Euripides Heracles 1-106

ed. Gilbert Murray

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Heracles. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἡρακλῆς (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
Heracles Mad Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1-105 focus
Hercules (OCR draft) Experimental (Hercules. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Wer kennt den Mann nicht, dessen Weib Zeus einst umarmt, 1 2
1
Amphitryon aus Argos, der Alkios' Sohn,
Des Sohns von Perseus, und Herakles' Vater ist,
Mich, hier in Thebå wohnend, wo der Erde Schooß 3
Die Männersaat entsprossen, deren Wenige 4
5
Der Gott der Schlachten übrig ließ, die Kadmos' Stadt
Der Söhne Söhnen aufgebaut? Von ihnen stammt 5
Der Sohn Mendkens, Kreon, der dies Land beherrscht.
Und Kreon ward der Vater dieser Megara,
Der einst am Hochzeitseste bei der Flöten Ton
10
Zujauchzten alle Kadmossohn', als Herakles,
Der Stolze, sie in meine Wohnung heimgefuhrt.
Mein Sohn verließ dann Thebe, das ich mir zum Siz
Erkoren, ließ den Schwåher und die Gattin hier,
Und wunscht' in Argos' Mauern, das Kyklopen einst
15
Erbaut, zu wohnen, das ich floh, nachdem durch mich
Elektryon gefallen. Doch um meine Noth
Zu lindern und im Vaterreich zu wohnen, zollt 6
Er für die Rückkehr großen Lohn Mykene's Herrn, 7
Entwilderung der Erden, ob die Stacheln ihn
20
Der Hera trieben oder sein Geschick ihn zwang.
Durch alle Mühen hat er nun sich durchgekämpft,
Bis auf die lezte: durch den Schlund von Tanaros 8
Hinab zum Hades stieg er, um den Kerberos
An's Licht zu führen, aber kommt nun nicht zurück.
25
Es lebt in Kadmos' Volke schon ein altes Wort,
Daß ehedem ein Lykos, Dirke's Gatte, hier
Als Herr gewaltet in der sieben Thore Stadt,
Eh Zethos und Amphion, beid' aus Zeus' Geschlecht,
Die Lenker weißer Nosse, hier im Land geherrscht.
30
Ein Sohn von ihm, der seines Vaters Namen trågt,
(Kein Theber; aus Eubda kam er hergeschifft,)
Ermordet Kreon und gewinnt durch Mord das Land,
In das er einfiel, als in Aufruhr glomm die Stadt.
Uns wird zum größten Leide, wenn nicht Alles trügt,
35
Das Band der Heirat, welches uns an Kreon knupft.
Denn, nun Herakles in der Erd' Abgründen weilt,
Will hier des Landes neuer Fürst, will Lykos mir 9
Des Sohnes Söhne morden, wann er Megara
Getodtet, um mit Morde Mord zu tilgen, und
40
Auch mich getodtet (darf man mich unnüzen Greis
Zu Männern zählen), daß die Söhne nicht dereinst
Das Blut der Ahnherrn fodern, wann sie Männer sind.
Ich aber (denn in diesem Hause ließ zur Hut,
Zu seiner Kinder Pflege mich mein Sohn zurück,
45
Als er in distrer Erde Nacht hinunterstieg),
Ich size samt der Mutter, daß die Kinder nicht
Den Tod erleiden, am Altar des Retters Zeus,
Den als ein Denkmal schönen Siegs mein edler Sohn
Erbaut, nachdem er obgeſiegt den Minyern. 10
50
Entblößt von Allem, huten wir die Ståtte hier,
Von Speise, Trank und Kleidern, auf den rauhen Grund
Die Glieder lagernd: ausgeschlossen sizen wir
Vom eignen Hause, sonder Rath und rettungslos.
Denn manche Freunde, seh' ich, sind nicht acht und wahr,
55
Die treugesinnten ohne Macht, uns beizustehn.
In solcher Weise dient die Noth den Sterblichen:
O moge niemals, wer mich auch nur halb geliebt,
Sie kosten, sie, der Freundesproben sicherste!
O Greis, der Theba's Heeresmacht mit hohem Ruhm
60
Zum Kampfe führend, einst erstürmt die Tapherstadt: 11
Nichts ist auf Erden sicher, was von Göttern kommt.
Ich war vom Glück gesegnet, wie mein Vater einst,
Der seiner Schaze wegen groß gepriesen ward:
Ihm ward ein Thron, dem lange Speere gierig stets
65
Nachtrachten, zielend auf das Haupt der Glucklichen;
Ihm wurden Kinder, und er gab mich deinem Sohn,
Verband in edlem Bunde mich dem Herakles.
Und nun entflogen, ewig hin ist alles dies;
Wir müssen sterben, ich und du, wie diese hier,
70
Greis, Herakles' Kinder, die, der Henne gleich,
Ich unter meine Flügel barg an treuer Brust.
Sie kommen forschend, eines hier, das andre dort,
Und sprechen: „Wo denn, Mutter, ist der Vater hin?
Was thut er denn? Wann kommt er?" So in Kindeswahn
75
Verlangen sie den Vater: ich zerstreue sie,
Ich tröste sie mit Worten und verwundre mich,
Wie_jedes hebt die Füße, wann die Pforte knarrt,
Sich hinzuwerfen an des Vaters theures Knie.
Nun, welche Hoffnung, welchen Pfad vermagst du, Greis, 12
80
Zur Rettung auszumitteln? Denn wir seh'n auf dich.
Des Landes Marken könnten wir wohl ingeheim
Nicht überschreiten; (starker sind die Wachen dort,
Als wir:) auf unsrer Freunde Schuz vermogen wir
Nicht mehr zu zählen: sage denn, was dir bedunkt,
85
Damit wir Zeit gewinnen, wir Unmächtigen,
Und noch zu retten, wenn der Tod uns nahe steht.