Befällt der alte Schreckenskampf von neuem uns?
Welch Bild, o Greise, seh' ich ob dem Hause dort?
Zur Flucht, zur Flucht
Erhebt die matten Glieder, ungesäumt entweicht!
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O König Paan,
O wende du doch dieses Ungemach von uns!
Iris.
Seid unverzagt, o Greise, daß ihr Lyssa hier,
Der Nacht Geschlecht, und mich, die Götterbotin, seht,
Iris; der Stadt ja bringen wir kein Ungemach:
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Nur wider Eines Mannes Haus ziehn wir heran,
Den einst Alkmene, sagen sie, dem Zeus gebar,
Denn eh' er noch die bittern Kampfe durchgekämpft,
Half ihm das Schicksal, Vater Zeus gestattete
Nicht mir noch Heren, Uebles ihm jemals zu thun.
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Doch nun er ausrang, was Eurystheus ihm gebot,
Will Here, daß er neuen Mord verübe, will,
Er soll die Söhne morden, und ich will's mit ihr.
So waffne dich mit unerbittlich hartem Sinn,
O gattenlose Tochter du der schwarzen Nacht,
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Erreg' in diesem Manne kindermordenden
Wahnsinn und Nasereien und der Füße Sprung,
Verwirre, treib' ihn, schling' um ihn das Todesfeil,
Daß, wenn er mordend auf die Bahn des Acheron
Der holden Kinder schönen Kranz geschleudert hat,
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Er lerne, welchen schweren Born ihm Hera zürnt,
Und meinen auch erkenne! Traun, die Götter sind
Ein Nichts, und groß die Menschen, büßt Herakles nicht.
Lyssa.
Aus edler Veltern edlem Blut bin ich gezeugt,
Der Nacht erhabne Tochter und des Uranos;
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Doch dieses Amt hier neiden mir die Freunde nicht,
Und straf' ich liebe Menschen, ist mir's keine Lust.
Drum will ich Heren, will ich dich, bevor ihr fehlt,
Ermahnen, wenn ihr anders meinem Wort gehorcht.
Nicht unberühmt auf Erden noch bei Göttern ist
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Der Mann, zu dessen Hause du mich senden willst.
Bahnlose Wüsten, wildes Meer beruhigend,
Stellt er allein der Götter Ehre wieder her,
Die kühn von Frevlerhånden angetastet ward.
Deshalb ersinnt ihm, rath' ich euch, kein großes Leid.
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Iris.
Tadle du nicht, was von Here, was von mir beschlossen ward.
Lyssa.
Auf den besten Pfad geleit' ich, führe dich vom båsen ab.
Iris.
Nicht, um Mäßigung zu zeigen, sendet Hera dich hieher.
Lyssa.
Zeuge mir die Sonn', ich thue, was ich niemals thun gewollt!
Aber dir und Hera folgen heißt mich strenger Pflicht Gebot,
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Und im Flug euch nachzusturzen, wie der Hund dem Jäger folgt:
Geh' ich denn! So brüllt des Meeres Woge nicht, so furcht bar bebt
Nicht die Erde, nicht so graunvoll zuckt des Blizes Schmerzenshauch,
Als ich, gleich Wettrennern, stürme nach der Brust des
Herakles.
Ja, sein Haus will ich zertrummern, auf die Kinder sturz' ich es,
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Wenn ich sie zuvor gemordet; er, der Söhne Mörder, soll
Nicht des Mordes sich bewußt sein, bis ihn meine Wuth verlåßt!
(Herakles erscheint an der Pforte des Hauses.)
Siehe da! Schon auf den Stufen steht er, schittelt wild das
Haupt,
Dreht und rollt in dumpsem Schweigen grasser Augensterne
Blick,
Schnaubt und ſtöhnt seltsam, dem Stier gleich, der zum
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Angriff withend sturmt,
Brüllt mit Macht, und ruft des Hades distre Nachtgottinnen auf.
Grausern Tanz will ich dir lehren bald, mit Schreck bezaubr' ich dich! -
Eile zum Olympos, Iris, hebe flugs den edlen Fuß!
Ich, indeß dring' ungesehen ein zum Haus des Herakles!
(Iris und Lyssa verschwinden.)
Der Chor.
Weh, seufze: deine Blume wird gebrochen,
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O Stadt, der Sohn des Zeus!
Dein Wohlthäter, ungluckliche Hellas, fällt;
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Von Wuth umgesturmt, tanzt er den Tanz Lyssa's,
Den Tanz, dem kein Spiel tont!
Die Bringerin der Schmerzen eilt' im Flug dahin,
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Stachelt die Ross' an ihrem Wagen,
Ihn zu verderben,
Die Gorgone der Nacht mit dem Schlangengezisch,
Mit dem funkelnden Aug' und den hundert Häuptern, Lyssa.
Ha, schnell stürzt ein Gott den Glucklichen hinab;
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Ha, schnell wird der Sohn sterben von Vaters Hand!
Ich Unglucklicher!
Weh, Zeus, deinen Sohn, den bald kinderlosen,
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Wird ein rächendes Strafgericht,
Treibend zu Wuth, zu Mord, mit schwerem Leide heimsuchen.
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Unselig Haus!
Schon hebt ein Tanz an ohne der Pauken Geton,
Nicht von dem bacchischen Thyrsos bewillkommt,
(Unglücksgeschlecht!)
Bu blutigen Thaten, nicht dionysischen Trankspenden, wo das Blut der Traube stromt.
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Zur Flucht, o Kinder, eilt hinaus! Ein Lied des Mords,
Des Mordes tont euch hier entgegen!
Nach seinen Kindern jagt er; nicht umsonst
Wird Lyssa die Hallen durchrasen! Weh, weh, das Leid!
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Wie beklag' ich, ach, den greisen Vater
Und die Mutter der Söhne, die
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Umsonst Söhne geboren!
O siehe, sich!
Vom Sturm erschuttert bebt das Haus, ein stürzt das Dach.
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Ha, was beginnst du, Sohn des Zeus?
Zerstörung, Zerstörung der Hölle bringst du,
Wie dem Enkelados Pallas einst
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Gesandt, auf dieses Haus.
Ein Bote kommt aus dem Hause. Der Chor.
Der Bote,
Ihr altergrauen Häupter!
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Der Chor.
Was soll mir dieser Ruf von dir?
Der Bote.
Da drinnen ist es grauenvoll.
Der Chor.
Keines Sehers bedarf ich mehr!
Der Bote.
Beklagt Beklagenswerthes: grauser, grauser Mord!
Grauses verübte Vaters Hand!
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Der Chor.
Niemand verübte Grauseres, als was uns geschah.
Der Bote.
Todt sind die Kinder!
Der Chor.
Wehe!
Wie kam von Vaters Hand so graunvoller Tod
Ueber die Kinder? Sprich! Wie brach solches Leid
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Durch göttliches Geschick auf dies Haus herein? -
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O meld' uns der Kinder unglucklich Loos!
Der Bote.
Bereitet waren Opfer schon vor Zeus' Altar,
Das Haus zu sühnen, weil Herakles Thebe's Herrn
Erschlagen und geworfen aus des Hauses Thor.
Dort stand der Kinder schöner Chor und Megara,
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Dort auch der Vater; um den Altar war bereits
Der Korb getragen, und in Andacht schwiegen wir.
Und als Herakles mit der Hand die Fackel nun
Ergriffen, sie zu tauchen in die heil'ge Flut:
So stand er stille. Wie der Vater zögerte,
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Da blickten auf die Kinder. Doch er war nicht mehr
Er selbst; in Wahnsinn rollte wild sein Aug' umher,
Und, blutigrothe Blicke weit hinausgesandt,
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Beträufelt' er das schonumlockte Kinn mit Schaum.
In grasser Wuth auflachend rief er dann das Wort:
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„Was opfr' ich, Vater, eh' Eurystheus blutete,
Ein sühnend Opfer, und warum zwiefach mich muh'n,
Nun ich mit Einmal Alles wohl vollenden kann?
Nein, wenn ich meines Drångers Haupt hiehergebracht,
Entsündig' ich von diesem Blute meine Hand.
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Gießt aus das Opfer, werft die Korb' aus eurer Hand!
Wer gibt mir Pfeil und Bogen, wer des Armes Wehr?
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Gen Argos eil' ich. Hebel, Hacken nehmt zur Hand,
Daß wir die Mauern, die Kyklopenhand' erbaut,
Mit Meißel einst und rothem Richtscheit wohlgefügt,
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Zusammenschmettern auf den Grund mit krummem Stahl!"
Dann schritt er nach den Rossen, (also gab er vor,
Man sah sie nicht,) bestieg des Wagens hohen Siz,
Und trieb, als führte seine Hand den Stachelstock.
Doch Furcht zugleich und Lachen kam die Diener an,
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Und Mancher sagte, hingewandt zum Anderen:
„Rast unser König oder treibt er Scherz mit uns?"
Herakles aber schritt im Haus hinab, hinauf,
Und stürzte mitten in den Saal und kam zur Stadt
Des Nisos, sagt er, war er gleich in seinem Haus.
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Dann legt er sich zu Boden, wie er ist, und läßt
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Ein Mahl bereiten; doch er weilt nur kurze Frist,
Und zieht im Geist nach Isthmos' wald'gen Ebenen.
Und dort des Kleiderzwanges sich entledigend,
Ringt er mit - Niemand, und verkundet frohen Sieg,
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Sein eigner Herold, rufend: „hort!" wo nirgend sich
Ein Hörer findet. Dann bedroht' er Argos' Herrn
Graunvoll, und war in Argos, wie er wähnt. Sofort
Ergriff der Vater seine Heldenhand und sprach:
„Mein Sohn, was ist dir? Welche Art von Wanderung
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Ist das? Zu Wahnsinn hat der Mord dich wohl berückt,
Den eben du begangen?" Doch Herakles wähnt,
Es sei Eurystheus' Vater, der, von Furcht bewegt,
Mit heißem Flehen seine Hand umfasse, stoßt
Ihn weg, und rustet Köcher, Bogen, Pfeil, und legt
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Auf seine Sohn' an, um Eurystheus' Söhne, wie
Er wähnt, zu tödten. Sie, von Schreck betaubt, entflohn
Hierhin und dorthin: dieser birgt im Kleide sich
Der armen Mutter, in der Säule Schatten der;
Der duckt am Opferherde sich, dem Vogel gleich.
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Die Mutter schrie: „Was thust du, Vater? Mordest du
Die Kinder?" Laut auch schrie der Greis, die Knechte schrie'n.
Er aber treibt den Knaben um die Säule rings,
Und stellt sich ihm entgegen, und mit scharfem Pfeil
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Durchbohrt er ihm die Leber, der, rückwärts gestürzt,
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Sein Leben aushaucht und die Marmorsäulen nezt.
In hellem Tone jauchzt er auf und prahlte laut :
„Ein Sohn Eurysthens stürzte da von meiner Hand,
Und büßte seines Vaters Haß mit seinem Blut."
Dann auf den andern richtet er den Bogen, der
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Am Fuß des Altars kauernd, sich verborgen wähnt.
Doch der, zuvor ihm kommend, stürzt zu Füßen ihm,
Und streckt die Hånde flehend auf zu Kinn und Hals,
Und ruft: „o liebster Vater, nicht ermorde mich!
Dein bin ich; dein Kind würgst du, nicht Eurysthens Sohn."
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Er rollt des Auges wilden Blick der Gorgo gleich,
Als ihm der Sohn den grausen Bogenschuß verrennt,
Und hebt die Keule, Schmiden gleich, ihm über's Haupt,
Senkt auf des Knaben blonde Stirn das Holz herab,
Und brach den Schadel. Also starb der zweite Sohn,
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Und nach den zwei'n zum dritten Opfer schreitet er.
Doch ihm zuvor eilt und in's Haus entrafft den Sohn
Die schwerbedrängte Mutter und verschließt das Thor.
Und er, als war' er wirklich vor Mykene's Stadt,
Stoßt, haut und hebt die Thüren, bricht die Pfosten aus,
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Und streckt mit Einem Pfeile Weib und Sohn dahin.
Hierauf, den Greis zu morden, eilt er flugs zurück:
Da trat ein Bild, wie Pallas anzuschau'n, an ihn
Heran, die Lanze schwingend, unterm Helm das Haupt,
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Und warf ein Felsstuck auf die Brust des Herakles,
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Das seine Mordwuth hemmte, daß ihn Schlaf befiel.
Er sank zur Erde nieder, mit dem Rücken schlug
Er an die Säule, welche, bei des Hauses Sturz
Entzweigeborsten, auf dem Marmorfuße lag.
Wir aber wandten aus der Flucht den Fuß zurück;
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Vereint dem Greise, banden wir mit starkem Seil
Ihn an die Säule, daß er nicht noch neue Schuld
Zur alten füge, wann der Schlaf von ihm geslohn.
So schlummert nun der Arme nicht beglückten Schlaf,
Der Sohn' und Weib gemordet. O gewiß, es ist
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Der Menschen keiner auf der Welt unseliger.
Der Chor.
Heracles. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .