mein Sohn, sich opfernd für das Land, ist auch dahin,
Hat hohen Ruhm errungen, doch zum Kummer mir:
Ihn trug ich eben aus des Drachen Kluft, entseelt
Von eignen Hånden, jammervoll im Arme fort.
1300
Das ganze Haus ruft wehe: doch ich such', ein Greis,
Die greise Schwester, meinen Sohn zu baden, ihn
Zur Schau zu stellen, der das Licht verlassen hat.
Denn Ehre zollen müssen, die im Leben sind,
Den Abgeschiednen und die Todesgotter scheun.
1305
Chor.
Kreon, deine Schwester ging vom Hause fort,
Und mit der Mutter eilt' hinweg Antigone.
Kreon.
Wohin? Zu welchem Ungemach? Erkläre mir.
Chor.
Die Söhne wollen, hörte sie, im Doppelkampf
Sich gegenüber, kämpfen um den Königsthron.
1310
Kreon.
Wie sagst du? Das zu wissen, war ich nicht bemüht;
Un meines Sohnes Leiche, traun, genügte mir.
Chor.
Lang ist es schon, daß deine Schwester fortgeeilt;
Auch haben wohl die Kinder Dedipus' bereits,
So glaub' ich, Kreon, ihren Todeskampf vollbracht.
1315
Kreon.
Weh mir, das Zeichen seh' ich schon im düstern Blick,
Im Angesicht des Boten, der hier kommt heran,
Und Alles, was geschehen, uns verkünden wird.
Bote.
The Phoenician Women. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .