Euripides Heracleidae 111-350

Edward P. Coleridge (Translator)

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Heracleidae. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Heracleidae (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (1)
Ἡρακλεῖδαι Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 111-352 focus
Translations (2)
The Heraclidae (OCR draft) Experimental (The Heraclidae. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 111 focus
So mußtest du's des Landes Herrscher sagen, eh
Du solches wagtest, nicht gewaltsam vom Altar
Fremdling' entfuhren, sondern scheun ein freies Volk.
Von Argos bin ich; dieses willst du wissen ja:
130
Weßhalb ich herkam und von wem, erklär' ich jezt.
Mykene's Fürst, Eurystheus, sendet mich hieher,
Ihm die zu bringen; Vieles, was das Recht gebeut,
Hab' ich zu sagen und zugleich zu thun, o Freund.
Denn, selbst Argeier, führ' ich nur Argeier heim,
135
Hier diese, die aus meinem Vaterland entflohn,
Wo strenge Sazung über sie den Tod erkannt.
Recht ist es aber, daß wir selbst, als freies Volk,
Selbständig üben unser Recht durch unsre Hand.
Sie kamen schon zu manches andern Volkes Herd;
140
Wir aber hielten unverrückt am gleichen Wort,
Und Keiner wagte sein Geschick herbeizuziehn.
Doch floh'n sie hierher, weil sie Thorheit wohl an dir 4
Gewahrten, oder wollten sie's im schweren Leid
Erproben, ob du deinen Schuz, ob nicht, gewährst.
145
Denn du, verstandlos, werdest dich, so wähnen sie,
Von allem Volk in Hellas, wo sie hingelangt,
Allein erbarmen ihrer schlimmberathnen Noth.
Wohlan, erwäge! Wenn du sie aufnimmst in's Land,
Und wenn du mir sie låssest: was ist dein Gewinn?
150
Von uns erringst du diesen Dank zum Lohne dir:
Du fågst zu deinem Reiche noch das machtige
Kriegsheer von Argos und Eurystheus' ganze Macht.
Doch wenn, gehorsam ihrem Wort und Klageruf,
Du dich erweichen låssest; muß das Schwert den Kampf
155
Entscheiden: denn das hoffe nicht, daß ohne Stahl
Von unserm Volke dieser Streit geschlichtet wird.
Was sagst du dann wohl? Welches Land ward dir geraubt,
Daß Krieg mit Tiryns, daß du Krieg mit Argos willst? 5
Wer sind die Bundsgenossen, die du schirmst? Wofür
160
Begråbst du deine Todten? Wohl wird böser Ruf
Vor deinem Volk dich schånden, wenn um einen Greis,
Der, so zu sagen, schon im Grabe wohnt ein Nichts,
Und um die Knaben du versinkst in solchen Schlamm.
Das Beste, Hoffnung, bluhe dir, erklärst du wohl.
165
Was ist die Hoffnung gegen dein errungnes Gluck?
Schön werden diese, reiften sie zu Jünglingen, 6
Bewehrt mit Argos kämpfen, wenn dies deinen Muth
Erhebt, und mittlerweile geht viel Zeit dahin,
In der ihr unterginget. Darum folge mir!
170
Nichts opfern sollst du, laß allein das Meine mich
Von hinnen führen, und erwirb Mykene dir.
Nicht wähle dir die Schlechten, was ihr gerne thut,
Wo du der Bessern Liebe dir gewinnen kannst.
O Fürst, in deinem Lande will's die Sitte so:
Zu reden, wie zu hören, ist mir freigestellt,
Niemand verstößt mich ungehört, wie sonst geschah.
Doch uns und diesen bindet nichts Gemeinsames; 7
180
Denn keinen Theil mehr haben wir an Argos' Land,
Das uns verurtheilt, Haus und Heimat flohen wir:
Wie könnte der nun fuglich als Mykener uns
Nach Hause fordern, die er ausgetrieben hat? 8
Fremdlinge sind wir. Oder dunkt es euch gerecht,
185
Daß Hellas' Marken fliehe, wer aus Argos floh?
Drum fliehn wir auch aus eurem Lande nicht; ihr treibt 9
Aus Furcht vor Argos nicht Herakles' Kinder aus.
Ist doch Athen kein Trachis, kein achaisches 10
Stadtlein, aus dem du diese wider Fug und Recht
190
Vertriebst, die flehend am Altar Gelagerten,
Nur Argos' Land erhebend, wie du's jezt erhebst.
Denn thust du solches, und erfüllt Athen dein Wort: 11
Erkenn' ich nicht mehr in Athen die freie Stadt.
Indeß - ich kenne seiner Bürger Sinn und Art:
195
Sie stürben lieber; denn die Scheu vor schnöder That 12
Gilt edlen Männern höher als das Leben selbst.
Genug von Atthis' Volke: denn zu großes Lob
Ist auch gehässig, und ich selbst erinnre mich,
Oft war mir's låstig, wenn man mich zu sehr erhob.
200
