Euripides Heracles 1

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Wer kennt den Mann nicht, dessen Weib Zeus einst umarmt, 1 2
1
Amphitryon aus Argos, der Alkios' Sohn,
Des Sohns von Perseus, und Herakles' Vater ist,
Mich, hier in Thebå wohnend, wo der Erde Schooß 3
Die Männersaat entsprossen, deren Wenige 4
5
Der Gott der Schlachten übrig ließ, die Kadmos' Stadt
Der Söhne Söhnen aufgebaut? Von ihnen stammt 5
Der Sohn Mendkens, Kreon, der dies Land beherrscht.
Und Kreon ward der Vater dieser Megara,
Der einst am Hochzeitseste bei der Flöten Ton
10
Zujauchzten alle Kadmossohn', als Herakles,
Der Stolze, sie in meine Wohnung heimgefuhrt.
Mein Sohn verließ dann Thebe, das ich mir zum Siz
Erkoren, ließ den Schwåher und die Gattin hier,
Und wunscht' in Argos' Mauern, das Kyklopen einst
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Erbaut, zu wohnen, das ich floh, nachdem durch mich
Elektryon gefallen. Doch um meine Noth
Zu lindern und im Vaterreich zu wohnen, zollt 6
Er für die Rückkehr großen Lohn Mykene's Herrn, 7
Entwilderung der Erden, ob die Stacheln ihn
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Der Hera trieben oder sein Geschick ihn zwang.
Durch alle Mühen hat er nun sich durchgekämpft,
Bis auf die lezte: durch den Schlund von Tanaros 8
Hinab zum Hades stieg er, um den Kerberos
An's Licht zu führen, aber kommt nun nicht zurück.
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Es lebt in Kadmos' Volke schon ein altes Wort,
Daß ehedem ein Lykos, Dirke's Gatte, hier
Als Herr gewaltet in der sieben Thore Stadt,
Eh Zethos und Amphion, beid' aus Zeus' Geschlecht,
Die Lenker weißer Nosse, hier im Land geherrscht.
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Ein Sohn von ihm, der seines Vaters Namen trågt,
(Kein Theber; aus Eubda kam er hergeschifft,)
Ermordet Kreon und gewinnt durch Mord das Land,
In das er einfiel, als in Aufruhr glomm die Stadt.
Uns wird zum größten Leide, wenn nicht Alles trügt,
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Das Band der Heirat, welches uns an Kreon knupft.
Denn, nun Herakles in der Erd' Abgründen weilt,
Will hier des Landes neuer Fürst, will Lykos mir 9
Des Sohnes Söhne morden, wann er Megara
Getodtet, um mit Morde Mord zu tilgen, und
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Auch mich getodtet (darf man mich unnüzen Greis
Zu Männern zählen), daß die Söhne nicht dereinst
Das Blut der Ahnherrn fodern, wann sie Männer sind.
Ich aber (denn in diesem Hause ließ zur Hut,
Zu seiner Kinder Pflege mich mein Sohn zurück,
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Als er in distrer Erde Nacht hinunterstieg),
Ich size samt der Mutter, daß die Kinder nicht
Den Tod erleiden, am Altar des Retters Zeus,
Den als ein Denkmal schönen Siegs mein edler Sohn
Erbaut, nachdem er obgeſiegt den Minyern. 10
50
Entblößt von Allem, huten wir die Ståtte hier,
Von Speise, Trank und Kleidern, auf den rauhen Grund
Die Glieder lagernd: ausgeschlossen sizen wir
Vom eignen Hause, sonder Rath und rettungslos.
Denn manche Freunde, seh' ich, sind nicht acht und wahr,
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Die treugesinnten ohne Macht, uns beizustehn.
In solcher Weise dient die Noth den Sterblichen:
O moge niemals, wer mich auch nur halb geliebt,
Sie kosten, sie, der Freundesproben sicherste!

Heracles. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ἡρακλῆς Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 1-106 focus
Translations (2)
Heracles Mad Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1-105 focus
Hercules (OCR draft) Experimental (Hercules. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Heracles

1. OCR review edition. D. citations belong to Donner; u marks unresolved verse division. Sources, repairs and unattributed notes
3. [OCR note; compare the printed page.] Amphitryon wohnte in Theba, wohin er von Argos hatte ziehen müssen, weil er den Bruder seines Vaters, Elektryon, getödtet hatte. Vgl. V. 16. Compare printed p. 249
4. [OCR note; compare the printed page.] Die Männersaat sind die geharnischten Krieger, die aus den von Kadmos gesäten Drachenzähnen emporwuchsen, und die sich einander tödteten bis auf Fünf, welche für die Stammpäter der Thebäer galten, wie denn auch Kadmos mit ihnen die Stadt Theben erbaut haben soll. Compare printed p. 249
5. [OCR note; compare the printed page.] ξύν τεκνῶσι Ι. πυργᾶσι. Compare printed p. 249
6. [OCR note; compare the printed page.] Im Vaterreich, in Argos, dessen Eurystheus sich bemächtigt hatte. Da Herakles es zurückverlangte, versprach es ihm Eury = stheus, wenn er die berühmten zwölf Arbeiten vollbringe. Herakles vollbrachte sie; aber umsonst: denn das Schicksal und Here's Haß wider den Sohn einer Nebenbuhlerin stand seinem Glücke entgegen. Bothe. Compare printed p. 249
7. [OCR note; compare the printed page.] Mykene's Herrn, dem Eurystheus. Compare printed p. 249
8. [OCR note; compare the printed page.] Tänaros, ein Bergschlund in Lakonien, durch den man nach dem Volksglauben in die Unterwelt gelangte. Compare printed p. 249
9. [OCR note; compare the printed page.] ξύν κλεινός Ι. καινός. Compare printed p. 249
10. [OCR note; compare the printed page.] Den Minyern, Einwohnern der bootischen Stadt Orchomenos, an welche die Theber einen Tribut entrichten mußten, von dem Herakles sie durch seinen Sieg befreite. Compare printed p. 249