Wehe mir! Wie ward ich Armer, wie beruckt durch Frauenlist!
Hin, entflohn ist meine Hoffnung! Wäre noch das Schiff zu fahn,
Wenn ich ihm nacheilte; wahrlich, keine Mühe wollt' ich scheun.
1525
Aber nun soll uns die Schwester büßen, die Verrath geübt,
Die, des Atreus Sohn im Hause schauend, uns es nicht entdeckt!
Keinen Mann mehr soll sie fortan täuschen durch ihr Seher-
Chor.
wort!
(er will fort.)
(vertritt ihm den Weg.)
Håre doch! Wo willst du hin, Herr? Wen zu tödten eilst du fort?
Theoklymenos.
Wo Gerechtigkeit mich fordert: weichet aus dem Wege denn!
1530
Chor.
Nein, ich lasse dein Gewand nicht; sinnst du doch auf Frevel nur.
Theoklymenos.
Wollet ihr dem Herrn gebieten, Sclaven ihr?
Chor.
Ich mein' es gut.
Theoklymenos.
Nicht mit mir, wofern du mich nicht låssest, 一
Chor
Nimmer lass ich dich.
Theoklymenos.
Daß ich sie, die schlimmste Schwester, todte
Chor.
Sie, die frommste Frau!
Theoklymenos.
Die mich schndd verrathen -
1535
Chor.
Rechtthun ist Verrath, der Ehre bringt.
Theoklymenos.
Die mein Weib hingab dem Fremdling -
Chor.
Dem sie mehr, als dir, gebührt.
Theoklymenos.
Wem gebührt das Meine?
Chor.
Jenem, der sie nahm aus Vaters Hand.
Theoklymenos.
Aber mir gab sie das Schicksal.
Chor.
Und das Schicksal nahm sie dir.
Theoklymenos.
Dir geziemt hier nicht zu schlichten.
Chor.
Rath' ich doch das Bessre dir.
Theoklymenos.
So bin ich nicht Herr, bin Sclave.
1540
Chor.
Herr genug, um Recht zu thun.
Theoklymenos,
Dich verlangt zu sterben?
Chor.
Morde; doch die Schwester mordest du
Nimmermehr mit unserm Willen; morde mich! Für seinen
Herrn
Sterben ist dem edlen Diener, traun, der ehrenvollste Tod.
Die Dioskuren erscheinen. Die Vorigen.
Einer der Dioskuren.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .