Euripides Ion 510-675

Edward P. Coleridge (Translator)

View: By Card

Ion. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Current edition Perseus

Ion (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (4)
Ἴων Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 510-675 focus
Ion, Greek text (M. A. Bayfield, 1924) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of M. A. Bayfield's second edition of 1924 (first edition 1889), aligned by line to the Murray reference edition.)

No corresponding passage available

Ion, Greek text (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (The Greek text and dramatic structure of A. W. Verrall's 1890 edition, aligned by line to the Murray reference edition.)

No corresponding passage available

Ion, Greek text (Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, 1926) (OCR draft) Experimental (Wilamowitz's 1926 Greek edition with its critical apparatus, aligned by line to the Murray reference edition.)

No corresponding passage available

Translations (3)
Ion (OCR draft) Experimental (Ion. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

No corresponding passage available

Ion, English translation (A. W. Verrall, 1890) (OCR draft) Experimental (A. W. Verrall's English verse translation, passage-aligned to the Murray reference edition.)

No corresponding passage available

German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 510 focus
Sagt, o Frauen, die vor dieses Hauses weihrauchduftenden
505
Festaltaren Wache haltend und den Herrn erwartend stehn,
Kam er schon vom heil'gen Dreifuß, vom Orakelsiz zurück,
Xuthos, oder weilt er innen, forscht, wonach sein Herz
Auf, von Anderm laß uns reden!
Das Glück des Königshauses ist auch unser Gluck:
Doch wunschten wir durch Kinder unsre Herrin auch
Beglückt zu wissen und Erechtheus' edles Haus.
Und dring' ich dann, ein Fremdling, ein in's fremde Haus,
Zum kinderlosen Weibe, das bisher mit dir
Getheilt ihr Unglück, aber nun getäuscht, allein
Für sich das Schicksal tragen wird voll Bitterkeit:
605
Wie mag ich hoffen, daß sie nicht mit Recht mich haßt,
Wenn ich an deiner Seite nun dasteh', und sie,
Die Kinderlose, deine Lust mit Schmerz erblickt,
Du dann, mich hassend, dich zu deinem Weibe neigst,
Mich liebend, deines Hauses Gluck und Ruhe störst? -
610
| Wie manche Morde, Morde durch entseelend Gift,
| Ersannen Frauen zu der Männer Untergang!
Und außerdem beklag' ich deine Gattin, daß
Sie kinderlos hinaltert; edler Våter Kind,
Verdient sie nicht die Schande, kinderlos zu sein.
615
Die Königsherrschaft aber, die man fålschlich preist,
Ist wohl von außen lockend, doch im Inneren
Voll Qualen. Wer mag selig, wer kann glucklich sein,
Der bange spåhend, ob Gewalt im Finstern schleicht,
Sein Leben hinschleppt? Lieber will ich stillbeglückt,
620
Ein Mann im Volke, leben, als ein König sein,
Der sich die böse Rotte gern zu Freunden wählt,
Und vor dem Tode zagend, stets die Guten haßt.
Du sagst vielleicht: dies Alles überwiegt das Gold,
Suß ist der Reichthum! Doch den Tadel lieb' ich nicht,
625
Das Gold in Hånden hutend, noch der Sorgen Qual.
Ich lob' ein harmlos Leben mir im Mittelstand.
Noch höre, Vater, welches Glück ich hier genoß.
Der Erde Schönstes wurde mir, der Muße Gluck,
Und Ueberlauses wenig: auch kein Böser trieb
630
Mich aus dem Weg; und unerträglich ist es ja,
Den Plaz zu räumen, weggedrängt von Schlechteren.
Und bei Gebeten, bei Gespräch von Göttlichem 6
Bedient' ich frohe Menschen, selbst von Kummer frei.
Die einen Pilger zogen ab, die kamen an,
635
So daß ich neu den neuen stets willkommen war.
Und was, auch wider Willen, Wunsch der Menschen ist:
Gesez und Neigung ließen vor dem Gotte mich
Gerecht erfunden werden. Ueberleg' ich dies,
So denk' ich, Vater, besser sei es hier als dort.
640
Laß mich mir selber leben; ist's doch gleiche Lust,
(Sich freun des Großen und vergnugt bei Kleinem sein.
Laß ab von diesen Reden, lerne glucklich sein :
645
Denn wo ich dich gefunden, will ich opfern, Sohn,
Mit dir gemeinsam ſizend am gemeinen Mahl,
Und dein Geburtsfest feiern, das ich nie beging.
Als einen Hausfreund führ' ich nur für jezt dich ein,
Dich dort am Mahl zu laben, auch nach Attika
650
Nur, um das Land zu sehen, nicht als meinen Sohn.
Denn meine Frau betrüben will ich nimmermehr,
Die kinderlose, wenn ich selbst im Glücke bin.
Zulezt bestimm' ich mein Gemahl, die gute Zeit
Benizend, daß sie meinen Thron dich erben låßt.
655
Doch Jon sei dein Name, weil's das Gluck gefügt, 7
Daß du mir, als ich Phobos' Haus verließ, zuerst
Entgegentratest. Auf, der Freunde vollen Kreis
Versammle noch zum frohen Opfermahl und sprich
Das Wort des Abschieds, weil du jezt aus Delphen ziehst!
660
(zu dem Chore)
Euch, Dienerinnen, euch befehl' ich Schweigen an;
Denn wenn ihr meinem Weibe schwazt, trifft euch der Tod.