Euripides Alcestis 861-1005

ed. Gilbert Murray

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Alcestis. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1902.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Ἄλκηστις (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.)

Translations (3)
Alcestis Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 861-1005 focus
Alcestis (OCR draft) Experimental (Alcestis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 861 focus
Ach, trauriger Eingang, trauriger Blick
Des verwaisten Palastes! weh mir, weh!
845
Wo gehn, wo stehn? Was sag' ich, was nicht?
stürb' ich dahin!
Unselig gebar mich die Mutter, fürwahr!
Ich beneide die Todten, ich liebe nur sie,
In der Todten Behausung zieht mich's hinab.
850
Denn nicht mehr freut mich der Sonn' Anblick,
Nicht, daß mein Fuß noch die Erde berührt:
Solch theueres Pfand hat Thanatos mir
Zu den Todten entführt, in den Hades.
Strophe 1.
Voran, voran tritt; verbirg in's Haus dich.
855
Wehe!
Ach, ach!
Der Klage werth ist wohl, was du littst.
Qualen erduldest du, ich weiß es
Du erwähnst, was tief mir die Seele verlezt.
Welch größeres Unglück tråfe den Mann,
Als missen ein treues Gemahl? Daß nie
865
Ich verbunden mit ihr in dem Hause gewohnt!
Froh lebt man sonder Gemahl und Kind.
Ein Leben ist das, und die Trauer darum
Ein erträgliches Leid;
Doch Kinder erkrankt und das bräutliche Bett
870
Von dem Tode zerstört sehn, dies Leid ist
Unerträglich fürwahr, da man ohne Gemahl
Und kinderlos immer ja sein kann.
Gegenstrophe 1.
Ein Loos, ein Loos, schwer zu tragen, fiel dir.
Wehe!
875
Du hemmst dennoch die Wehklage nicht.
dauernder Schmerz und Gram um die Freund'
In der Erd' Abgrund! - Was wehrtest du mir,
Mich zu stürzen in's Grab, in die gåhnende Kluft,
Um dort bei ihr, der vortrefflichsten Frau,
885
Im Tode zu ruhn?
Zwei Leben für eins hått' Aïdes dann,
Die getreusten, zumal, die beide vereint
Wohl über den Acheron schifften.
Strophe 2.
Mir war ein Mann nahverwandt,
890
Welchem der einzige, thränenwerthe Sohn dahinstarb
Im Palast; doch truger
Muthvoll das Leid, zwar kinderlos,
Und zu grauendem Haupthaar
Sich bereits hinneigend,
895
Und vom Leben abwärts.
Vaterpalast! Wie tret' ich hinein?
Wie wohn' ich in dir, nachdem das Geschick
Sich gewandt? Viel anders ja ward es mit mir!
Einst trat ich, von Hochzeitliedern umtont,2
900
In das Haus, von pelischen Fackeln umstrahlt,
Und führt' an der Hand mein trautes Gemahl.
Und es folgt' uns nach, lautjubelnd, ein Schwarm,
Der hoch die Gestorbene pries und mich,
Daß wir, von den würdigsten Våtern entstammt,
905
Aus erlauchtem Geschlecht, uns ehlich vereint.
Nun tont kein Brautlied, Klagen erschallt;
Kein weißes, mich hullt ein schwarzes Gewand;
So tret' ich hinein
Zum verlassenen Lager der Ehe.
910
Gegenstrophe 2.
Indeß dir hold schien das Glück,
Nahte das Leiden dem Unerfahrnen; doch du rettest
Dir Geist und Leben.
Die Gattinn starb, die Liebe schwand.
Was ist es denn mehr? Hat
915
Doch Manchem der Tod schon
Das Gemahl entrissen.
Das Loos der Gattinn, Freunde, dünkt glückseliger
Mir als das meine, wenn es auch nicht also scheint;
Denn nie berühren wird hinfort ein Leiden sie,
920
Und mancher Trübsal wurde sie ruhmvoll entrückt.
Ich, nicht bestimmt zu leben, überschritt mein Ziel,
Und leb' ein traurig Leben; nun erkenn' ich es.
Wie werd' ich's tragen, einzugehn in dieses Haus?
Wen werd' ich hier anreden, und von wem begrüßt,
925
Wird mir der Eingang frohlich sein? Wo soll ich hin?
Die Dede drinnen, treiben wird sie mich hinaus,
Sobald ich leer der Gattinn Lager sehe, leer
Die Stätten sehe, wo sie saß, im Hause rings
Staubvoll den Boden; wenn an's Knie die Kinder sich
930
Mir klammern, sie beweinend, und der Diener Schaar
Beklagt die Herrinn, die das Haus verloren hat.
So wird es stehn im Hause. Draußen quålen mich
Der Weiber volle Schaaren und Thessalia's
Gereifte Jungfraun; denn ertragen kann ich's nicht,
935
Die Mitgespielen meiner Frau fortan zu sehn.
Und Einer, der mir übel will, sagt also wohl:
,,Seht hier den schändlich lebenden, der den Tod gescheut,
Und seine Gattinn opfernd aus Feigherzigkeit,
Entflohn dem Hades; und er glaubt ein Mann zu sein,
940
Und haßt die Weltern, weil er selbst nicht sterben will?"
Solch einen Leumund werd' ich noch zum andern Leid
Erfahren. Freunde, was gewährt das Leben mir,
Wenn båser Ruf, ein boses Schicksal mich verfolgt?
Strophe 1.
Ich auch ehrte die Musen,
945
Und hoch schwebt' ich empor, und ward
Manch erhabenes Wort gelehrt;
Doch Nichts mächtiger fand ich,
Als das Schicksal, die Mittel selbst
Nicht auf thrakischen Tafeln, bewahrt in dem Liede des
950
Orpheus,
Noch was Phobos an Mitteln Asklepios' Söhnen lehrte,
Lindernd die herbe Qual kummerbeladner Menschen.
Gegenstrophe 1.
Dieser Göttinn bekränzt man
Keine Bilder und kein Altar
Prangt ihr, Opfer erhört sie nicht.
955
Nahe furchtbarer, Hehre,
Nicht, als früher im Leben, uns!
Denn mit dir vollbringt Zeus Jegliches, was er beschlossen.
Auch der Chalyber Eisen ja bändigest du gewaltsam,
Und in dem harten Sinn regt sich die Scham dir niemals.
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Strophe 2.
König, in unlösbare Band' hat sie verstrickt auch dich.
Duld' aus; nimmer ja ruft Klage die Todten
Drunten wieder an's Licht empor.
Auch Sohne der Götter sterben, schwinden dunkel in Nacht.
Werth, da sie mit uns noch lebte,
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Werth ist sie auch im Tode.
Die edelste aller Frauen
Hattest du dir erwählt zur Gattinn.
Gegenstrophe 2.
Nicht, wie das Grab Anderer, sei deiner Gemahlinn Grab
Angesehen; zu ihm, wie zu den Göttern,
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Betend, ehr' es der Wanderer!
Und Mancher, die Pfade seitwärts wandelnd, redet das Wort:
„Sie starb, den Gemahl zu retten;
Nun ward sie sel'ge Göttinn.
Heil, Holde, dir! Gluck gewähr uns!"
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Also wird man sie einst begrüßen.