Euripides The Trojan Women 568-795

Edward P. Coleridge (Translator)

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The Trojan Women. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

The Trojan Women (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Τρῳάδες Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 568-798 focus
Translations (2)
The Trojan Dames (OCR draft) Experimental (The Trojan Dames. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 568 focus
O Gebieterin, siehst du Andromachen hier,
Die vorüber dir fährt auf fremdem Gespann?
Und an wogender Brust, von der Mutter geschirmt,
Folgt ihr Astyanar, Hektors Sohn.
570
Dahin, fort führen mich
Achia's Herrscher.
Dahin schwand das Glück, dahin Troja!
komm, mein Gemahl
Auf du, der Achåer Verderben,
Der Sohn' Erstgeborner,
Mein und des Priamos einst,
Bette mich in den Hades!
595
Wir, groß waren wir einst! Dies Leiden erdulden wir, Arme,
Nun hinstürzte die Stadt; zu dem Jammer gesellt sich der
Jammer,
Feindlicher Götter Geschick, seit Paris entsloh dem Verhängniß,
Der durch frevelnde Liebe die troische Feste zerstört hat.
Blutige Leichname liegen am heiligen Tempel Athenes,
600
Geiern zum Raube geweiht, und auf Ilion lastet die Knecht-
Mein ungluckliches Land, ich beweine dich, muß dich verlassen,
(Siehst du dein trauriges Ziel?) und das Haus hier, wo
O Kinder, wůst ward die Stadt,
Euere Mutter, von euch verlassen!
605
ich gebar einst!
Welch klåglicher Nuf, welch bittere Trauer!
Thränen um Thränen, vergossen in unserem
Hause, wie stromt ihr so bang! Nur Todte vergessen des
Wie sind die Thränen doch so süß dem Leidenden,
Der Schmerz des Jammers und der Muse klagend Lied!
610
O Mutter, die den Tapfern mir gebar, vernimm 2
635
Ein Wort von mir, das deinem Herzen Trost gewährt.
Ich acht' es gleich dem Tode, nicht geboren sein;
Doch besser, als ein traurig Leben, ist der Tod.
Denn keinen Schmerz empfindet, wer kein Leiden fühlt:
Doch wer das Gluck gekostet und in Noth versinkt,
640
Der sehnt sich stets und gråmt sich um's verlorne Gluck. 3
So liegt auch deine Tochter todt, als ob sie nie
Das Licht gesehn, und weiß von ihren Leiden nichts.
Doch ich, nach Ehre trachtend und des Ruhmes auch
Die Füll' erringend, fehlte doch des Gluckes Ziel. 4
645
Denn was der tugendhaften Frau zu üben ziemt,
Dem lebt' ich immer redlich nach in Hektors Haus.
Für's Erste, - mag der Flecken einer Schuld am Ruf
Des Weibes haften oder nicht, schon dies erweckt
Ihr båsen Leumund, wenn sie nicht zu Hause bleibt.
650
Drum, solch Gelist verschmåhend, blieb ich still daheim;
In meine Wohnung ließ ich nie das lockende
Geschwaz verschmikter Frauen ein, der gute Geist
Von Hause war mein Lehrer, ich war mir genug.
Der Zunge Schweigen und des Auges sanften Blick
655
Bewahrt' ich stets dem Gatten, wußte, wo der Sieg
Ihm über mich gebührte, wo mir über ihn.
Und solcher Sitten Kunde drang in Argos' Heer,
Und wurde mein Verderben: denn nachdem sie mich
Gefangen, wählte Pyrrhos mich zur Gattin aus;
660
So muß ich Sclavin in des Mörders Hause sein !
Und wenn ich Hektors theures Haupt vergesse, wenn
Mein Herz dem neuen Gätten sich in Liebe weiht,
Schein' ich dem Todten ungetreu; doch, fahr' ich fort,
Ihn treu zu lieben, werd' ich meinem Herrn verhaßt.
665
Wohl hårt man sagen, Eine Nacht besanftige
Den Groll des Weibes, welchen sie dem Mann gehegt.
Doch wir verabscheu'n Eine, die, des ersten Manns
Beraubt, in neuem Ehebund den andern liebt.
Denn auch das Füllen, welches du vom Füllen trennst,
670
Mit dem es aufwuchs, zieht das Joch nicht leichtes Muths:
Doch ward dem Thier nicht Sprache, nicht Verstand verliehn,
Und niedrer ist sein Wesen, als der Menschen Art.
Du, mein geliebter Hektor, warst mir stets genug,
Groß durch Verstand, durch Ahnen, Reichthum, Tapferkeit:
675
Und rein empfangen hast du mich vom Vaterhaus,
Und dich empfing als Ersten mein jungfräulich Bett.
Und jezt ereilte dich der Tod, ich segle fort
Nach Hellas, kriegsgefangen, in der Sclaven Joch.
(zu Hekabe)
Erscheint dir nun nicht minder schlimm, als mein Geschick,
680
Das Ende deiner Tochter, die du so beklagst?
Denn auch die Hoffnung, die den Menschen nie verläßt,
Ist mir verloren; nimmer tauscht der Glaube mich
An frohe Tage: lieblich zwar ist selbst der Wahn.
Weib des besten Helden einst im Phrygervolk,
710
Nicht hasse mich: denn wider Willen meld' ich nur
Den Schluß der Pelopiden und der Danaer. 6
O Liebster, o mein über Alles theurer Sohn,
Dich würgt der Feind, die Mutter låssest du zurück!
Und deines Vaters hoher Nuhm bringt dir den Tod,
Der Ruhm des Helden, der den Andern Heil gebracht!
Des Vaters edle Tugend war kein Segen dir.
745
O jammervoller Chebund, o bråutlich Fest,
Wodurch ich einst in Hektors Heldensiz gelangt,
Nicht dich zum Opfer Hellas' Volk zu zeugen, Sohn,
Nein, als den Herrn der saatenreichen Asia!
Du weinst, o Sohnchen? Ahnest du dein Misgeschick?
750
Was hältst du, Kind, mich, hangst dich fest an mein Gewand,
Und schmiegst in meine Flugel dich, dem Hühnchen gleich?
Nicht kommen mehr wird Hektor, kehrt mit stolzem Speer 9
Nicht mehr, dich rettend, aus der Erde Schooß zurück,
Auch nicht des Vaters Freunde, nicht der Phryger Macht:
755
Hinab von Thurmhöhn stürzest du den grausen, Sprung
Hauptlings, und hauchest unbeweint das Leben aus!
O du, des Mutterarmes zarte, liebe Last!
O süßer Hauch der Lippen! Also hat umsonst
In Windeln diese Mutterbrust dich aufgenåhrt,
760
Ich müht' umsonst mich, zehrte mich in Sorgen ab!
Zum leztenmale wirf an's Herz der Mutter dich,
Umfange, die dich geboren! Schlinge deinen Arm
Um meinen Nacken, füge Mund an Mund, o Kind!
Ihr, roher Qual Erfinder, schnide Danaer,
765
Was mordet ihr den Knaben, der kein Uebles that?
Nie, Tyndaride, warest du Zeus' Tochter, nie;
Von vielen Våtern stammtest du, behaupt' ich kuhn:
Zuerst von einem bösen Geist, vom Neide dann,
Tod, Mord und anderm Fluche, den die Erde nåhrt.
770
Ja, nimmermehr behaupt' ich, daß Zeus dich gezeugt,
Um die so mancher Phryger und Hellene starb.
Tod über dich! Mit deiner Augen holdem Licht
Hast du der Phryger stolze Gaun schmachvoll zerstört.
Fuhrt, schleppt, hinunter stårzt ihn, wenn's euch so gefällt!
775
Verschlingt sein Fleisch! Denn Götterschicksal brachte mir
Den Untergang, und meinen Liebling kann ich nicht
Vom Tode retten! Hüllt mich ein, und werst in's Schiff
Mich Jammervolle! Denn ein brautlich schönes Fest
zu feiern geh' ich Arme, die den Sohn verlor!
780
(Sie wird hinweggeführt.)
Auf, Sohn, laß ab von dem holden Gespräch
Mit der trauernden Mutter, und steige mit uns
Zu der heimischen Burg Thurmzinnen empor,
785
Wo der Danaer Schluß dir zu sterben verhångt!
(zu den Dienern)
Da nehmt ihn! - Solchen Beschluß darf nur
Ankünden ein Mann, der, mitleidlos
Und ohne Gefühl, nicht unseres Sinns, 10
Schamloser Vermessenheit huldigt!
790
(geht ab mit Astyanar.)

Notes on the current edition

The Trojan Women

1. i.e., Paris, who had been exposed to die on account of an oracle foretelling the misery he would cause if he grew to man’s estate; but shepherds had found him on the hills and reared him.