Euripides Helen 1-163

ed. Gilbert Murray

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Helen. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἑλένη (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Helen Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.)) — 1-160 focus
Helen (OCR draft) Experimental (Helen. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Das sind des Nil jungfraulich lautre Fluten hier, 1 2 3
1
Der statt der Himmelstropfen, wann der helle Schnee
Zerrann, Aegyptos' Ebnen und Gefilde trånkt.
Proteus, so lang' er lebte, herrscht' in diesem Reich,
Und wohnt' im Eiland Pharos, als Aegyptens Herr, 4
5
Der einer Meeresnymphe sich, der Psamathe, 5
Vermählt, nachdem sie fliehend schied von Aeakos.
Und sie gebar zwei Kinder ihm in diesem Haus,
Theoklymenos, den Jüngling, (also nannt' er ihn,
Der stets die Götter ehrte,) dann die reizende
10
Jungfrau, der Mutter Wonne schon als kleines Kind,
Und, als zur Ehe sie gereift in Jugendglanz,
Theonoë geheißen; denn das Göttliche, 6
Was ist und sein wird, Alles war ihr offenbar,
Wie's ihr von Nereus, ihrem Ahn, verliehen ward.
15
Mein Vaterland ist Sparta's hochberůhmte Stadt,
Mein Vater König Lyndareus; wohl sagt man auch,
Daß Zeus in meiner Mutter Schooß geflogen sei,
Nachdem in eines Schwans Gestalt er sich gehüllt,
Der scheu vor einem Adler floh, und also sie 7
20
Durch Trug zur Liebe bethörte, lügt die Sage nicht.
Man nennt mich Helena; welches Leid ich duldete,
Vernehmt. Zu Paris kamen drei Göttinnen einst
In Grotten Ida's, kämpfend um der Schöne Preis,
Die Zeusgeborne Pallas, Hera, Kypria;
25
Er soll den Ausschlag geben, wer die schönste sei.
Und meine Schönheit (wenn das Unheilbringende
Schon ist) gelobte Kypris ihm zum Ehebund,
Und siegte. Paris eilt' hinab von Joa's Höhn
Nach Sparta, mich zu holen als verheißne Braut.
30
Doch Hera, Groll im Busen, daß nicht sie gesiegt,
Vereitelt' Alexandros' Ehebund mit mir, 8
Nicht mich gewährend, sondern schuf aus Aetherluft
Ein lebend Truggebilde, das mir ähnlich war.
Nun wähnt in eitlem Wahne mich der Königssohn
35
Zu besizen, die er nicht besizt. Doch andrer Rath
Des Zeus' gesellt sich diesem Ungemache zu:
Denn Krieg erregt' er Argos' Land und Phrygia's
Bedrängtem Reiche, daß er allzuvielen Volks,
Der Menschenmenge Mutter Erd' entledige,
40
Und hohen Ruhm erringe Hellas' größtem Sohn. 9
So ward im Phrygerkampfe denn zwar nicht ich selbst,
Mein Name nur für Hellas ausgesekt als Preis.
Doch mich entrückte Hermes durch der Lufte Raum,
Verhüllt in eine Wolke, (Zeus war meinethalb
45
Besorgt) in Proteus' königliches Haus hieher,
Der ihm von allen Menschen schien der weiſeſte,
Damit ich wahre keusch und rein des Gatten Bett.
Und ich bin hier nun; aber mein unseliger
Gemahl versammelt Argos' Heer, zieht ohne Rast,
50
Mich heimzufodern, vor die Burgen Ilions.
Viel Heldenseelen sanken an Skamandros' Flut 10
Um meinetwillen; aber mir, die Alles litt,
Mir fluchen Alle, daß ich meinen Gemahl verrieth,
Und Hellas' Volke grausen Krieg bereitete.
55
Warum noch leb' ich? Weil mir Hermes offenbart, 11
Damit ich keinem Andern mich gesell' als Weib,
Mit meinem Gatten wurd' ich noch der Sparter Land
Bewohnen, hor' er, daß ich nie nach Troja kam.
So lange Proteus dieses Licht der Sonne sah,
60
Umwarben keine Freier mich: doch seit die Nacht
Der Erd' ihn hålt umfangen, strebt des Todten Sohn
Nach meiner Hand. Ich, meinem alten Gatten treu,
Sink' hier an Proteus' Hügel hin, und fleh' ihn an, 12
Mein Bett dem Gatten unentweiht zu bewahren, daß,
65
Wenn auch in Hellas schmachbedeckt mein Name sei,
Doch meinen Leib hier keine Schmach entheilige.
Teukros tritt auf. Helena.
Wer hat in diesem wohlgeschirmten Haus die Macht?
Denn Plutos' Hause darf es wohl zur Seite stehn 13
Mit hohem Sims, mit königlicher Mauern Kranz.
70
Ha!
Ihr Götter, was erblick' ich? Dies verhaßteste
Fraunbild, die Mörderin seh' ich, die mir gab den Tod
Und Hellas' Volke. Strafen dich die Götter, daß
Du so Helénen ähnelst! Tråt' auf fremdes Land
Nicht unser Fuß, durch diesen wohlgezielten Stein
75
Verdürbst du, bußtest, daß du gleichst der Tochter Zeus'.
Und wohl gefangen nahmt ihr auch die Sparterin?