Weib des besten Helden einst im Phrygervolk,
710
Nicht hasse mich: denn wider Willen meld' ich nur
Den Schluß der Pelopiden und der Danaer.
1
Andromache.
Was ist es? Weßhalb hebst du mir so traurig an?
Talthybios.
Man hat beschlossen, deinen Sohn - Wie sag' ich's nur?
Andromache.
Wohl, daß er uns nicht folgen soll zum gleichen Herrn?
715
Talthybios.
Niemals gebietet über ihn ein Danaer.
Andromache.
So läßt man hier ihn, einen Nest vom Phrygervolk?
Talthybios.
Wie dir das Bise sagen? Weh! Ich weiß es nicht.
Andromache.
Die Scheu ist löblich: bråchtest du das Gute nur!
Talthybios.
Vernimm das Grause: deinen Sohn ermorden sie.
720
Andromache.
Weh! Grauser, als mein Ehebund, ist dieses Leid!
Talthybios.
Der Sohn Laertens sezt' es durch in Argos' Nath
Andromache.
Weh, wehe! Kein gemeines Leid erdulden wir.
Talthybios.
„Nicht leben," sprach er, darf des besten Vaters Sohn" -
Andromache.
Verdamme seine Kinder auch ein solcher Spruch!
725
Talthybios.
„Von Thürmen Troja's werd' er denn hinabgestürzt!"
2
Doch also thu nun, und du zeigst dich weiser auch:
Nicht halte fest am Sohne, nein, duld' aus mit Muth,
Und wähne nicht dich machtig, wo du machtlos bist;
Denn Hülfe hast du nirgends; auch erwäge dies:
730
Hin Troja, hin ist Hektor, du bist Sclavin hier,
Und wir vermögen wahrlich doch mit Einer Frau
Zu kämpfen. Darum gehe nicht auf Hader aus,
3
Und nichts beginne, was dir Haß und Schande bringt;
Auch möcht' ich rathen, sluche nicht auf Hellas' Volk:
735
Denn sagst du Etwas, das den Zorn des Heeres weckt,
So wird der Knabe nicht bestattet, nicht beklagt.
Doch, trågst du schweigend und gelassen dein Geschick,
So bleibt des Sohnes Leiche nicht grablos zuruck,
Und Hellas' Sohne werden dir gewogner sein.
740
Andromache.
The Trojan Women. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .