Du hast, o Fremdling, frohe Kunden uns gebracht.
Menelaos.
Mir sind sie das nicht, auch dem Hingeschiednen nicht.
Theoklymenos.
Sprich, wie begrabt ihr Todte, die das Meer verschlang?
Menelaos.
Wie Jedem seiner Habe Maß beschieden ist.
1200
Theoklymenos.
Von Schåzen nenne, was du willst; ihr geb' ich es.
Menelaos.
Blut wird zuerst den Todesgåttern dargebracht.
Theoklymenos.
Von welchem Thiere? Sage mir's, ich folge dir.
Menelaos.
Du selbst entscheide! Was du geben magst, genügt.
Theoklymenos.
Roß oder Stier zu geben, ist Barbarenbrauch.
1205
Menelaos.
Gib (was du geben mögest) nur Untadliches.
Theoklymenos.
Bei reichen Heerden fehlt es uns an solchem nicht.
Menelaos.
Sodann ein Ruhbett bringt man, wohlumhüllt und leer.
Theoklymenos.
Es sei! Doch was zu bringen heischt die Sitte sonst?
Menelaos.
Die Wehr von Erze; denn der Speer war seine Lust.
1210
Theoklymenos.
Werth ist der Pelopssöhne, was ich geben will.
Menelaos.
Dann noch, so viel an schönen Blumen trågt die Flur.
Theoklymenos.
Wie werft ihr alles dieses in die Flut hinab?
Menelaos.
Ein hurtig Fahrzeug sei zur Hand mit Ruderern.
Theoklymenos.
Und welche Weite hålt das Schiff vom Strande fern?
1215
Menelaos.
Man sieht vom festen Lande kaum der Ruder Schlag.
Theoklymenos.
Doch wie? Warum hat Hellas diesen Brauch erwählt?
Menelaos.
Daß nicht die Leichen, uns zur Schmach, auswirst die Flut.
Theoklymenos.
Ein rasches Schiff Phonike's ist für euch bereit.
Menelaos.
Das wäre schön und für Menelaos ganz erwunscht.
1220
Theoklymenos.
Doch könntest du nicht ohne sie das Alles thun?
Menelaos.
Das ist der Mütter, Kinder oder Fraun Geschäft.
Theoklymenos.
Du meinst, den Mann zu bestatten, sei des Weibes Pflicht?
Menelaos.
Ein Frommer raubt den Todten ihre Rechte nicht.
Theoklymenos.
So sei's! Auch uns frommt's, haben wir ein fromm Gemahl.
1225
Ich geh' ins Haus nun, hole dir des Todten Schmuck,
Und sende nicht mit leeren Hånden dich hinweg,
Nachdem du dieser dientest. Weil du günstige
Botschaft gebracht, empfangst du får den nakten Leib
Gewand' und Speise, daß du wohl ins Vaterland
1230
Heimkehrst; du bist ja, seh' ich, Freund, recht arm bestellt.
(3u Helena)
Und du, Bedrängte, quåle mit Unmöglichem
Doch nicht dich selber; ihn ereilte sein Geschick,
Und nicht ins Leben kehren kann der Todte mehr.
Menelaos.
Das, Frau, gebietet deine Pflicht, den lebenden
1235
Gemahl zu lieben; immer laß den Todten ruhn:
Wie dein Geschick fiel, ist's für dich am besten so.
Doch wenn ich glucklich heimgekehrt, so sez' ich dort
Wohl deinem bösen Ruf ein Ziel, bewahrst du dich
Als Frau dem Gatten, wie du dich bewähren mußt.
1240
Helena.
Das wird geschehen; nimmermehr soll mein Gemahl
Mich schelten; du bist nahe, wirst es selber sehn.
Doch, Armer, gehe nun hinein, und bade dich,
Und nimm dir andre Kleider um. Ich werde, dir
Dankbar zu sein, nicht saumen; du wirst williger
1245
Dem theuern Mann Menelaos, was der Brauch verlangt,
Ausrichten, wann wir erst gewährt, was dir gebührt.
(Sie gehen alle in den Palast.)
Erste Strophe.
Chor.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .