Euripides Helen 1512-1690

Edward P. Coleridge (Translator)

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Helen. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Helen (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἑλένη Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978)) — 1512-1692 focus
Translations (2)
Helen (OCR draft) Experimental (Helen. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1512 focus
Gelegen, König, treffen wir im Hause dich; 1
Denn neues Unheil hörst du gleich aus meinem Mund.
1415
Und Alles war nun mühelos an Bord gebracht
Und wohlgeordnet; nur der Stier noch straubte sich,
Aufrecht hinabzugehen nach dem Schiffsverdeck;
Er brüllte laut auf, rollt das Aug' im Kreis umher,
Und krümmt den Rücken, und zur Seit' umblickend wehrt
1460
Er uns, ihn anzurühren; da rief Helena's
Gemahl: „Ihr Freunde, die zerstört die Troërstadt,
Auf, raffet ihr nicht nach Hellenenart ihn auf,
Den Stier, und tragt auf jugendlichen Schultern ihn 3
Zum Bug des Schiffes? Dieser Stahl, zugleich gezückt,
1465
Wird dann dem Todten schlachtend ihn zum Opfer weihn."
Auf diese Mahnung griffen sie sofort den Stier,
Und trugen ohne Säumen ihn zum Schiffsverdeck;
Menelaos aber streichelt Stirn und Nacken ihm,
Den wohlumſtrickten, daß er gern im Schiffe blieb.
1470
Nun, als im Fahrzeug Alles aufgenommen war,
Betrat die Leiter Helena mit schönem Fuß,
Und sezte mitten auf die Ruderbänke sich,
Und neben sie Menelaos, den man todt gesagt.
Die Andern saßen, diese rechts und jene links,
1475
Mann neben Mann, die Schwerter in des Gewandes Schooß
Verborgen haltend, und von Lärm erdröhnte rings
Das Meer, sobald des Rudermeisters Stimm' erscholl. 4
Doch als wir weder allzufern, noch nahe mehr
Am Lande waren, fragte so der Steuermann :
1480
„Verlangst du weiter, oder ist es also recht,
O Fremdling? Denn des Schiffes Hut ist dir vertraut."
Der rief:,,genug mir!" zückte mit der Hand den Stahl,
Und schritt zum Bug des Schiffes, und ergriff den Stier,
Und keines Todten gedenkend, stieß er ihm das Schwert
1485
Die Kehl' hinab, und flehte: „Meerbewohnender
Seegott Poseidon, keusche Nereïden ihr,
Aus diesem Lande rettet mich nach Nauplia
Mit meiner Gattin!" Und des Opferthieres Blut
Sprang, heilverkundend seiner Fahrt, in die Wellen hin.
1490
Und Einer sprach so: „Diese Schifffahrt ist Betrug.
Zuruckgesegelt! Also ziemt's. Gebiete du, 5
Und wende du das Steuer!" Atreus' Sohn, nachdem
Der Stier entseelt gesunken, rief den Freunden zu:
1495,Was säumt ihr langer, Blüthe vom Hellenenland,
1495
Die Fremden hinzuschlachten und vom Schiff hinab
Ins Meer zu sturzen?" Doch der Rudermeister rief
Ein ganz verschiedenlautend Wort den Deinen zu:
„Ergreift von euch nicht endlich Einer Stang' und Brett,
Berschellt die Bänke, reißt vom Pflock das Ruder ab,
1500
Und fårbt den wilden Feinden blutigroth das Haupt?"
Da stürmten all' auf, unsre Leute wohlbewehrt
Mit Ruderstangen, Schwerter schwang die fremde Schaar;
Die Barke schwamm im Blute. Laut vom Spiegel her
Rief Helena: „Wo blieb er, euer Troërruhm?
