Euripides Ion 1-81

ed. Gilbert Murray

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Ion. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Ἴων (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Editions (3)
Ion, Greek text (M. A. Bayfield, 1924) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of M. A. Bayfield's second edition of 1924 (first edition 1889), aligned by line to the Murray reference edition.)

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Ion, Greek text (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of A. W. Verrall's 1890 edition, aligned by line to the Murray reference edition.)

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Ion, Greek text (Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, 1926) (OCR draft) Experimental (Wilamowitz's 1926 Greek edition with its critical apparatus, aligned by line to the Murray reference edition.)

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Translations (4)
Ion Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 1-80 focus
Ion (OCR draft) Experimental (Ion. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Ion, English translation (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (A. W. Verrall's English verse translation, passage-aligned to the Murray reference edition.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Von Atlas, der auf eh'rnen Schultern aufgethurmt 1 2 3
1
Den Himmel trågt, der Götter alten Siz, entsproß
Aus einer Göttin Schooße Sie, die mich gebar, 4
Den Hermes, der sich Diener nennt des höchsten Zeus.
Ich kam zum Delpherlande, wo im Mittelraum 5
5
Der Erde thronend Phobos singt den Sterblichen,
Allzeit enthullend Gegenwart und Künftiges.
Es liegt in Hellas eine nicht ruhmlose Stadt, 6
Benannt von Pallas, die mit goldner Lanze prangt;
Dort zwang Apollon mit Gewalt Kreusen einst,
10
Erechthens Kind, zur Liebe, wo die nördlichen
Felshoh'n an Pallas' Hügel sich in Atthis' Land 7
Erheben; Makrå nennen sie die Herrn Athens.
Doch unbemerkt dem Vater (so verhångt's der Gott)
Trug sie des Leibes Burde. Da die Stunde kam,
15
Gebar Erechtheus' Tochter einen Sohn daheim,
Und bringt zur selben Höhle, wo der Gott sich ihr
Gesellt, das Kindlein, sezt es wie zum Sterben aus
In eines hohlen Körbchens wohlgewölbtem Rund,
Und übt den Brauch der Ahnen und des Erdensohns, 8
20
Des Erichthonios. Diesen gab Zeus' Tochter einst,
Nachdem sie schůzend ihm gesellt ein Schlangenpaar
Als Lebenshuter, an Agraulos' Tochter hin,
Um sein zu wahren; darum ist es noch Gebrauch
Der Erechthiden, ihre Kinder aufzuziehn 9
25
Geschmuckt mit goldnen Schlangen. Auch wand ihren Schmuck
Um's Kind die Jungfrau wie zum Tod und schied von ihm.
Und bittend sprach mein Bruder Phobos so zu mir:
Du Lieber, auf! zum erdentsprossnen Volk Athens, 10
Des stolzen, eile, kennst du doch der Göttin Stadt;
30
Dort nimm das neugeborne Kind aus hohler Kluft
Samt seinem Korb, in seine Windeln eingehullt,
Und bring's zu meinem Sehersiz in Delphi's Stadt,
Und leg' es hier vor meines Hauses Schwelle hin.
Das Andre (mein ja, wiſſe das, ist dieses Kind,)
35
Will ich bestellen. Meinem Bruder Lorias 11
Willfahrend, nahm ich jenen Weidenkorb und trug
Ihn fort, und legt' am Boden dieses Heiligthums
Den Knaben nieder, offnet' auch sogleich des Korbs
Gewundnen Deckel, daß der Knabe sichtbar sei.
40
Doch als die Sonne himmelan die Rosse trieb,
Betritt Apollons Heiligthum die Priesterin,
Und auf den zarten Knaben traf ihr heller Blick.
Sie staunte, daß ein Delphermädchen sich erkühnt,
In's Gotteshaus zu legen solch geheime Frucht.
45
Ihn wegzuschaffen denkt sie schon vom heil'gen Ort;
Doch mild Erbarmen überwand die Grausamkeit,
Und Phobos wehrte, daß der Sohn verstoßen ward.
Sie nahm den Säugling, zog ihn auf und ahnte nicht,
Daß Phobos Vater, oder wer die Mutter sei,
50
Und auch der Knabe selber weiß um Beides nicht.
Ein Kind noch, schwärmt' er spielend um die nährenden 12
Altar' Apollons; als er drauf zum Manne ward,
Bestellten Delphi's Bürger ihn, des Gottes Gold
Zu huten und für Alles treuer Hort zu sein,
55
Und heilig lebt' er allezeit im Gotteshaus.
Kreusa, seine Mutter, ward dem Xuthos nun
Vermählt; doch also knupfte sich der Ehe Band:
Das Volk Athene's und Chalkodons Bürger, die 13
Im Land Eubda's wohnen, faßt' ein Kriegessturm,
60
Den mitbestehend und den Feind bewältigend
Die Hand Kreusa's er gewann als Ehrenlohn,
Obwohl ein Fremdling; denn er stammt von Aeolos,
Zeus' Sohn, und ist Achåer. Lange schon vermählt,
Sind kinderlos die Beiden. Darum kamen sie
65
Hierher zu Phobos' Sehersiz, verlangend wohl
Nach süßen Kindern. Phobos lenkt, so scheint es, selbst
Also das Schicksal und vergaß des Sohnes nicht.
Er wird dem Xuthos, wenn er dieses Haus betritt,
Den eignen Knaben schenken, wird des Xuthos Sohn
70
Ihn nennen, daß Kreusa, wenn in's Mutterhaus
Er kommt, ihn anerkenn' und Phobos' Liebestrug
Verborgen bleibe, während ihm sein Erbe wird.
Und Ion, Gründer eines Reichs in Asia, 14
So will's Apollon, heißt er einst in Hellas' Volk.
75
Doch nach den Lorbeergrotten wend' ich nun den Schritt,
Zu sehen, wie sich låsen wird des Junglings Loos.
Denn schon hervorgehn seh' ich dort des Phobos Sohn,
Mit grünen Lorbeerreisern hier des Tempels Hof
Zu saubern. Mit dem Namen, den er tragen wird,
80
„Ion" begrüß ich von den Göttern ihn zuerst.
(er geht in den Lorbeerhain.) (tritt aus dem Tempel.)