Danach, als dem Nikias und Demosthenes Alles
hinreichend vorbereitet schien, erfolgte endlich der Aufbruch des Heeres am
dritten Tag nach der Seeschlacht. Es war aber ein jammervoller
Auftritt aus mehr als einer Ursache. Nicht nur zogen sie jetzt ab,
nachdem sie alle ihre Schiffe verloren hatten, und anstatt der
Erfüllung ihrer großartigen Hoffnungen schwebten jetzt sie selber und ihr
ganzer Staat in größter Gefahr, sondern es bot sich auch beim
Verlassen des Lagers dem Auge eines Jeden Schmerzliches und den Sinn
Verwundendes. Denn die Todten lagen unbegraben, und wenn
Einer einen Angehörigen daliegen sah, so ergriffen ihn Schmerz und
Furcht zugleich, und die, welche lebend zurückgelassen wurden,
verwundet oder krank, waren den Ueberlebenden ein noch schmerzlicherer
Anblick, als die Todten, und weitunglükclicher, als die Gefallenen. Denn
sie streckten flehend die Hände aus und wehklagten und brachten sie
zur Verzweiflung, indem sie baten, man möge sie doch mitnehmen.
Und wenn Einer wo einen Freund oder Angehörigen sah, so riefen
sie Jeden beim Namen an, und wenn ihre Zeltgenossen sich in Marsch
setzten, so klammerten sie sich fest an sie und folgten ihnen, so weit sie
konnten, und wenn Einen dann die Kraft verließ und die Glieder
ihnen versagten, so blieben sie unter Beshcwörungen und Wehgeheul
liegen, so daß das ganze Heer in Thränen unter diesem Widerstreit
der Gefühle nur schwer abzog, obgleich sie Feindes Land verließen
und sie selber schon Unheil erlitten hatten, das mehr als
beweinenswerth war, und von der ungewissen Zukunft solches noch befürchten
mußten. Dazu herrschte unter ihnen auch Beschämung und Selbst-
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anklage, denn ihr Zug glich ganz und gar der flüchtigen Bevölkerung
einer eroberten Stadt, und zwar einer nicht kleinen, denn nicht
weniger als vierzig tausend Mann war die gesammte Masse stark, die sich
in Marsch setzte. Und von diesen trugen nicht nur die Andern, was
Jeder Brauchbares mitnehmen konnte, sondern sogar auchdie
Schwerbewaffneten und die Reiter trugen zu ihren Waffen auch ihre
Lebensmittel, theils aus Mangel an Waffenknechten ^), theils auch aus
Mißtrauen; denn die Meisten derselben waren schon früher oder eben
jetzt zu den Feinden übergelaufen. Gleichwohl hatten sie auch so nicht
das Genügende zum Mitnehmen, da kein Brod mehr im Lager war.
Das übrige Elend und die gleiche Betheiligung Aller an dem
Unglück, die doch sonst bei einer großen Zahl von Mittragenden
Erleichterung gewährt, wurde in der gegenwärtigen Lage deßhalb doch
um nichts leichter genommen, zumal man von solchem Glanz und so
großartigen Versprechungen des Beginnens zu solchem Ende und
solcher Erniedrigung herabgekommen war. Denn eS war dieß der größte
Glücksumschlag, den je ein Hellenisches Heer erlitten. Gekommen,
um Andern Knechtschaft zu bringen, mußten sie nun abziehen in der
Furcht, daß ihnen selber dieß Schicksal bevorstehe; anstatt
glückverheißender Wünsche und Kriegsgesänge, in deren Geleit sie von , der
Heimath abgesegelt waren, brachen sie jetzt unter den entgegengesetzten
Zurufungen auf; aus Seeleuten waren sie Landsoldaten geworden,
und anstatt Schiffsdienst zu thun, marshcirten sie jetzt als
Schwerbewaffnete. Und doch schien ihnen selbst dieß Alles noch erträglich gegen
die Gefahr, die noch drohend über ihren Häuptern schwebte.