Euripides The Trojan Women 230-510

ed. Gilbert Murray

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The Trojan Women. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Τρῳάδες (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
The Trojan Women Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.)) — 230-510 focus
The Trojan Dames (OCR draft) Experimental (The Trojan Dames. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 230 focus
Doch sieh, dort naht von der Danaer Heer,
Wohl Neues zu melden, ein Herold uns,
Der mit eilendem Schritt vollendet den Pfad.
Was bringt, was sagt er? Sclavinnen sind
Wir schon in dem dorischen Lande. 1
230
Talthybios. Hekabe. Der Chor.
Davor, geliebte Frauen, bangt' uns lange schon.
235
Berschlage dir das geschorne Haupt,
Und mit den Någeln zerfleische beide Wangen!
Weh mir, weh!
Dem verruchten, dem listigen Manne
Warf mein Loos mich zu,
280
Dem rechthassenden Scheusal, dem Gesezesseind,
Der Alles dort und Alles hier 6
Feindlich mit doppelter Zunge
Wieder aufregte,
In Haß wandelnd, was zuvor freundlich war. 7
285
Beklagt mich, Troerfrauen: unselig fahr' ich hin;
Hin bin ich Arme, die
Dem ungluckseligsten
Loose verfallen ist!
Dein Schicksal, Herrin, weißt du; doch an welchen Mann
290
Aus Hellas oder Achia bannt mich mein Geschick? 8
Halt, gib Fackeln her; festlich erleuchten will 10
Ich dies Heiligthum!
Hymen, Gott Hymendos, sieh, o sieh
Den glücklichen Gemahl und mich Gluckliche,
Die nun nach Argos freien soll!
310
Hymen, Gott Hymendos!
Weil du mit Thränen und mit Weheruf,
O Mutter, um den hingeschiednen Vater klagst,
Und klagst um's theure Vaterland :
Zund' ich zum Hochzeitseste mir 11
315
Der Flamme Licht an, daß es hell schimmre, weithin leuchte,
Hymen, Gott Hymendos, dir.
Gib die Fackel, o Hekate, 12
Wie's bei der Tochter Vermählung
Die Sitte will!
320
Schwing' in åtherischem Tanze den Fuß, (Evan, Ενό!) 13
Als an dem glucklichsten Tag
Meines Vaters; hebe den Tanz,
(Er ist heilig,) heb' ihn an, Phobos, zu 14
Deiner Priesterin Ehre 15
325
In deinem lorbeervollen Haus!
Hymen, Gott Hymendos!
Auf, tanze, Mutter, hebe deinen Fuß; 16
Hierhin und dorthin wende, schwinge, mir gesellt,
Der Füße lieben holden Schritt!
330
Lobpreiset ihn, den Hymendos, oh!
Mit seligen Gesängen,
Mit Festruf die Jungfrau! 17
Kommt, ihr phrygischen Madchen in
Schönem Gewand, besingt mein Fest,
335
Singt, den uns das Geschick gab,
Den Bräutigam!
Geliebte Fürstin, wehrst du nicht der Rasenden,
Den leichten Schritt zu tragen in's Argeierheer?
Den Troërn aber Ehre, die (der schonste Ruhm!)
Für ihre Heimat fielen! Die das Schwert erschlug,
Todt heimgetragen wurden sie von Freundeshand,
385
Und fanden ihres Grabes Hüll' im Vaterland,
Beschickt von Hånden, welchen das die Pflicht gebot.
Doch jene Phryger, welche nicht der Kampf entseelt,
Sie waren täglich bei Gemahl und Kind daheim,
Der Lust sich freuend, welche kein Achåer fand.
390
Nun hore noch von deines Hektor Jammerloos: 22
Als erster Held geachtet fand er seinen Tod.
Der Griechen Ankunft ist es, der du dieses dankst,
Weil, kamen sie nicht, Hektors Nuhm im Dunkel blieb.
Paris gewann Zeus' Tochter; ward ihm diese nicht,
395
Ein Mädchen ohne Namen hått' er heimgefuhrt.
Wohl ziemt es, wenn man weise denkt, den Krieg zu fliehn;
Doch, kam es dahin, ist es kein ruhmloser Kranz
Dem Vaterlande, wenn du stirbst des Helden Tod,
Indeß ein feiger Untergang ihm Schande bringt.
400
Deßhalb, o Mutter, jammre nicht um mein Geschick
Und nicht um Troja; Jenen, die vor Allen mir
Und dir verhaßt sind, bringt mein Hochzeitfest den Tod.
Ha, welch gewalt'ger Sclave! Wozu nennt man doch
Herolde sie, die Scheusal', aller Welt verhaßt,
Die Frohner, Städten und Gewaltherrn unterthan?
Wie? Meine Mutter, sagst du, soll nach Ithaka,
425
In's Haus Odyssens? Doch wo bleibt dann Phobos' Wort,
Das mir sein Spruch verkundet, daß die Mutter hier,
Hier sterben soll? Das Andre wiederhol' ich nicht.
Der Arme weiß nicht, welches Unheil ihn bedroht:
Ihm wird dereinst noch mein Geschick und Troja's Noth
430
Als Gold erscheinen; denn er kommt allein nach Haus,
Bestand er zehen Jahre noch zu diesen hier,
Da, wo des Felsen engen Pfad das Ungethum 23
Bewohnt, Charybdis, und der rohverschlingende -
Kyklop, wo Kirke, Zauberin der Ever, haust,
435
Wo grauser Schiffbruch seiner harrt im salz'gen Meer,
Des Lotos Reiz, die heiligen Sonnenrinder auch,
Aus deren Fleische Brüllen einst erschallen wird,
Ein Schreck Laertes' Sohne. Sag' ich's kurzgefaßt:
Zum Hades geht er lebend, und der Meeresflut
440
Entronnen, trifft er tausendfaches Leid daheim.
Doch wozu send' ich die Worte von Odysseus' Müh'n hin-
(zu Talthybios)
aus?
Gehe, daß ich bald dem Gatten mich vermähl' in Hades'
Haus!
Ha, du Schlimmer, schlimm begraben wirst du Nachts, und nicht am Tag,
Der du Großes auszurichten wahnst, o Fürst der Danaer!
445
Meine Leich', in nackter Blåße hingeworfen, wird die Schlucht,
Wo der Waldstrom rauscht, empfangen, und am Grab des
Bräutigams
Werden Raubthier' uns zerfleischen, uns, Apollons Priesterin!
Ihr, o Kranze meines liebsten Gottes, Schmuck der Seherin,
Fahret wohl! Vorbei die Feste, die zuvor mein Herz erfreut!
450
Trauernd reiß' ich euch vom Haupte: keusch und rein noch, send' ich sie,
Fortzuwehn in raschen Lüften, dir, Orakelkönig, zu!
Wo verzieht das Schiff des Feldherrn? Wo betritt mein
Fuß den Kahn?
Sowie du, harr' ich des Windes, dessen Hauch mein Segel schwellt,
Nun du mich, der drei Erinnen Eine, führst aus diesem
455
Land.
Lebe wohl, o Mutter! Weine nicht, geliebtes Vaterland!
Ihr im Schooß der Erde, Brüder, du, der uns das Leben gab,
Bald empfangt ihr mich! Ich steige siegbekrönt in's Schattenreich,
Wann ich Atreus' Haus zerstörte, welches uns den Tod ge-
Ihr Hüterinnen Hekabe's, gewahrt ihr nicht
460
Die greise Herrin, wie sie stumm zur Erde sinkt?
Faßt ihr sie nicht, ihr Dirnen? Oder laßt ihr so
Die Greisin stürzen?
Hebt sie schnell vom Boden auf!
(zu den Dienerinnen).