Warum vergönnten Götter nicht dem Sterblichen,
1065
Zweimal ein Jungling und ein Greis zweimal zu sein?
Denn wenn sich Etwas übel fügt' in unserm Haus:
Von neuem prüfend wenden wir's zum Bessern um,
Nur nicht das Leben. Wenn wir zweimal Junglinge
Und Greise zweimal wurden, dann verbesserte
1070
Das zweite Leben manchen Fehl des früheren.
So sah ich einst, wie Andre Kinder sich erzielt,
Und wünschte Gleiches und verging in diesem Wunsch.
Bestand ich schon dies Leiden, fühlt' ich, welchen Schmerz
1
Des Vaters Herz empfindet, der ein Kind verlor:
1075
Nie håtte mich getroffen, was mich jezo traf,
Mich, der die Kinder, der den Jüngling hier gezeugt,
Und dem der Söhne bester nun entrissen wird.
Was soll ich denn beginnen, ich Unseliger?
Nach Hause gehen? - Alle Näume find' ich dort
1080
Verlassen; freudlos, ide wird mein Leben sein.
So geh' ich wohl zum Hause dieses Kapaneив?
Mir, ach, so süß einst, als die Tochter lebte noch!
2
Nun ist sie nicht mehr, die des Greises Wange stets
Zum Munde führte, dieses Haupt mit ihrer Hand
1085
Umfing. Ein alter Vater hat nichts Lieberes,
Als eine Tochter; Sinn und Art der Knaben ist
Wohl großer, doch für süßes Kosen nicht gestimmt.
Auf, Diener, führt mich ungesäumt nach Haus zurück,
Und gebt mich hin dem Dunkel, wo mein greiser Leib,
1090
Fern aller Nahrung, ausgezehrt hinschwinden wird!
Was wird mir's helfen, rühr' ich an der Tochter Staub?
Alter, unentfliehbar Leid, wie hass' ich dich,
Wie Jeden, der sein Leben auszudehnen strebt,
Durch Båder, Ruhebetten' und durch Zauberein
3
1095
Der Jahre Lauf ablenkend, um den Tod zu fliehn!
Unnüz der Erden, sollte der in jähem Tod
Hinfahren und den Jungern nicht im Wege sein!
Ach!
(geht ab.)
Erster Halbchor.
The Suppliant Maidens. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .