Euripides Ion 82-235

Edward P. Coleridge (Translator)

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Ion. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Current edition Perseus

Ion (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (4)
Ἴων Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 82-236 focus
Ion, Greek text (M. A. Bayfield, 1924) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of M. A. Bayfield's second edition of 1924 (first edition 1889), aligned by line to the Murray reference edition.)

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Ion, Greek text (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of A. W. Verrall's 1890 edition, aligned by line to the Murray reference edition.)

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Ion, Greek text (Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, 1926) (OCR draft) Experimental (Wilamowitz's 1926 Greek edition with its critical apparatus, aligned by line to the Murray reference edition.)

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Translations (3)
Ion (OCR draft) Experimental (Ion. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Ion, English translation (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (A. W. Verrall's English verse translation, passage-aligned to the Murray reference edition.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 82 focus
Sieh, mit dem strahlenden Wagen des Vierspanns
Glänzt Helios über den Erdkreis schon,
Und die Sterne, sie fliehn in die heilige Nacht
Vor der himmlischen Glut.
85
Unersteigliche Höhn des Parnassos, begrüßt
Vom erwachenden Tag, glühn schwelgend in Licht,
Das wonnig den Sterblichen leuchtet. 1
Und der sonnigen Myrrhe Geduft wallt auf
Zu dem Tempelgesims;
90
Und die Delpherin thront auf heiligem Stuhl, 2
Und singt hellenischem Volke den Spruch,
Den stürmend Apollon ihr vorsang.
Ihr Delphier, Diener Apollons, auf!
Wallt zu den silbernen Wirbeln Kastalia's, 3
95
Und wann ihr im Thau der krystallenen Flut
Euch badetet, eilt in den Tempel hinein;
Und zu Lauten des Heils nur weihend den Mund,
Laßt Heilsames nur die Verlangenden, die
Rathfragen den Gott,
100
Von gunstigen Lippen vernehmen!
Doch ich will (damit muht' ich ja stets
Als Knabe mich schon) mit dem Lorbeerzweig,
Mit heiligem Reis an dem Tempel umher
Rein kehren die Schwell' und mit tropfender Flut
105
Anfeuchten den Grund und mit meinem Geschoß
Wegscheuchen das Volk, das geflugelte, das,
Ein verheerender Schwarm,
Die geheiligten Gaben umflattert.
Denn der Mutter beraubt und des Vaters beraubt,
110
Dien' ich in Andacht
Den ernährenden Hallen Apollons. 4
Strophe.
Mein Diener, blühendes Reis,
Komm, du Sprosse des schönsten Lorbeers,
Der Phobos' heilige Flur
115
Mir såubert am Tempel,
Aus göttlichen Gårten gepfluckt,
Wo des Bornes heiliger Thau,
Der den ewigen Quell herauf
Sendet zum Lichte,
120
Tränkt der Myrte geweihtes Laub:
Mit dir såubr' ich des Phobos Grund,
Sobald sich der Sonn' eilender Fittig morgens hebt,
Dien' ihm tåglich, dem Gotte.
Påan, Paan, sei gluckselig, stets gluckselig, 5
125
Herrlicher Sohn der Leto!
Gegenstrophe.
Wie schön ist, Phobos, der Dienst,
Den ich übe vor deinem Hause,
Fromm ehrend den Sehersiz:
Wie rühmlich die Mühe,
130
Den Göttern die dienende Hand zu leihn,
Die nicht sterblich, die ewig sind!
In so loblichen Müh'n will ich
Nimmer ermüden.
Phobos ist mir Vater; denn hoch
135
Preis' ich meinen Pfleger und Freund.
Ihn, treu mir und hold, nenn' ich ja meinen Vater wohl,
Phobos hier in dem Tempel.
Påan, Påan, sei glückselig, stets glückselig,
Herrlicher Sohn der Leto!
140
Doch nun soll es ruhen,
Mein Lorbeerreis, von der Arbeit:
Aus goldenem Gefässe strom' ich noch den Erdquell,
Der von Kastalia's strudelndem Born sich ergießt,
Sprenge des Wassers Flut, sundlos und rein von Schuld.
145
O mog' ich, so dir zu dienen,
Niemals ablassen, o Phobos!
Und lass ich es jemals, end' es zum Heil!
Ha, sieh!
Hier schwärmen sie schon und flattern hervor
Aus dem Nest am Parnassos, die Vögel.
150
Ich sag' euch, naht dem Gesims nicht,
Streift nicht an den goldenen Tempel!
Dich, Bote des Zeus, trifft unser Geschoß, 6
Dich, der mit den Klauen die Kraft all' anderer Vögel besiegt!
Dort schwimmt zum Altar noch ein andrer heran,
155
Ein Schwan. He! Lenkst du den schimmernden Fuß
Nicht anderswohin?
Nicht schůzt dich deines Gesangs Einklang
Mit der Cither Apolls vor meinem Geschoß!
Auf, hebe den Flug,
160
Und trage mir hin zu dem delischen Teich 7
(Dein Blut soll fließen, gehorchst du mir nicht!)
Die melodischen Zaubergesånge!
Wer rudert, o sieh!
Dort wieder heran mit der Fittige Schlag?
165
Wohl will er ein Strohnest unter dem Sims
Für die Kinderchen baun? Dich soll
Mein schwirrender Bogen verscheuchen!
Du horst nicht? Wandre von hinnen und nist' am wirbelnden Strom des Alpheios 8
Oder im isthmischen Hain, und verheere mir 9
170
Nicht Weihegeschenk' und Hallen Apollons!
Ich scheue mich wohl, euch zu tödten:
Ihr thut ja die Stimmen der Götter den Sterblichen kund.
Doch will ich im Dienst, den die Stadt mir gebot,
Dem Apollon dienen, und stets
175
Ihm huldigen, der mich ernähret.
Der Chor, in zwei Halbchöre getheilt, betrachtet die bemalten
Säulenwände der Tempelhalle.
Nicht in der göttlichen Stadt Athen nur
Sind saulengetragene Hallen
Der ewigen Götter und wird
Phobos verehrt an den Wegen:
180
Nein, bei Lorias auch, dem Sohn
Leto's, leuchtet des Zwillingspaares
Schönäugiges Antliz. 10
O sieh' hier, betrachte
Die lerndische Schlange: Zeus' Sohn 11
185
Tödtet sie mit goldener Sichel; hieher wende das Auge!
Ich seh's: ihm an der Seite schwingt dort
Den lodernden Brand ein Andrer. 12
Wohl ist's jener, von welchem wir
Fabeln bei unsern Geweben,
190
Sein Schildtråger Jolaos, der
Mit Zeus' Sohn die gemeinsamen
Kampf' ausharrt und vollendet.
Ringshin send' ich die Blicke spåhend.
Sieh dort an den steinernen Mauern
Kampfgewühl der Giganten! 14
200
Dich, der hier vor dem Tempel steht,
Frag' ich: darf ich den heil'gen Raum
Blanken Fußes betreten?