Euripides Andromache 802-1005

Edward P. Coleridge (Translator)

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Andromache. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Andromache (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891.)

Editions (1)
Ἀνδρομάχη Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 802-1008 focus
Translations (2)
Andromache (OCR draft) Experimental (Andromache. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 802 focus
O theure Frauen, wie doch häuft das Leiden sich,
Mit neuem Leide wechselnd, uns an diesem Tag!
Denn unsre Herrin im Palast, Hermione,
770
Von ihrem Vater verlassen, und in tiefem Schmerz
Die Schuld erkennend, daß sie wollt' Andromachen
Und ihren Sohn ermorden, wählt nun selbst den Tod,
Den Gatten fürchtend, daß er sie für solche Schuld
Schmachvoll vertreib' aus diesem Hause, ja vielleicht
775
Sie tödte, da sie todten wollt' Unschuldige.
Kaum hemmen Diener, die man ihr zur Hut gesezt,
Sie, die den Strang um ihren Nacken schlingen will,
Und reißen mühsam aus der Rechten ihr das Schwert.
So schwer bekümmert, fühlt sie nun, daß ihre That
780
Nicht schon gewesen. Aber ich ermattete,
Der Fürstin wehrend, sich den Tod zu geben, Fraun. 1
So wandelt ihr denn jezt hinein in dieses Haus,
Und rettet sie vom Tode; neuen Freunden ja
Gehorcht man lieber, als dem långstbekannten Freund.
785
O weh, weh mir!
Ich zerraufe mein Haar, mit den Någeln
Berfleisch' ich die Wang' und den Busen mir.
Ach, ach!
Warum soll ich in's Gewand die Brust hüllen?
Was ich dem Gatten gethan, liegt offen am Tag,
Verbirgt sich nicht.
Ich seufz' über die verruchte Frevelthat,
Die ich verubt, ich Versluchte, verslucht vom Geschlecht
Der Sterblichen.
Was raubtest du mir aus den Hånden das Schwert?
805
O gib, Theure, gib's zurück, daß ich es an
Die Brust seze! Was wehrtest du mir den Strang?
Warum dich also qualen? Alle Menschen trifft,
Bald oder spåt, ein gottverhängtes Ungemach.
Du hast, Vater, hast, ach! mich verlassen, wie 2
815
Am Meerstrand ein Schiff, einsam und ruderlos.
Ich muß sterben, muß, - werde nicht wohnen mehr
Hier in dem Brautgemach.
An welch Götterbild wend' ich flehend mich?
Fall' ich zu Füßen ihr, Sclavin dem Sclavenweib?
820
Konnt' ich entfliehn aus dem phthiotischen Lande, 3
Wie der Vogel mit blauem Gefieder,
Wie das tannene Fahrzeug, welches, die erste Barke, 4
Durch die Kyanen fuhr! 5
Das Uebermaß des Zornes lobt' ich nicht, o Kind,
825
Womit du fehltest wider sie, die Troërin,
Noch lob' ich jezo deine gar zu große Furcht.
Verstoßen wird dich dein Gemahl deßwegen nicht,
Weil ihn des fremden Weibes schnodes Wort berückt.
Denn nicht gefangen führt' er dich aus Troja fort;
830
Als eines edlen Mannes Kind errang er dich
Mit großer Mitgift aus der hochbeglückten Stadt.
Verlassen wird dein Vater, wie du fürchtest, Kind,
Dich nicht, noch dulden, daß man dich vom Hause treibt.
So geh' hinein denn, laß vor dieser Hause dich
835
Nicht långer blicken, daß es dir nicht Schande bringt,
Vor unsrer Wohnung so gesehn zu werden, Kind.
Liebt eine Andre dein Gemahl an deiner Statt?
Ein weiser Mann war's, der gelehrt die Sterblichen,
Die Reden anzuhören, die der Andre spricht.
Ich wußte wohl um dieses Hauses Wirrnisse,
Um deinen Hader, der dich trennt von Hektors Weib,
Und harrte darum lauschend, ob du bliebest hier,
920
Ob, etwa fürchtend dieses kriegsgefangne Weib,
Du lieber fliehen wolltest aus des Gatten Haus.
Nun kam ich, deine Briefe nicht erwartend, selbst,
Dich, wenn du sprächst vom Fliehen, wie du jezo thust,
Aus diesem Haus zu führen. Du warst mein vordem, 10
925
Und wohnst bei diesem Manne durch Menelaos? Schuld,
Der, eh' er eindrang in die Marken Ilions,
Dich mir zum Weib gegeben, dann dem Pyrrhos dich
Verheißen, wenn er Troas' Burg erobere.
Nachdem Achilleus' Sohn hieher zurückgekehrt,
930
Vergab ich deinem Vater; doch ihn fleht' ich an,
Mir deine Hand zu lassen, und erdffnet' ihm,
Welch Leiden mich verfolge, daß ich eine Braut
Von Freunden wohl erlangte, doch von Fremden nicht,
Verbannt vom Vaterherde, wie ich's jezo sei."
935
Da höhnt' er trozig, warf den Muttermord mir vor,
Die Götterfrauen mit dem blutroth glüh'nden Blick. 11
Und ich, durch meines Hauses Loos entmuthiget,
Empfand, empfand Schmerz, aber trug das Misgeschick, 12
Und schied mit schwerem Herzen, deiner Hand beraubt.
940
Doch weil sich nun dein Schicksal umgewandelt hat,
Und du bei diesem Ungemach nicht Hülfe weißt,
Führ' ich hinweg in deines Vaters Arme dich.
Denn måchtig ist Verwandtschaft und hilfreicher Nichts
In båsen Tagen, als ein Freund aus gleichem Stamm.
945

Notes on the current edition

Andromache

1. Reading ἀερθείην with Seidler.
2. Argo, in quest of the Golden Fleece.
3. Nauck regards line 878 as spurious.
4. Reading οἵδε γε.
5. Reading πῶς οὖν ἃν ἔιποι τις τάδ᾽ ἐξημάρτανες.
6. Nauck incloses line 953 in brackets.
7. Reading ἐμοὶ δοὺς, εἴθ.
8. i.e. the avenging fiends that pursued Orestes after his mother’s murder.
9. Hermann reading τοι for γὰρ assigns these two lines with great plausibility to the Chorus; Nauck prints them so.
10. Reading, as Paley suggests, γαμεῖν σε μηδέν᾽, ἣν ἐχρῆν ἐμέ.