1505
Zeigt ihn der fremden Horde!" Heiß erglüht der Kampf,
Die stürzten, Andre hoben sich, die sahst du todt
Am Boden liegen. Atreus' Sohn, bewaffnet, spåht,
Wo seine Kampfgenossen Noth erduldeten;
Dorthin, den Stahl in hoher Rechten, eilt er dann,
1510
Und aus dem Schiffe stürzt er uns, und leerte rings
Von deinem Volk die Ruder, schritt zum Steuer hin,
Und rief: „nach Hellas zugewandt des Schiffes Lauf!"
Man stellt den Mastbaum, gute Wind' erhoben sich;
So stießen sie vom User. Ich entrann dem Tod,
1515
Und ließ am Ankertaue mich in's Meer hinab.
Und schon ermatten wollt' ich; da bot Einer mir
Ein Seil, und zog mich aufwärts, und ich stieg an's Land,
Dir dieses kundzumachen. Traun, den Sterblichen
Ist weises Mißtraun allezeit das Heilsamste.
1520
Wehe mir! Wie ward ich Armer, wie beruckt durch Frauenlist!
Hin, entflohn ist meine Hoffnung! Wäre noch das Schiff zu fahn,
Wenn ich ihm nacheilte; wahrlich, keine Mühe wollt' ich scheun.
1525
Aber nun soll uns die Schwester büßen, die Verrath geübt,
Die, des Atreus Sohn im Hause schauend, uns es nicht entdeckt!
Keinen Mann mehr soll sie fortan täuschen durch ihr Seher-
Laß ab vom Zorne, der mit Unrecht dich erfüllt,
Theoklymenos, dieses Landes Herr! Wir rufen dich,
1545
Wir Söhne Leda's und des Zeus, der Helena
Ruhmvolle Bruder, welche floh aus deinem Haus.
Du zürnst der Ehe wegen, die das Schicksal dir
Misgönnt; kein Unrecht übt' an dir Theonoë,
Die Schwester, Nereus' Enkelin, die Göttermacht
1550
Und eures Vaters fromm Gebot in Ehren hielt.
Denn immer bis zu dieser Stunde sollte sie
In deinem Hause wohnen, (also war's bestimmt)
Doch, nun die Mauern Ilions zertrümmert sind,
Und Helena den Göttern ihren Namen lieh,
1555
Nicht mehr: sie muß den alten Ehebund erneun,
Nach Hause kehren und vereint dem Gatten sein.
Drum zuck' auf deine Schwester nicht das dunkle Schwert,
Und glaube: sie that weise, daß sie dieses that.
Långst håtten wir auch unsre Schwester schon befreit,
1560
Da Zeus der Götter seligem Chor uns beigesellt;
Doch unser Arm war schwacher, als des Geschickes Macht,
Und als die Götter, welchen dies also gefiel.
Dir sag' ich dies; doch meine Schwester schiffe heim
Mit ihrem Gatten! Guter Wind weht eurer Fahrt;
1565
Wir, deine Brüder, retten euch wohl über Meer
Auf Rossen jagend, und geleiten euch nach Haus.
Doch wann sich deiner Tage Lauf zum Ende neigt,
Dann wirst du Göttin heißen, und mit den Söhnen Zeus'
An Opfern Antheil haben, und von Sterblichen
1570
Mit uns Geschenk' empfangen; denn Zeus will es so.
Wohin dich Maja's hoher Sohn zuerst entrickt,
Vom Strand Eurotas', deinem Haus in Sparta weg,
Dich raubend, daß nicht Paris dein Verführer sei,
Dies Inselland, dies feste, das an Akte sich 6
1575
Hinstreckt, wird einst auf Erden Helena genannt,
Weil dich es aufnahm, als dich Maja's Sohn entführt.
Menelaos, der so vielfach umgeirrt, empfångt
Im Seligeneiland seinen Siz durch Götterhuld; 7
Denn edlen Männern grollen nicht die Himmlischen,
1580
Unedler wartet immer mehr des Lebens Noth.
Vielfache Gestalt hat der Götter Geschick;
1590
Gar Vieles verhängt unerwartet ihr Rath,
Und was du gewähnt, vollendet sich nicht;
Zum Unmöglichen findet die Bahn ein Gott.
So endete dieses Begegniß.