Doch daß es dir gezieme, die zu retten, will
Ich dir erklären, da du Herr im Lande bist.
Pittheus war Pelops' Sprößling, Pittheus' Tochter war
Aethra; von Aethra's Schooße ging dein Vater aus,
Theseus. Vernimm nun, welches Stammes Diese sind.
Ein Sohn, Alkmene's und des Zeus war Herakles,
Alkmene Pelops' Enkelin. Dein Vater und
Herakles also stammen ab von Einem Ahn.
So bist du diesen blutsverwandt, o Demophon.
Doch nicht Verwandtschaft, Andres noch gebietet dir,
210
Den Kindern, Herr, zu vergelten. Denn ich, wisse, zog
Einst aus mit Theseus als Herakles' Waffenknecht,
Dem Gürtel nach, der manches Leben mordete; 13
Und aus des Hades Klüften führt' ihr Vater einst 14
An's Licht den Theseus; das bezeugt ganz Hellas uns.
215
Für solche Wohlthat fordern sie zum Danke sich,
Daß du sie nicht auslieferst, nicht gewaltsam sie
Von deinen Göttern reißend aus dem Lande treibst.
Denn dir vor Allem bringt es Schmach, Unheil der Stadt: 15
Schuzfleh'nde, Flüchtling', Unverwandte
220
(wehe mir! O blick auf sie, Herr!) mit Gewalt davongeschleppt!
Nein, nimm die Zweige! Bei den Hånden fleh' ich dir,
Bei diesem Kinne: laß Herakles' Kinder nicht
Schmachvoll verstoßen, die du nahmst in deine Hut!
Sei ihnen Anverwandter, sei der Armen Freund,
225
Ihr Vater, Bruder, und ihr Herr! Denn alles dies
Ist besser, als Argeiern unterthan zu sein.
Ihr Leid vernehmend, fühlen wir Mitleid, o Fürst. 16
Daß wider Ungluck machtlos sei der hohe Stand,
Erkenn' ich jezt am klarsten; sie, die Sprößlinge
230
Des edlen Vaters, dulden unverdientes Leid.
Nicht, wenn's gerecht ist und mein Wort durch Grunde siegt?
Sei wachsam, die Zeit mahnt, eh sich das Heer
An die Marken heran wålzt: mächtigen Kampf
285
Liebt Argos ja,
Doch heute gewiß noch mehr denn zuvor.
Denn zweimal soviel, als wirklich geschah,
Austhurmen, ist ewig der Herold' Art.
Was, meinst du, sagt er dem Könige wohl?
290
Daß er Arges erlitt und nahe bereits
An dem Abgrund schwebte des Todes!
Ein schön'res Erbtheil gibt es doch für Kinder nicht,
Als edler, wackrer Våter Blut entsprossen sein,
Und frei'n um edle Frauen. Wer, von Lust bethört,
295
Mit schlechten sich verbindet, solchen lob' ich nicht,
Daß er der Lust zuliebe Schmach den Kindern bringt.
Denn båses Schicksal wehrt dir ab der edle Stand,
Mehr als der Stand Unedler. Wir auch fanden ja
Im lezten Unglück Freunde, Blutsverwandte hier
300
In diesen Männern, die allein in Hellas' weit
Bewohntem Land Herakles' Söhnen Schuz gewährt.
Reicht ihnen, Kinder, eure Hand, o reicht sie dar,
(Und ihr den Kindern:) tretet nåher hier heran.
Ja, Kinder, ja, die Freunde haben wir erprobt!
305
Drum, wann ihr einst in eure Heimat wiederkehrt,
Und eures Vaters Ehr' und Haus zurückerlangt,
Denkt immer, daß es eure Freund' und Netter sind,
Und hebet niemals wider sie den Feindesspeer,
An Dies gedenkend, sondern schizt als theuerste
310
Von allen Städten ihre Stadt! Denn ehren müßt
Ihr sie, die solchem Reiche, die Mykene's Volk
Feindschaft zu bieten unserthalb sich nicht gescheut, 18
Uns armen Heimatlosen hold; sie haben uns
Nicht ausgeliefert, nicht verjagt aus ihrem Land.
315
Ich werde lebend, edler Freund, und sterb' ich einst,
Auch todt vor Theseus deine That mit hohem Lob
Verkunden; freuen wird er sich, erzähl' ich ihm,
Wie du Herakles' Kinder wohl aufnahmst und sie
Beschůztest. Edel, schirmest du der Våter Ruhm
320
Im Lande Hellas, und, gezeugt von Trefflichen,
Bist du mitnichten schlechter, als dein Vater war,
Wie wenig Andre; denn du triffst bei Vielen wohl
Nur Einen, der nicht schlimmer als sein Vater ist.
Du sprachest wohl; auch diese werden also, Greis,
Sich zeigen, hoff' ich: rühmen wird man solche Huld.
330
Ich aber rufe zu vereintem Rath das Volk,
Und ruste, daß ich Argos' Heer mit großer Kraft
Empfange. Spåher send' ich ihm vor Allem zu,
Damit es unversehens uns nicht überfällt;
(Denn Alles eilt in Argos rasch zur Hülfe her:)
335
Die Seher rufend opfr' ich dann. Du geh' ins Haus
Mit diesen Knaben und verlaß des Zeus Altar.
Denn Andre werden, ob auch ich dir ferne bin,
Um dich besorgt sein. Gehe denn in's Haus, o Greis.

Notes on the current edition

Heracleidae

1. Nauck brackets this sentence as spurious.
2. i.e. a hope that they will do the same for you in your hour of need. Jebb suggested (Cf. Jerram) Ἐρῶ τὸ λῷστον· ἐλπιδ’ εὑρήσει μόνον I will put your case in the best light: you will find hope and nothing more. A most tempting elucidation of a very puzzling passage.
3. Mycenae and Argos are used indiscrimately, in the same way that Euripides elsewhere speaks of Greeks as Argives, Achaeans, Hellenes, etc., without distinction.
4. The following six lines have been condemned by the joint verdict of Paley, Porson, and Dindorf.
5. This line as it stands has a syllable too many for the metre. Hermann omits τε. Wecklein inserts τῇ and omits κακόν.
6. Reading ὄκνῳ.
7. Reading with Musgrave οὐκοῦν . . . ἀλλ’ οὐ. Jerram reads οὔκουν . . . ἀλλὰ σοὶ giving as the sense of this line and the next— Cop. No disgrace to me: the hurt will be thine. Dem. So it will, if I let thee take them.
8. Kirchhoff places a comma after ἐκείνους, and changes ἣν into ἄν, but this is not necessary.
9. He was king of Megara.
10. Or, let us keep our suppliant seat, awaiting the city’s success.