Euripides Heracles 170

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

So viel an Zeus ist, schůze Zeus den eignen Sohn!
Doch mir, Herakles, liegt es ob, durch Worte nur
Des Mannes Thorheit darzuthun an deiner Statt;
Denn daß man dich verlåstre, duld' ich nimmermehr.
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Zuerst das Frevelhafte, (Frevel ist es doch,
Feigheit an dir zu rügen, großer Sohn des Zeus!)
Mit aller Götter Zeugniß wend' ich's ab von dir.
Den Bliz Kronions frag' ich und sein Viergespann, 1
Das ihn getragen, als er sein geflügeltes
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Geschoß der Erde Söhnen durch die Seiten trieb,
Und Siegesjubel mit den Göttern feierte.
Die trozig ungeschlachte Brut vierfüßiger
Kentauren frage, feigſter Fürst, auf Pholoë, 2
Wer ihnen dort als aller Helden bester gilt,
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Ob nicht Herakles, der nach dir den Schein nur log!
Doch, fragst du Dirphys, deine Wieg' in Abas' Reich, 3
Er wird dich schwerlich loben; denn wo hast du je
Ein großes Werk vollendet, das dein Land bezeugt?
Die klugste Kunde tadelst du, die Bogenkunst:
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Auf meine Reden höre nun und werde klug!
Der Mann in schweren Waffen ist der Waffen Knecht,
Und sind die Nebenmänner nicht gleich ihm beherzt,
So stirbt er selbst durch seiner Nachbarn feigen Sinn.
Zerbrach die Lanze, kann allein durch eigne Kraft
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Er nicht den Tod abwehren, wo die Waffe fehlt. 4
Doch wer mit wohlgeubtem Arm den Bogen führt,
Erkor das Beste, rettet vor dem Tode sich,
Nachdem er tausend Pfeile warf auf Andere.
Denn ferne stehend, wehrt er ab des Feindes Macht,
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Und trifft mit unsichtbarem Pfeil die Sehenden.
Den eignen Körper gibt er nicht dem Gegner preis,
Nein, wohlgesichert steht er; und das ist im Kampf
Das Klugste ja, dem Feinde wehzuthun, und sich
Zugleich zu wahren, nicht dem Zufall bloßgestellt.
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Nun, - diese Worte lauten wohl ganz anders, Herr,
Als deine Reden über das, was uns entzweit.
Doch sprich, warum du diese Kinder todten willst?
Was thaten sie dir? Klug in Einem acht' ich dich,
Daß vor der Helden Söhnen du, feigherzig selbst,
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Dich fürchtest: aber dieses ist doch hart für uns,
Wenn deiner Feigheit wegen uns Tod treffen soll,
Der dir von uns gebührte, die wir besser sind,
Wenn Zeus gerechten Sinnes sich bewährt' an uns.
Verlangst du nun in diesem Lande Herr zu sein,
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Laß uns aus Kadmos' Marken zieh'n als Flüchtlinge:
Doch nicht Gewalt verube, daß du nicht Gewalt
Erfahrest, wann sich umgewandt des Glückes Hauch.
Weh!
O Land des Kadmos! Denn zu dir auch wend' ich mich,
Dir zuzurufen dieses vorwurfsvolle Wort:
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So schirmet ihr Herakles, so des Helden Stamm,
Der, Einer, wider alle stritt, die Minyer,
Und dem ihr's danket, daß ihr frei das Aug' erhebt?
Auch Hellas lob' ich nimmer, will es schweigend nie
Ertragen, daß sie meinem Sohn so schnide lohnt,
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Sie, die mit Feuer, Lanze, Schild den Kindern hier
Beistehen mußte, dankbar, daß er Land und Meer
Weithin gereinigt und die großen Müh'n vollbracht.
Doch hier beschůzt euch, Kinder, nicht die Theberstadt,
Nicht Hellas; mich, den schwachen Freund, sucht euer Blick,
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Den Freund, der Nichts ist, als der Zunge leerer Schall.
Entflohen ist die Stärke, die mich einst erfullt;
Vor Alter zittern meine Knie', hin schwand die Kraft.
Doch, wår' ich jung noch, meiner Glieder Herr wie sonst, 5
Die Wehr ergriff' ich, fårbte dem sein blondes Haar
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(auf Lykos, deutend)
Mit Blute, daß er über Atlas' Marken weit
Hinaus vor meiner Lanze floh' in feiger Flucht!

Heracles. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

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Editions (1)
Ἡρακλῆς Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962)) — 138-347 focus
Translations (2)
Heracles Mad Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 138-345 focus
Hercules (OCR draft) Experimental (Hercules. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Heracles

1. [OCR note; compare the printed page.] Wider die Söhne der Erde (die Giganten) kam Herakles im Donnerwagen des Zeus den Göttern zu Hülfe. Compare printed p. 250
2. [OCR note; compare the printed page.] Pholoë, ein Wald in Thessalien, wo Herakles die Kentauren besiegte, als sie die Hochzeitseier seines Freundes Peirithoos gestört hatten. Compare printed p. 250
3. [OCR note; compare the printed page.] Dirphys, ein Gebirg auf der Insel Euböa, die ehmals von den Abanten bewohnt war, welche von Abas, einem Sohne Poseidons, den Namen tragen. Deine Wiege. Lykos kam von Euböa. S. V. 32. Compare printed p. 250
4. [OCR note; compare the printed page.] ἀντέχων ἀλκὴν μόνον, da er nur seine Kraft, keine Waffe entgegenzusezen hat. Compare printed p. 250
5. [OCR note; compare the printed page.] Wörtlich: Doch, wär' ich Jüngling und des Körpers mächtig noch. Compare printed p. 250
6. [OCR note; compare the printed page.] die dem Lykos huldigen. Deswegen verbinde man dort ἄρχει mit τῶν νέων. Compare printed p. 250
7. [OCR note; compare the printed page.] Uns, den Greisen, im Gegensaz gegen die Jünglinge Thebä's Compare printed p. 250
8. [OCR note; compare the printed page.] 2. ἐν δ' ἀσθενείᾳ τὸν πόθον διώλεσας, i. e. imbecillitate tua fecisti, ut desiderium tuum inane sit, durch deine Unmacht, deine Schwäche machtest du dein Verlangen unnüz und nichtig. Compare printed p. 250
9. [OCR note; compare the printed page.] Nach λαβόντας ist ein Fragezeichen zu sezen. Der Sinn ist: „Und ist es nicht durch Zeugnisse bestätigt, daß mein Gemahl das Leben seiner Kinder nicht um den Preis der Schande erkaufen will?" Compare printed p. 250
10. [OCR note; compare the printed page.] Anders : Wo kam ein Todter aus des Hades Nacht zurück? Compare printed p. 250
11. [OCR note; compare the printed page.] Hier ist nach der alten Lesart übersezt, von welcher abzuweichen ich keinen Grund finde. Compare printed p. 250
12. [OCR note; compare the printed page.] Nach der ursprünglichen Lesart: μάτην δὲ παιδός του νεὼν ἐκλήζομεν. Wörtlich: umsonst priesen wir wahrlich den Tempel des Sohnes, d. i. den Tempel, den mein Sohn Herakles, dem Retter Zeus erbaut hatte, und den wir mit diesem rühmenden Namen schmuckten, der uns indes nicht rettete. Wäre die Stelle einer Xenderung bedürftig, so läse man wohl am besten: μάτην δὲ παιδὸς τὸν τεκόντ' ἐκλήζομεν· Umsonst als Vater meines Sohns begrüßt' ich dich. Dann wäre der vorangehende Vers der Uebersezung so zu lesen: O Zeus, umsonst denn theiltest du mein Lager einst. Compare printed p. 250 Compare printed p. 251