Von einer Sklavinn, scheint es, weh! bin ich besiegt,
Und büßen muß ich einer viel Geringeren.
Hekabe.
Wohl nicht mit Unrecht, wenn du schlecht an ihr gethan.
Polymestor.
Weh mir! D meine Kinder! Weh, mein Augenlicht!
1220
Hekabe.
Du klagst? Und glaubst, ich klage nicht um meinen Sohn?
Polymestor.
Dir macht es Freude, mich zu hohnen, Frevlerinn?
Hekabe.
Ich sollte mich nicht freuen, daß du mir gebüst?
Polymestor.
Das wirst du nimmer, wann dich einst die Meeresflut.
Hekabe.
Nach Hellas Gränze tragen wird im hohen Schiff ?
1225
Polymestor.
Bedecken, wann vom Maste du herabgestürzt.
Hekabe.
Wer zwånge mich zu so gewaltsam kühnem Sprung?
Polymestor.
Zum Maste klimmst du mit den Füßen selbst hinauf.
Hekabe.
Beschwingt mit Flügeln auf dem Rücken, oder wie?
Polymestor.
Zum Hunde wirst du, drohend mit dem Feuerblick.
1230
Hekabe.
Woher vernahmst du meines Leibs Umwandelung?
Polymestor.
Der Seher Thrake's, Dionysos, sagt' es mir.
Hekabe.
Von deinem Ungluck hat er dir Nichts offenbart?
Polymestor.
Dann hättest du mich also nie durch das Licht berückt.
Hekabe.
Vollend' ich dort todt oder lebend mein Geschick?
1235
Polymestor.
Du stirbst: und deines Grabes Hügel wird genannt
Hekabe.
Wohl meine Wandlung oder was bezeichnet er?
Polymestor.
Das Grab der Hündinn, warnend Mal den Schiffenden.
Hekabe.
Mich kummert's nicht mehr, weil ich dich gezüchtiget.
Polymestor.
Kassandra, deine Tochter, sie mus sterben auch.
1240
Hekabe.
Nichts acht' ich deine Rede: das komm' über dich!
Polymestor.
Die schndde Hausfrau dieses Manns ermordet sie.
Hekabe.
So wuthe niemals Tyndareus' erhabnes Kind!
Polymestor.
Und todtet ihn auch, schwingt das Beil hoch über ihm.
Agamemnon.
Du rasest, du; nach neuem Unheil lüstet dich.
1245
Polymestor.
Morde mich! In Argos wartet dein das Todesbad.
Agamemnon.
Ihr Knechte, greift ihn, schaffet ihn mir gleich hinweg!
Polymestor.
Die Kunde schmerzt dich?
Agamemnon.
Båndigt ihr ihm nicht den Mund ?
Polymestor.
Ja, schließt mich ein; es bleibt gesagt.
Agamemnon.
Werft ihn sogleich
Nach einer Insel, unbewohnt von Menschen, aus,
1250
Ihn, der so schamlos trozig schwazt und ohne Maaß!
Doch du bestatte, jammervolle Hekabe,
Die beiden Todten; aber ihr Troaden geht
In eurer Herren Belte: denn bereits erhebt
Sich guter Wind hier, welcher uns nach Hause trågt.
1255
Sei denn die Heimfahrt glucklich, und o fånden wir,
Frei dieser Muhen, Alles wohlbestellt zu Haus!
Chor.
Hecuba. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .