Nun schweigt, o Kinder, und in's felsumgürtete
Geklüft das Vich zu treiben, weist die Diener an.
(zu den Dienern).
Chor
Geht; aber, Vater, was für Eile hast du denn?
Seilenos.
Ich seh' am Meergestade dort ein Griechenschiff
85
Und Ruderknechte, die mit einem Obersten
Zur Höhle kommen; jeder trågt ein leer Gefäß
Um seinen Nacken für gewunschten Mundbedarf,
Auch Wassereimer. Jammerwerthe Fremdlinge!
Wer sind sie doch? Sie kennen Polyphemos' Art
90
Wohl nicht, des Herrn hier, daß sie dies ungastliche
Wohnhaus betreten und dem menschenfressenden
Kyklopenschlunde sich vertraun in blindem Wahn.
Doch haltet euch nur ruhig, daß wir hören erst,
Woher sie kamen zum sikelischen Aetnaberg.
95
Die Vorigen. Odysseus tritt mit den Ruderknechten auf.
Odysseus.
Ihr Freunde, sagt uns, wo wir frisches Wasser hier,
Den Durst zu lischen, finden, ob bedürftigen
Schiffleuten Einer Speise wohl verkaufen mag?
Was ist das?
In eine Stadt des Bacchos, scheint es, kamen wir;
Ein Schwarm von Satyrn flattert um die Höhle dort.
100
Vor allen ruf' ich meinen Gruß dem ältesten.
Seilenos.
Dank, Herr! Doch sage, wer du bist, aus welchem Land.
Odysseus.
Odysses, Kephallenerfürst aus Ithaka.
Seilenos.
Den Schwazer kenn' ich, Sisyphos' verschmizten Sohn.
Odysseus.
Der eben bin ich; aber låstre nicht, o Freund.
105
Seilenos.
Von wannen schiffend kamst du nach Sikelia?
Odysseus.
Aus Ilion, nachdem ich Troja's Muhn bestand.
Seilenos.
Wie? Fandest du zum Vaterlande nicht den Weg?
Odysseus.
Sturmwirbel rafften mit Gewalt hieher mich fort.
Seilenos.
Poz! Da geschah dir eben das, was mir geschah.
110
Odysseus.
So riß auch dich der Winde Sturmgewalt hieher?
Seilenos.
Den Räubern folgt' ich, die geraubt den Bromios.
1
Odysseus.
Doch welches Land ist dieses, und wer wohnt darin?
Seilenos.
Du siehst Sikelia's höchsten Berg, den Aetna hier.
Odysseus.
Wo sind die Thurme, wo die Mauern einer Stadt?
115
Seilenos.
Du suchst umsonst, Herr; menschenleer sind diese Hdhu.
Odysseus.
Wer wohnt in diesen Gauen? Wilde Thiere wohl?
Seilenos.
In Höhlen, nicht in Häusern, wohnt Kyklopenvolk.
Odysseus.
Wer ist ihr Herrscher? Oder ruht im Volk die Macht?
Seilenos.
Es sind Nomaden; Keiner hört auf Andrer Wort.
120
Odysseus.
Bebaun sie Felder? Oder wovon leben sie?
Seilenos.
Von Milch und Käse nährt man sich und Hammelfleisch.
Odysseus.
Den Trank des Bacchos kennen sie, der Rebe Saft?
Seilenos.
O nein; ein freudenloses Land bewohnen sie.
Odysseus.
Doch sind sie gastlich, freundlich wohl mit Fremdlingen?
125
Seilenos.
Die Fremden bringen, sagen sie, das beste Fleisch.
Odysseus.
Was? Sind es Wilde, schlingen Menschenfleisch hinab?
Seilenos.
Kein Fremder kam noch, welcher nicht geschlachtet ward.
Odysseus.
Wo weilt er selbst, der Kyklope? Hier in der Höhle wohl?-
Seilenos.
Mit seinen Hunden jagt er Wild auf Aetna's Höhn.
130
Odysseus.
Cyclops. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .