Euripides Iphigenia in Tauris 456-1085

Edward P. Coleridge (Translator)

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Iphigenia in Tauris. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Iphigenia Among the Tauri (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἰφιγένεια ἐν Ταύροις Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 456-1088 focus
Translations (2)
Iphigenia in Tauris (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Tauris. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 456 focus
Doch siehe, da kommt, mit Fesseln die Hånd'
Umwunden, ein Paar, Schlachtopfer, bereit
Für der Göttin Altar: ihr Geliebten, verstummt!
Dort schreiten sie schon, die Hellenen, geweiht
Der Unsterblichen, nahe dem Tempel.
440
Kein Lugenbericht war's, welchen der Hirt
Uns eben gebracht.
Ehrwürdige, wenn dir dieses gefällt,
Was unsere Stadt ausrichtet, so nimm
Dies Opfer mit Huld, das unser Gesez
445
Darbringt, den Hellenen ein Grauel!
Orestes und.Pylades werden herbeigeführt. Iphigenia.
Wohlan!
Der Göttin Brauch zu wahren, sei vor Allem mir
Die nächste Sorge. Laßt der Fremden Hånde frei;
Geweihte dürfen nimmermehr gebunden sein.
Nun geht hinein zum Tempel, sorgt und ordnet an,
450
Was hier zu thun vonndthen, was die Sitte will.
(Die Tempeldiener ab.)
Ach!
(zu den Gefangenen:)
Wer ist die Mutter, deren Schoß einst euch gebar,
Der Vater und die Schwester, wenn euch eine ward,
Die, solches Bruderpaares, ach! beraubt, hinfort
Dasteht verlassen? Wer erkennt, daß sein Geschick
455
Ein solches sein wird? Was der Götter Rath beschließt,
Im Finstern schleicht es, Keiner sieht Unheil zuvor;
Denn unser Schicksal leitet uns in Dunkelheit.
Von wannen kommt ihr, jammervolle Fremdlinge?
Auf langen Bahnen schifftet ihr in dieses Land,
460
Und lang von Hause werdet ihr - dort unten sein. 1
Wer unter euch hier ist es, den man Pylades
Mit Namen nennt? Vor Allem wissen möcht' ich das.
Wer bist du? Dir sind Hellas' Dinge wohlbekannt.
520
Vernehmet! Eben kamen wir auf einen Punkt,
Der euren Vortheil fördert und den meinigen,
O Freunde. Doch zum Heile führt es dann gewiß,
560
Wenn Andern auch derselbe Rathschlag wohlgefällt.
Errett' ich dich, Freund: willst du dann gen Argos ziehn,
Ein Wort an meine Lieben dort verkündigen
Auf einem Blatte, welches mir ein Gefangner schrieb,
Der, mich bedauernd, wähnte, daß nicht meine Hand
565
Den Mord verschulde, sondern daß des Gesezes Macht
Ihn tödte, weil's der Göttin also recht erschien?
Denn Keinen fand ich, der mir Kunde bracht, und heim 8
Nach Argos kehrend und gerettet meinen Brief.
An einen meiner Theuern überlieferte.
570
Du denn, (du bist ja, scheint mir, nicht unedler Art,
Und kennst Mykend, kennest, die mir theuer sind,)
Du sei gerettet, nimm von mir für flüchtige
Schriftzüge keinen schndden Lohn, dein Leben, hin.
Doch dieser falle, weil das Volk mir so gebeut,
575
Als Opfer unsrer Königin, getrennt von dir.
Wer wird mich opfern und bestehn das grause Werk?
O wie beklag' ich dich, wie sehr, daß nun bald 10
Des Weihwassers Flut dein Haupt blutig nezt!
Mein Pylades, bei den Göttern, denkst du gleich mit mir?
O sprich bedachtsam! Tragen muß ich mein Geschick,
Und will für einfach Leiden nicht ein doppeltes.
Denn was du traurig nanntest und von Schmach erfüllt,
665
Das trifft ja mich auch, opfr' ich dich, der meine Noth
Mitleidet. Denn mich schmerzt es nicht, durch Götterzorn
Das, was ich dulde, duldend, aus der Welt zu gehn.
Dir lacht das Gluck, und lauter, ohne Flecken, ist
Dein Haus, das meine frevelvoll und segenlos.
670
Du wirst gerettet, Söhne blühn dir auf, erzeugt
Mit meiner Schwester, welche dir ich anvermählt;
Mein Name wird dann leben, und nicht kinderlos
Erlöschen wird mein våterliches Haus hinfort.
Drum ziehe hin und lebe, wohn' im Vaterhaus!
675
Doch wann du kommst nach Hellas und in's Rosseland
Von Argos, dann, bei dieser Rechten fleh' ich dir,
Erbau' ein Grabmal, richte mir Denksäulen auf,
Und Haar und Thränen weih' Elektra meinem Grab.
Verkunde, wie durch eines argischen Weibes Hand
680
Ich hier ein blutig Opfer am Altare fiel.
Und meine Schwester, o verlaß sie nimmermehr,
Wenn Stamm und Haus des Vaters du verdet schaust.
Und lebe wohl! Dich fand ich meinen treusten Freund,
Du Jagdgenosse, der mit mir erzogen ward,
685
Du, der so viele Lasten trug von meinem Leid!
Mir log Apollon, er, der schicksalkundige,
Und trieb mich trugvoll fern' hinaus von Hellas' Volk,
Von Scham erfüllt um seinen ersten Seherspruch.
Ihm ganz mich übergebend und auf sein Gebot
690
Die Mutter mordend, fall' ich selbst des Todes Raub. 17
Entfernet ihr euch, ordnet an im Heiligthum,
Was sie bedürfen, die den Opferdienst vollziehn.
(die Männer gehen ab.)
Mein vielgefaltet Schreiben, seht, o Fremdlinge,
Hier ist es; aber was ich nun noch weiter will,
Vernehmt. Ein Andrer ist der Mensch im Ungemach,
705
Ein Andrer, wann er statt der Furcht Vertraun gewann. 18
Darum befürcht' ich: kehrt er heim aus unserm Land,
Der diesen Brief nach Argos überbringen soll,
So wird er nicht mehr achten, was ich ihm befahl.
Verkünd' Oresten, Agamemnons edlem Sohn:
745
„Sie, die vor Aulis unterging, Iphigenia,
Die dort für todt gilt, diese lebt, und sendet dies."
Verwegen, Freund, berührst du diese Priesterin,
Umschlingst ihr heilig rein Gewand mit deinem Arm.
Mein Liebster, und nichts Andres, denn das bist du ja,
Ich hab', Orestes, Lieber, dich,
Der fernher vom Heimlande, von Argos kam!
805
Grauses erkühnt' ich Elende mich, grauser That, grauser
Weh mir!
That,
Entslohn wårst du kaum ruchlosem Untergang,
Bruder, von meinen Hånden graunvoll erwürgt.
Welches Ende folgt auf dieses?
Welches Schicksal wird mein Loos sein?
840
Was sinn' ich dir aus, auf welchem Pfad send' ich dich
Von hier, frei von Tod, in's Land Argos heim,
Eh' hier dein Leben dem Stahle verfällt?
Das, das ist es, o armes Herz, 29
Was du mir ausspåhn mußt,
845
Ob du zu Lande, nicht im Schiffe,
Ob du mit eilendem Fuß
Dich gibst in den Tod, wenn du Stämme der Barbaren
Und unwegsame Wege durchziehst; durch kyanische Felsen
Den Engpaß hindurch, dehnt für die Flucht sich, traun,
850
Der Meerpfad zu weit.
Ich Arme, ich Arme!
Wer, ob es ein Gott, ob ein Sterblicher sei,
Welch glucklicher Zufall
Entwirrt den verworrenen Pfad, 30
855
Zeigt uns, die noch allein leben von Atreus' Stamm,
Aus Noth Rettung an?
Dies Wunderbare, dieses Unaussprechliche,
Ich sah es selber, hört' es nicht aus Andrer Mund. 31
Erfahre, was mir Quelle ward von vielem Leid.
Nachdem mein Arm der Mutter Gråuelthat geracht,
Von der ich schweige, trieben mich verfolgende
Erinnen fluchtig außer Lands, bis Lorias'
900
Orakel endlich nach Athen mich gehen hieß,
Zu bußen hier den namenlosen Göttinnen 35
Vor jenem hohen Richterstuhl, den Zeus vordem
Für Ares sezte, weil er sich durch Mord entweiht.
Dort, als ich hinkam, schloß kein Freund die Pforten mir
905
Willfährig auf, als einem gottverhaßten Mann;
Und, die sich schämten, reichten mir auf eignem Tisch
Die Gastgeschenke, wenn sie schon Ein Haus umschloß,
Und saßen schweigend, daß auch ich verstummt' und scheu
Von ihrem Mahle keinen Theil mir forderte;
910
In eignen Becher füllten sie für Alle gleich 36
Des Weines Maaß, und tranken, lautrer Wonne voll.
Und ich, zu schelten wagt' ich doch die Freunde nicht,
Litt Schmerz in Stillen, stellte mich, als ahnt' ich nichts,
Und seufzte schwer auf, weil ich Muttermårder war.
915
Nun hor' ich, daß in Atthis' Lande mein Geschick
Ein Fest veranlaßt, und die Sitte noch besteht,
Daß Gießgefässe Pallas' Volk in Ehren hålt.
Als ich zum Areshügel kam und vor Gericht
Mich stellte, nahm ich selber ein den einen Siz,
920
Den andern nahm der Eumeniden älteste.
Und sprechend selbst und hörend um den Muttermord,
Errettet' uns Apollon durch sein Zeugniß; gleich
Ward mir, von Pallas zugezählt der Stimmen Zahl,
Und siegend trat ich aus dem Blutgericht hervor.
925
Am Ort des Urtheils wählten sich ein Heiligthum
Die Eumeniden, die der Spruch befriedigte;
Doch jene, welchen nicht genehm der Spruch erschien,
Verfolgten stets in ruhelosem Laufe mich,
Bis ich in Phobos' heilig Land von neuem kam,
930
Und vor dem Altar ausgestreckt, der Speise mich
Enthaltend, schwur, des Lebens Faden reiß ich ab,
Wenn Phobos nicht mich rette, der mich mordete.
Da scholl Apollons hehrer Spruch vom goldenen
Dreifuß, mich hierher weisend, um das himmlische
935
Bildniß hinwegzuführen in Athens Gebiet.
So hilf die Rettung, die der Gott mir zugedacht,
Uns miterringen; rauben wir das Gottesbild,
So flieht der Wahnsinn meinen Geist, ich bringe dich
Zum Argosland im ruderreichen Schiff zurück.
940
Du denn, o trautes Schwesterhaupt, Geliebteste,
Sei Schuz dem Vaterhause, sei mir Retterin;
Denn all mein Glück und unsers Hauses Glück zerrinnt,
Wenn nicht der Göttin Himmelsbild uns eigen wird.
Ein schwerer Zorn der Götter brach entbrannt herein,
945
Und treibt in Noth der Tantaliden Stamm umher.
Wie wird es möglich, daß wir uns dem Tod' entziehn
975
Und unser Ziel erreichen? Denn hieran allein
Mag unsre Heimkehr scheitern; nicht mein Wille fehlt. 37
Auf euch, geliebte Frauen, wend' ich meinen Blick,
Auf euch allein beruht es, ob ich glucklich sein,
1015
Ob elend sein soll und beraubt des Vaterlands,
Des Bruders und der Schwester, meiner Theuersten.
Und dieses sei vor Allem meines Worts Beginn:
Wohl sind wir Frauen, Eine will der Andern wohl;
Was uns gemein ist, wahren wir mit trenem Sinn.
1020
So seid verschwiegen, und gewährt hilfreiche Hand
Zur Flucht! Des Ruhmes würdig ist ein treuer Mund.
Ihr sehet: Ein Loos wartet auf drei Liebende,
Heimkehr in's våterliche Land, ach! oder Tod.
Gerettet rett' ich, daß auch du mein Schicksal theilst,
1025
Auch dich nach Hellas. Bei der Rechten flch' ich denn,
Dir fleh' ich, dir auch, bei der holden Wange dir,
Bei diesen Knie'n und deines Hauses Thcuerstem,
Bei Mutter, Vater, Kindern, wenn du welche hast!
Was meint ihr? Welche will es? Welche weigert es?
1030
O sprecht! Versagt ihr meinem Wort die Billigung,
Bin ich dahin, mein armer Bruder ist dahin.

Notes on the current edition

Iphigenia in Tauris

1. Assigned to Iphigenia in the Coleridge translation.