Euripides Andromache 494-765

Edward P. Coleridge (Translator)

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Andromache. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Andromache (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891.)

Editions (1)
Ἀνδρομάχη Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 494-765 focus
Translations (2)
Andromache (OCR draft) Experimental (Andromache. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 494 focus
Doch seh' ich ja schon hier vor dem Palast
Das verbundene Paar,
Das ein trauriger Spruch zu dem Tode verdammt.
485
Unglückliches Weib! Unseliger Sohn,
Du gehst um Andromache's Lieb' in den Tod,
Hast, ledig von Schuld,
Nichts wider die Fürsten verbrochen.
Andromache (gefesselt). Molottos. Menelaos. Der Chor.
Seht, - mit Stricken die blutigen Hånd' umwunden, hinuntergehn
490
Muß ich unter die Erde
In die Erde hinab! Denn ihr kamet hicher
Aus feindlicher Burg, und ein doppeltes Leid
Rafft euch in den Tod: dich tödtet mein Spruch,
500
Und den Knaben erschlägt Hermione dir,
Mein Kind. Denn ein gråßlicher Wahnsinn ist's,
Zu verschonen den Feind und des Feindes Geschlecht,
Wenn ich todten ihn kann
Und das Haus von Bekümmerniß lösen.
505
Hektor, Hektor, des Priamos Sohn, o könnte mich deine Hand,
Deine Lanze mich retten!
Was umschlingst du mein Knie, was flehst du mich an,
Mich, taub, wie der Fels, wie die Woge des Meers?
515
Wohl bin ich den Meinen ein Schuz; zu dir
Zieht Liebe mich nicht: denn ich habe so viel
Vom Leben verschwendet, bis Troja's Burg
Ich erobert und sie, die Mutter du nennst;
Ihr dankst du das Loos,
520
Das dich zu den Schatten hinabruft.
Den greisen Peleus seh' ich jezt in der Nähe dort
Hieher den alterschweren Tritt beschleunigen.
Peleus. Menelaos. Andromache. Molottos. Der Chor.
Du Feigſter, feiger Aeltern Sohn, du warst ein Mann?
Gleichwie zu Männern, also spricht man wohl zu dir?
Der seine Gattin rauben ließ vom Phrygier,
Und unverschlossen, unbewacht sein Haus verließ, 2
570
Als ob am Herde drinnen walt' ein zuchtig Weib,
Sie, aller Frauen schlimmste? Ja, wollt' eines auch,
Ein Spartermädchen könnte nicht enthaltsam sein,
Sie, die das Haus verlassen, und mit Junglingen,
Nachlässig offen ihr Gewand, die Hüften nackt,
575
Im Lauf und Ringerkünsten, unerträglich- mir,
Vereint sich üben. Kann es nun ein Wunder sein,
Wenn ihr, o Sparter, keine keuschen Frau'n erzieht?
So sollte Helena fragen, die aus deinem Haus
Nach einem andern Lande mit dem Junglinge
580
Im Wonnetaumel, deine Lieb' aufopfernd, zog.
Und dieser Frau zuliebe hast aus Hellas du
Ein solches Kriegsheer ausgeführt nach Ilion.
Du mußtest sie verwünschen, nicht den Speer um sie,
Die schlecht ersundne, rühren, nein, sie lassen dort,
585
Und Lohn noch geben, um sie niemals mehr zu sehn.
Doch nimmer hast du deinen Sinn hierauf gestellt,
Nein, gabst der tapfern Seelen viel dem Tode preis,
Hast alte Mütter kinderlos daheim gemacht,
Und grauen Våtern edle Söhn' hinweggeraubt.
590
Von diesen Einer, seh' ich Unglückseliger
In dir, Achilleus' Mörder, einen Rachegeist.
Du kamst allein aus Troja nichtverwundet heim,
Und schöne Schild' in schönen Hüllen brachtest du,
Die gleichen, dorthin, und von dort hieher zurück.
595
Ich sang dem Pyrrhos immer vor, niemals mit dir
Den Bund zu schließen, und des schnöden Weibes Kind
Nicht heimzuführen; denn die Neuvermählte bringt
Der Mutter Schmach mit. Freier, darauf achtet mir,
Und wählt die Tochter einer edlen Mutter euch!
600
Dann, - welchen Frevel übtest du am Bruder aus,
Triebst ihn zu seiner Tochter Mord in blindem Wahn?
So bangte dir's um einer schnöden Frau Besiz.
In Troja - denn ich folg' auch dorthin dir - erschlugst
Du nicht die Gattin, die man gab in deine Macht;
605
Nein, ihre Brust erblickend, warfst du hin das Schwert,
Empfingest Kusse, kostest um die Verråtherin,
Der Kypris Sclave, wie zuvor, Feigherziger!
Und nun in meiner Kinder Haus, die ferne sind,
Dringst du, zerstörst du, mordest du dies arme Weib
610
Und ihren Knaben schmählich hin, der Thränen dir
Und deinem Kind im Hause noch entlocken wird,
Und wår' er Bastard auch im dritten Glied. Es blüht
Die durre Saat oft schoner, als ein fettes Land,
Und mancher Bastard übertrifft den achten Sohn.
615
Drum nimm dein Kind und gehe! Besser ist's, man wählt
Den wackern Armen vor dem reichen Bosewicht
Zum Schwåher sich und Freunde. Du warst immer Nichts!
Die Zung' erregt oft argen Zwist den Sterblichen
Aus kleinem Anlaß; aber sorgsam hütet sich
620
Der Weise, daß mit Freunden ihn kein Bank entzweit.
Welch üble Sitte waltet doch in Hellas' Volk!
670
Wenn Kriegesheere Siegstropha'n errichteten,
So nennt man solches nicht ein Werk der Kämpfenden;
Des Heeres Führer trägt allein den Ruhm davon,
Der, unter Tausend Einer nur, die Lanze schwang,
Und mehr nicht that, als Einer, doch mehr Ruhm gewinnt.
675
Des Volkes Häupter, die sich hoch in Würden blåhn,
Thun stolzer, als die Menge, sind sie nichtig auch;
Doch tausendmal gescheidter sind die Niedern oft,
Wenn's nicht an Kühnheit ihnen und am Willen fehlt.
So sizest du dich blåhend, so dein Bruder auch,
680
Ob eurem Zug nach Troas, ob den Thaten dort,
Wo Müh'n und Leiden Andrer euch verherrlichten.
Nun will ich dir beweisen, daß nie größrer Haß
Mich wider Alexandros, Troja's Sohn, beseelt,
Entweichst du nicht aus diesen Hallen ungesäumt
685
Mit deiner Tochter, die hinaus vor dieses Haus 5
Mein Enkel noch am Lockenhaare schleifen wird,
Die, weil sie keine Kinder hat, nicht dulden will,
Daß Andre Mütter werden, da sie nicht gebiert.
Weil Mutterfreuden ihr versagt' ein herbes Loos,
690
Geziemt es sich, daß keine Kinder uns erblühn?
Hinweg von dieser, Sclaven, daß ich sehen mag,
Ob Einer ihre Hände mir zu lösen wehrt. 6
(zu Andromache)
Erhebe dich, damit ich, wenn auch zitternd, Frau,
Der dichtverschlungnen Bande dich entledige!
695
(zu einem der Sclaven)
So hast du ihr die Hände, böser Mensch, verlezt?
War's denn ein Stier, ein Lowe, den du mit Stricken bandst?
Du fürchtest, daß sie wohl ein Schwert ergreife, dir
Zu wehren? Komm an meine Seiten hier, o Kind,
Hilf ihre Fesseln lösen! Ich erzieh' in dir
700
Zu Phthia diesen einen großen Feind. Fürwahr!
Fehlt' euch, o Sparter, Kriegesruhm und Schlachtenkampf,
In allem Andern übertråst ihr Keinen sonst.
In raschem Unmuth treibt es dich zu Schmähungen;
Ich aber dring' in Phthia nicht gewaltsam ein,
Um Böses zuzufügen, noch zu dulden auch.
Und jezo (denn ich habe nicht viel Muße) will
Ich heim mich wenden. Nahe liegt uns eine Stadt,
710
Nicht fern von Sparta, die, vordem verbindet uns,
Jezt uns befeindet; über sie mit Heeresmacht
Mich stürzen will ich, mache sie mir unterthan.
Ich komme, wann ich Alles dort nach meinem Sinn
Vollendet, wieder; Aug' in Auge red' ich dann
715
Zu meinem Eidam, und vernehm' auch ihn sofort.
Und wenn er Diese zuchtigt, und sich måßig zeigt 7
Fortan, so wird ihm Gleiches auch von uns gewährt.
Doch, ist er zornig, trifft er auch als zornig uns,
Und was er uns thut, werden wir ihm wieder thun.
720
Was du zu mir geredet, leicht ertrag' ich es;
Denn einem leeren Schatten gleich, so schwazest du,
Nichts Andres sonst vermögend, als zu reden nur.
(er geht ab.)

Notes on the current edition

Andromache

1. κεῖσο δὴ, Nauck.
2. Herwerden conjectures μενοινῶ for μ᾽ ἐπαινῶ, which is certainly a strange expression.
3. Reading τάλλα τ᾽ with Nauck for γ᾽ ἄλλος.
4. Reading ἄφρουρα, Lenting.
5. Porson reads τίς δῆτ᾽ ἂν εἴτοι.
6. Nauck regards this as an interpolation, not improbably.
7. Reading τῆλ᾽ (Reiske).
8. Lines 655-656 are rejected by Nauck.
9. Lines 668-677 are regarded by Hirzel as not being the work of Euripides. Nauck incloses them in brackets.
10. The half-brother of Peleus and Telamon, slain by them out of jealousy.
11. Sentence reads Even so thou and thy brother, exalted by the toilsome efforts of others, now take your seats in all the swollen pride of Trojan fame and Trojan generalship. but has been rearranged for line clarity.
12. Reading μὴ κρείσσω, as Paley proposed, instead of μείζω or ἥσσω.
13. Paley’s suggestion to omit this line as possibly spurious owing to the repetition of ἀντιλήψεται, and to read θυμουμένη in the preceding line, would clear up the ambiguity as to whether Andromache or Neoptolemus is meant as the subject of ἠ σώφρων.
14. Reading with Hermann and Dindorf, σκιᾲ ἀντίστοιχος ὢν. Another reading is σκιὰ – ὢς, i.e. like the shadow on a dial exactly opposite the sun. (Paley.)