Euripides Hippolytus 170-521

Edward P. Coleridge (Translator)

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Hippolytus. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Hippolytus (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (1)
Ἱππόλυτος Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 170-524 focus
Translations (2)
Hippolytus (OCR draft) Experimental (Hippolytus. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 170 focus
Doch siehe, die Greisinn, die sie erzog,
Führt aus dem Palast vor das Thor sie heraus:
170
Das Gewölk um die Brau'n wird düsterer stets.
Es verlangt mein Herz, zu erspahn, was es ist,
Was die Königinn kränkt,
Daß ihr sich die Farbe verwandelt.
richtet mich auf, o stuzt mir das Haupt,
Freundinnen; gelöst ist den Gliedern das Band.
Ihr, faßt mir die Hand, schönarmige Fraun.
Schwer lastet das Stirnband mir um das Haupt;
200
Weg nimm es, und streu' auf die Schultern das Haar!
Am me.
Sei muthig, o Kind, und wirf dich nicht
So verdrießlich umher:
Viel leichter erträgt sich die Krankheit doch
Mit ruhigem Sinn und wackrem Gemuth;
205
Noth ist ja der Menschen Verhängniß.
Ich Elende, weh! Was hab' ich gethan?
Wohin mich verirrt von der Bahn der Vernunft?
Ich raste; mich traf der Unsterblichen Fluch.
240
Unselige, weh!
Amme, verhülle mir doch wieder das Haupt!
Ich errothe vor dem, was ich eben gesagt.
verbirg mich: es thaun mir die Zähren im Blick,
Und schamvoll wend' ich das Aug' abwärts.
245
Das Bewußtsein wiedergewinnen, es schmerzt;
Wahnsinn ist traurig; am glücklichsten ist,
Wer hinstirbt ohne Besinnung.
greise Frau, der Phadra treue Warterinn,
Wohl sehen wir der Fürstinn jammervolles Loos;
Doch dunkel blieb uns, welcher Art ihr Leiden ist.
Von dir erfahren mochten wir's und hörten's gern.
Siehst du? Du denkst vernunftig, dennoch willst du nicht
Dein Leben retten und den Kindern nüzlich sein.
Hortest, ach! hortest du's,
Wie das Unnennbare,
Ihr unselig Leid die Königinn gestand?
Der Tod treffe mich, bevor, Theure, du 5
Endest in Wahnsinn! Ach! I weh, wehe mir!
365
Arme, daß du so dulden mußt!
Ach, die Menschen nährt Angst und Noth!
Verlorne, Boses zogest du hervor an's Licht!
Welche Bedrängniß harrt nun ohn' Ende dein? 6
Ein graunvolles Leid bedroht dieses Haus.
370
Nicht långer ist es dunkel, wo der Liebe Loos
Endet: o wehe, Kreta's unglucklich Kind!
"Ihr Frauen aus Trozene, die das äußerste
Vorland von Pelops' Inselreich bewohnen hier,
In langer Zeit der Nächte sann, ich osters schon,
375
Was doch der Menschen Leben so zerrüttet hat;
Und nimmer glaub' ich, daß der Mensch das Schlimm're thut
Aus angebornem Wesen; denn das Richtige
Kennt Mancher; sondern also seh' ich dieses an.
Das Gute haben wir erkannt und wissen es,
380
Thun's aber nicht, aus lautrer Trägheit Einige,
Und Viele, weil sie andre Lust dem Schönen stets
Vorzieh'n. Der Lebensluste gibt es mancherlei,
Als: langes Plaudern, Müßiggang (ein süßes Weh!)
Und Scham, die eine guter Art, die andere,
385
Ein Fluch der Häuser. Wüste man die rechte Zeit,
So führten Einen Namen wohl die beiden nicht.
Nachdem ich einmal dieses wohl erkannt im Geist,
So durfte mir kein Zaubermittel mein Gemüth
Berücken, daß ich abgeirrt vom rechten Pfad.
390
Nun laß mich dir enthüllen meines Geistes Bahn.
Als Liebe mich verwundet; überlegt' ich wohl,
Wie ich sie trüg' am besten. So begann ich denn
Seitdem zu schweigen, meine Qual verheimlichend.
Denn auf die Zunge darf man nie vertrauen, die
395
Gedanken andrer Menschen wohl zu tadeln weiß,
Doch selbst die größten Uebel durch sich selbst empfängt.
Zum zweiten trachtet' ich den Wahn mit wackrem Muth
Zu tragen, überwindend ihn durch Máßigung.
Und drittens, wie's auch also mir unmöglich war,
400
Der Liebe Macht zu brechen, da schien Sterben mir
Das Beste: Niemand schilt mich wohl um diese Wahl.
Denn nicht verborgen bleibe, wenn ich Gutes that,
Und ubt' ich Böses, seien viele Zeugen fern!
Die That, der Krankheit herbe Schmach, ich kannte sie,
405
Und über dieses wußt' ich wohl: ein Weib bin ich,
Gehast von Allen. Schand' und Tod verderbe sie,
Die, fremden Männern zugesellt, ihr Ehebett 7
Zuerst geschändet! Aus erlauchten Häusern brach
Auch über andre Frauen dieser Fluch herein.
410
Denn wann den Edeln wohlgefällt das Schändliche,
- Bald wird's die Schlechten dunken, daß es edel sei.
Auch jene hass ich, welche keusch in Worten thun,
Und ingeheim mit schnodem Frevel sich vergehn.
Wie mogen sie, Kythera, Meerbeherrscherinn!
415
Doch ihren Ehgemahlen schau'n in's Angesicht,
Nicht zittern vor der mitbewußten Dunkelheit,
Den hohen Zimmerdecken, daß sie reden einst?
Denn eben dieses todtet uns, ich möchte nie
Als meines Mannes Ehrenschanderinn, o Fraun,
420
Und meiner Sohn' erscheinen: mogen sie Athens
Gepriesne Stadt in hohem Muthe blühend, frei
Bewohnen, ihrer Mutter wegen hochberühmt!
Denn nieder beugt es auch den kühnen Mann, sobald 8
Er um des Vaters, um der Mutter Frevel weiß.
425
Dies Eine, sagt man, kommt des Lebens Preise gleich,
Wenn dir gerechter, guter Sinn im Busen wohnt.
Die Bosgesinnten offenbart die Zeit dereinst,
Vorhaltend einen Spiegel, wie dem Magdelein;
môg' ich unter ihnen nie gesehen sein!
430
Du willst dich strauben? Dein Erzeuger mußte dich
Nach andrer Sazung oder unter anderen
460
Gottheiten zeugen, wenn dir dies Gesez misfällt.
Wie viel gescheite Männer sehn, was ihre Fraun
Verbrachen, aber stellen sich, als sahn sie's nicht?
Wie viele Våter, meinst du, stehn den Sohnen bei,
Die Liebeswahn bethörte? Denn der weise Mann
465
Verheimlicht Andern kluglich, was nicht edel ist.
Nicht allzustreng doch bilde dir dein Leben aus:
Láßt doch das Dach, das unsre Wohnung überwdlbt,
Sich schwer zusammenfügen; und wie hofftest du
Aus deinem tiefen Falle dich herauszuziehn?
470
Ja, wenn du mehr des Guten als des Bösen hast,
So bist du, traun, sehr glücklich, als ein sterblich Weib.
Drum, liebe Tochter, banne doch den trüben Sinn,
Den Uebermuth des Trozes; denn nichts Anderes,
Troz ist es, will man stärker sein, als Götter sind.
475
Bu lieben wage, (solches hat ein Gott gewollt,)
Und wende klüglich, was dich quålt, zum Besseren.
Bezauberungen, Schmeichelworte gibt es ja;
Noch sindet sich ein Mittel wider solches Weh.
Fürwahr, die Männer fånden spåt das Richtige,
480
Wenn nicht ein Weib die Mittel auszusinnen weiß.
Das ist es, was begluckte Städt' und Wohnungen
Der Menschen stürzt, die überschönen Worte sind's.
Nicht reden muß man, was dem Ohr ergozlich klingt,
Nein, bloß das Edle, das zu Ruhm uns führen mag.

Notes on the current edition

Hippolytus

1. A sea-coast town of Troezen.
2. Hippolytus was the son of Theseus by a former union with the queen of the Amazons.
3. i.e. as he never has proved so to me.
4. ὀλεῖ (1) 2nd sing. Fut. Mid. thou wilt die as a consequence of sharing my secret (Paley). (2) 3rd sing. Fut. Active it will kill me to keep silence, though that better ensures my honour.
5. Pasiphae, wife of Minos, deceived by Aphrodite into a fatal passion for a bull. Cf. Verg. Aen. vi. ad init., also Ovid Metam., viii, 131 sqq.
6. Ariadne, deserted by Theseus in the isle of Naxos, where Dionysus found her.
7. Or before thou accomplish thy purpose.
8. She was daughter of Minos, king of Crete.
9. These lines are probably corrupt, but no satisfactory emendation has been supplied to make the sense more perfect A conjectural reading is κανὼν ἀκριβώσει ’ἄν, but this involves an elision foreign to tragic usage.
10. The punctuation here adopted from Nauck is a vast improvement on the old reading, which put the stop after τάνδρός, and gave a most coarse sentiment even for so lax a maralist as Phædra’s nurse to utter.
11. Nauck brackets these two lines, and for προῆγον reads πῶς ἥγον;
12. I follow Nauck in reading οὐ for εὖ. ὑπειργασμαι = have been subdued—according to Paley and Liddell and Scott (passive). Mahaffy extracts a middle sense prepared my soul for love’s entry, and adopts the conjectural οὐ which would certainly seem to add clearness.
13. These lines are perhaps spurious. Nauck and Weil both bracket them.