Was weinst du, Mutter, hålltest vor das Auge dir
Den zarten Schleier? Weil du hörst den klåglichen
Wehruf der Frauen? Mir bewegt er auch das Herz.
Erhebe dieses graue Haupt und weine nicht,
280
Un Deo's heil'gen Opferherd hier angeschmiegt!
Aethra.
Weh, wehe!
Theseus.
Klagen darfst du nicht um ihr Geschick.
Unselige Frauen!
Du gehörst nicht ihnen an.
Aethra.
Kind, sag' ich Etwas, ruhmlich dir und deiner Stadt?
Theseus.
Viel weise Worte kamen auch von Frauen schon.
285
Aethra.
Doch såum' ich dir zu sagen, was mein Herz bewegt.
Theseus.
Wie schnode, Gutes einem Freund verheimlichen!
Aethra.
Ich will fürwahr nicht schweigen und mich dann dereinst
Selbst tadeln, daß ich jezo schwieg in feigem Sinn,
Noch, weil ich fürchte, nuzlos sei das gute Wort
290
Aus Frauenmunde, lass' ich ab von meiner Pflicht.
Ich mahne dich vor Allem: denk' an Gottes Macht,
Damit du, sie misachtend, nicht verderbest, Kind:
Hiedurch allein verdurbst du, wenn auch weise sonst.
Doch, wenn es nicht sich ziemte, kühn zu reden hier
295
Bei solcher Unbill, nicht ein Wort verlor' ich dann.
Nun aber bringt dir dieses Ruhm und Ehre, Sohn,
Und mir erweckt es keine Furcht, ermahn' ich dich,
Daß du die Frevler, die den Todten mit Gewalt
Die Todtenopfer und des Grabes Theil entziehn,
300
Mit deines Armes Stärke zwingst zu dieser Pflicht,
Und jene zåhmest, die, was Hellas heilig gilt,
Ruchlos entweihn. Denn was der Menschen Städte schirmt,
Ist, wenn man weislich auf Gesez und Sitte hålt.
Auch wird man sagen, daß du feig in schnöder Furcht
305
Zurückgetreten, als der Kranz der Ehre dir
So lockend winkte, daß du wohl mit Ebern dich
Zum Streite gürtend, unberühmten Kampf gekämpft,
Wo's aber Helme, Schwerter anzuschauen galt
Und Lanzen auszudauern, feig erfunden wardst.
310
Du, der du mein bist, thue das niemals, o Kind!
Siehst du, wie deine Vaterstadt, als unbedacht
1
Gelåstert, wie sie wuthend auf die Låst'rer blickt?
Denn unter Mühsal und Gefahr wächst ihr der Muth.
Doch Städte, die gern rasten, gern in Dunkel ruhn,
315
Stehn auch in Dunkel unbemerkt und fürchten stets.
Du willst den Todten, willst den unglücksel'gen Fraun,
Die deines Arms bedurfen, nicht beistehn, o Kind?
Das Recht zu schůzen zigst du hin, drum furcht' ich nicht,
Auch seh' ich Thebå glucklich und vertraue fest,
320
Noch andre Würfe werd' es thun im Würfelspiel
Des Gluckes; Alles wandeln ja die Götter um.
Der Chor.
O theure Frau, du sprachest, was dem Sohn und uns
Zum Heile dient: so schaffst du Doppelfreude mir.
Theseus.
The Suppliant Maidens. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .