Die Syrakusaner aber und ihre Bundesgenossen.waren
ungefähr mit der gleichen Schiffszahl wie früher bereits ausgelaufen
und bewachten mit einem Theil derselben die Ausfahrt, sowie auch
die übrigen Theile des Hafens rings herum, damit sie die Athener
von'allen Seiten zugleich angreifen und auch ihre Landtruppen ihnen'
zu Hilfe kommen könnten, wo immer ihre Schiffe an's Land getrieben
würden. Auf der Flotte der Syrakusaner befehligten Sikanos und
Agatharchos, Jeder auf einem Flügel; Pythen und die Korinther
hatten die Mitte. Als nun die Athener auf die Verfperrung stießen,
siegten sie beim ersten Anlauf über die dort aufgestellten Schiffe und
suchten die Sperrung zu durchbrechen; als aber dann von allen
Seiten die Syrakusaner und Bundesgenossen auf sie losstürzten, so kam
eS nicht blos bei der Sperrung zum Gefecht, sondern auch im. ganzen
Hafen selbst, und es wurde hitziger gekämpft, als je vorher. Denn
auf beiden Seiten herrschte bei der Rudermannshcaft der größte Eifer
zum Ansegeln, wenn der Befehl dazu ertheilt wurde; die Steuerleute
wetteiferten gegenseitig, sich in ihrer Kunst überlegen zu zeigen, und
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die Schiffssoldaten thäten ihre Sache; wenn Schiff auf Schiff stieß,
damit die Leistungen vom Verdeck nicht hinter der Geschicklichkeit der^
Andern zurückblieben.' Jeder beeiserte sich, in dem, was ihm
befohlen war, sich als der Erste zu zeigend Als aber nun auf dem engen
Raum viele Schiffe zusammenstießen — denn es war dieS die größte
Schiffszahl, die je auf so winzigem Raume gefochten hatte, da, beide
Flotten zusammengenommen, wenige an zweihundert fehlten'^) —
so fanden sehr wenig Angriffe mit den Vordertheilen statt, weil man
stich weder zum Anlauf zurückziehen, noch zwischendurch fahren konnte;
Enterangriffe von der Seite aber, wie grade zufällig ein Schiff im
Fliehen oder beim Angriffe eines andern auf ein drittes stieß, kamen
häufiger vor. So lange ein Schiff noch im Heranrudern war,
schütteten die vom Verdecke Wurfspeere, Pfeile und Steine in Menge über
dasselbe aus; waren aber beide Schiffe zusammengestoßen, so wurden'
die Soldaten handgemein und suchten Jeder das Schiff des Gegners
zu besteigen. Es traf sich auch an vielen Punkten, daß wegen des
Gedränges die Einen ein Schiff enterten und auf der andern Seite
selber geentert würden, sowie auch, daß zwei oder mehr Schiffe im
Gewühle sich an eines anklammerten und so die Steuerleute die
Aufgabe hatten, sich der Einen zu erwehren und die Andern anzugreifen,
nicht Eines nach dem Andern, sondern Vieles zugleich und nach allen
Seiten.. Zugleich erhob sich ein großes Getöse von so vielen
zusammenstoßenden'Schiffen und hinderte, verbunden mit dem Schrecken,
daß die Stimmen der Befehliger gehört werden konnten. Denn
vielfältiger Zuruf und Geschrei erschallte beiderseits von den
Befehlshabern, wie es theils ihre Amtspflicht erheischte, theils der
augenblickliche Wetteifer hervorrief. Den Athenern riefen die Ihrigen zu,
sie sollten die Durchfahrt erzwingen und jetzt oder nie die Rückkehr
in das Vaterland mit aller Anstrengung sich erkämpfen, — den
Syrakusanern und ihren Bundesgenossen, wie ruhmvoll es sei, wenn sie
jene' am Entkommen verhindern und so Jeder seines Vaterlandes
Ruhm durch den Sieg erhöhen würde. Und die Feldherren selbst
auf beiden Seiten, wenn sie Einen rückwärts tseuern sahen ohne
dringenden Grund, riefen den Schiffshauptmann mit Namen an, und
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die Athener fragten dabei, ob sie sich vielleicht zurückzögen, weil sie
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das Land ihrer erbittertsten Feinde für sicherer hielten, als das Meer,
dessen Herrschaft sie mit so vieler Anstrengung sich erkämpft hätten
— die Syrakusaner aber, ob sie denn vor den Athenern, von. denen
sie so gewiß wüßten, daß sie nur auf jede Weise zu entfliehen suchten,
selber feig fliehen wollten.