Euripides Andromache 1-116

ed. Gilbert Murray

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Andromache. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1902.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Ἀνδρομάχη (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.)

Translations (3)
Andromache Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891.) — 1-115 focus
Andromache (OCR draft) Experimental (Andromache. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1 focus
Des Asiatenlandes Zier, o Theberstadt, 1 2 3
1
Von wo mit goldner Gaben Schaz Andromache
Vormals zur königlichen Burg des Priamos
Gekommen, Hektorn anvermählt als fruchtbare .
Gattinn, beneidenswirdig wohl in frührer Zeit,
5
Doch nun der Frauen allerungluckseligste!
Ich sah, wie Hektor, mein Gemahl, erschlagen ward
Von Thetis' Heldensohne, wie von hohem Thurm
Hinabgestürzt ward unser Sohn Astyanar,
Als Argos' Sohne Troja's Flur eroberten;
10
Und, eine Sclavinn, aus dem allerfreisten Stamm
Vormals geachtet, kam ich selbst in Hellas' Aun,
Des Inselfürsten Neoptolemos Kriegsgeschenk, 4
Das ihm vom Raube Troja's ausgesondert ward.
Und hier in Phthia's Fluren und Pharsalia's,
15
Den nachbarlichen, wohn' ich, wo, von Menschen fern,
Dem Schwarm entflohn, die Meeresgöttin Thetis einst
Gewohnt mit Peleus: ihren Bund verewigend,
Nennt Thetideion diesen Ort der Thessaler.
Da weilt Achilleus' edler Sohn in diesem Haus,
20
Und läßt den Peleus herrschen in Pharsalos' Land,
Nicht nach dem Zepter trachtend, weil der Alte lebt.
Und ich gebar in diesen Häusern einen Sohn,
Gesellt Achilleus' Sohne, der mein Herrscher ist.
Zuvor, wiewohl unglucklich, hat doch immer mich
25
Gestarkt die Hoffnung, wenn der Sohn am Leben sei,
Schuz einst und Schirm zu finden wider Ungemach.
Doch nun der Herrscher sich vermählt Hermione,
Die Tochter Sparta's, und verschmåht mein Sclavenbett,
Werd' ich von ihr mit grauenvoller Schmach verfolgt.
30
Denn durch geheime Zauber ihr Unfruchtbarkeit
Bereitend, (sagt sie) raub' ich ihr des Mannes Herz;
Im Hause herrschen woll' ich selbst an ihrer Statt,
Gewaltsam sie vertreibend aus des Gatten Gunst,
Ich, die von Anfang widerstrebend ihm gefolgt,
35
Und nun ihn aufgab. Zeuge mir der große Zeus,
Daß nur mit Widerwillen ich sein Bett getheilt!
Doch nicht bered' ich diese, sie will meinen Tod;
Menelaos beut der Tochter seine Hand dabei.
Und eben darum ist er nun im Hause, kam
40
Darum von Sparta. Ich in banger Angst entfloh
Zu Thetis' Tempel in des Hauses Nähe hier,
Und size harrend, ob er mir abwehrt den Tod.
Der Stamm des Peleus und er selbst ehrt diesen Ort,
Der Zeuge seines Chebunds mit Thetis war.
45
Mein einzig Sohnchen aber sandt' ich ingeheim
In andre Häuser, daß man ihn nicht mordete.
Denn, der gezeugt ihn, ist mit seiner Hilfe mir
Jezt nicht gewärtig, auch dem Sohne frommt er nicht:
Er weilt im Delpherlande, dort dem Lorias
50
Die Raserei zu büßen, daß er Rechenschaft
Von ihm zu Pytho fordert um des Vaters Tod,
Ob nicht, der alten Sünde Schuld abbittend, er
Die Huld Apollons etwa sich erring' hinfort.
Eine Dienerin kommt aus dem Hause des Neoptolemos.
Gebieterin! Mit diesem Namen schen' ich nicht
55
Dich noch zu nennen, weil ich so dich auch genannt
In deinem Hause, da wir Troja's Flur bewohnt:
Stets war ich dir und Hektor, deinem Gatten, hold,
Und nun erschein' ich, Neues dir verkundigend;
Wohl fürcht' ich, daß der Herren einer mich erspåht,
60
Doch treibt mich Mitleid: Grauses droht Menelaos dir
Mit seiner Tochter; sei davor auf deiner Hut.
Unheil brachte dir Paris, o Ilios, keine Vermählung,
Als er Helenen heim führt' in der Ehe Gemach.
Darum erschien aus Hellas mit tausend Masten der Wüthrich
Ares, eroberte dich, Troja, mit Feuer und Schwert, 5
105
Raubte mir meinen Gemahl, der Verlorenen, welchen am Wagen
Fesselnd, der Meergåttin Sohn um die Mauern geschleift.
Ich ward aus den Gemächern gefuhrt zum Gestade des Meeres,
Beugt' in der Dienstbarkeit traurige Bande das Haupt;
Und viel Zahren entstromten die Wange mir, als ich im Staube
110
Meinen Gemahl und die Stadt und die Gemåcher verließ.
Unglückselige, weh! Was mußt' ich noch schauen die Sonne
Ich, Hermione's Magd, die mich verfolgend bedrängt,
Daß ich, flehend geschlungen die Hånd' um der Göttlichen
Bild hier,
Weine, der Quellslut gleich, welche dem Felsen entströmt?
115
Der Chor tritt auf. Andromache. Erste Strophe.