Es geschah aber sogleich nach der Schlacht bei Amphipolis
und dem Rückzüge des Ramphias aus Thessalien, daß keiner von
beiden Theilen mehr sich an Kriegsunternehmungen wagen wollte,
sondern beide ihre Gedanken mehr auf Frieden wendeten; die Athener,
1
weil sie bei Delion und bald danach wieder bei Amphipolis hart
getroffen worden waren und nicht mehr das zuversichtliche Vertrauen
2
auf ihre Macht hatten, mit welchem sie früher den Vertrag von sich
gewiesen, weil sie bei ihrem damaligen Glücke die entschiedene
Oberhand zu behalten geglaubt. Dann fürchteten sie auch, daß die
Bundesgenossen durch ihre Niederlagen noch weiter zum Abfall
angespornt würden, und es reute sie jetzt, daß sie nach den Ereignissen in
Pylos, wo sich ein ehrenvoller Anlaß bot, nicht in die dargereichte
Hand eingeschlagen hatten. Den Lakedämoniern auf der andern
Seite kam der Verlauf des Krieges ganz wider Erwarten, denn sie
hatten geglaubt, die Macht der Athener in wenigen Jahren zu Boden
zu werfen, wenn sie nur ihr Land verwüsteten; nun aber hatte sie
das Unglück auf der Insel (Sphakteria) betroffen, wie ein ähnliches
der Stadt Sparta niemals zugestoßen war, und von Pylos und
Kythera aus wurde ihnen das Land verwüstet. Auch die Heloten liefen
über, und sie mußten immer erwarten, daß auch die
Zurückgebliebenen, auf den Beistand der auswärts Befindlichen bauend, ihnen, wie
schon früher geschehen IV, Unruhen erregen würden. Dazu kam noch,
daß auch der dreißigjährige Friedensvertrag mit den Argivern seinem
Ende nahe war, und einen neuen wollten die Argiver nicht eingehen,
außer wenn man ihnen die Landschaft Kynuria wieder zurückgebe.
Und unter solchen Umständen schien es unmöglich, gegen Argiver und
Athener zugleich Krieg zu führen. Auch von den peloponneisschen
Städten hatten sie einige im Verdacht, daß sie aus Seite der Argiver
treten würden, waS denn auch wirklich eingetroffen ist.