Herakles.
Ha, weh mir! Fremd klingt alles dies für meine Noth.
Ich glaube nicht, daß Götter unerlaubter Lust
Sich freuten, noch daß Gotterhand je Fesseln trug,
Noch daß Gebieter einer war des anderen:
1305
Nie glaubt' ich Etwas dieser Art, noch glaub' ich's je.
Denn Nichts bedarf doch, ist er wahrhaft Gott, ein Gott:
Das Alles sind armsel'ge Dichtermåhrchen nur.
Indeß besorg' ich, wenn ich auch im Leide bin,
Für feig zu gelten, scheid' ich ab vom Sonnenlicht.
1310
Denn wer dem Ungluck nicht beherzt entgegentritt,
Der mag auch eines Mannes Wehr nicht widerstehn.
Ich will dem Tode trozen, eil' in deine Stadt,
Und weiß für deine Gaben dir unendlich Dank.
Wohl hab' ich Leiden ohne Zahl schon durchgekämpft,
1315
Und keines floh ich, keines auch hat Zahren mir
Entlockt, ich glaubte nimmermehr zu solcher Schmach,
Daß Thränen mir entstromten, je mich aufbewahrt !
Nun muß ich, scheint es, unterthan dem Schicksal sein.
Wohlan! Du siehst, o Vater, daß ich fliehen muß,
1320
Siehst, daß ich selbst der Mörder meiner Söhne ward:
Gib sie dem Grabe, schmucke wohl die Leichname,
Und ehre sie mit Thränen, (mir verwehrt's der Brauch!)
Und leg' an ihrer Mutter Brust und Arme sie,
O süßer Bund voll Schmerzen, den ich unbewußt
1325
Zerriß, ich Armer! Wenn du sie im Grabe bargst,
Dann wohn' in diesen Mauern, wenn unglucklich auch,
Doch zwinge dich und theile muthig mein Geschick.
O Kinder, der euch zeugte, der euch Leben gab,
Der gab den Tod euch, ihr genoßt des Glückes nicht,
1330
Das ich in schweren Kämpfen euch måhvoll gewann,
Euch Ruhm erstritt, des Vatererbes schönstes Theil!
Und, Arme, dich auch mordet' ich, vergalt dir nicht,
Daß du die Gattenliebe mir so treu bewahrt,
So lang in unsers Hauses Hut mir ausgeharrt!
1335
Weh, meine Gattin, meine Söhn', und wehe mir!
Wie ganz unselig ward ich, muß mich trennen nun
Von Weib und Kindern! O du schmerzlich suße Lust
Der Küsse! Schmerzlich süßer Bund mit meiner Wehr!
Behalt' ich euch, ihr Waffen, oder lass ich euch,
1340
Die, meine Seiten schlagend, stets mir rufen: „Weib
Und Sohn' erschlugest du mit uns, und trågest uns,
Die Kindermorder!" Und ich wollt' in meinem Arm
Euch tragen? Wie beschönt' ich's? Doch getrennt von euch,
Mit welchen ich in Hellas Großes ausgeführt,
1345
Soll ich in Schande sterben durch des Feindes Hand?
Bleibt denn, behalten muß ich euch zu meiner Qual!
In Einem, Theseus, hilf mir noch: geleite mich
Nach Argos, (dorthin tragen wir den Kerberos,)
Daß mich verlass'nen Vater nicht mein Gram verzehrt.
1350
Land des Kadmos, alles Volk der Theber, auf!
Scheert eure Locken, trauert mit, wallt hin zum Grab
Der Kinder, alle jammert in vereintem Schmerz
Um mich und diese Todten: denn Verderben traf
Uns all' in Einem schweren Schlag durch Here's Zorn.
1355