„Hergesendet haben uns die Lakedämonier, um mit euch,
ihr Athener, wegen der Männer auf der Insel zu unterhandeln und
mit euch zu vereinbaren, waS nützlich für euch ist und zugleich
ehrenvoll für uns, soweit dieß bei unserem Unfälle nach den gegenwärtigen
Umständen möglich ist. Unsere Rede wird etwas lang ausfallen, was
jedoch nicht gegen unsere Gewohnheit ist; vielmehr lieben wir eS, dort
zwar wenige Worte zu machen, wo kurze Rede genügt, ziehen aber
die längere vor, wo die Umstände die Erreichung des Zweckes in
Aussicht stellen, wenn man in längerer Rede zeigen kann, was förderlich
ist. Nehmt aber unsere Worte nicht feindselig auf und nicht so, als
ob wir in euch Unwissende belehren wollten, sondern nehmt sie als eine
Mahnung an Kundige, einen edlen Entschluß zu fassen. Denn eS steht
jetzt bei euch, das Glück, daS euch eben zu Theil geworden ist, zu eurem
Ruhme zu wenden, indem ihr behaltet, waS ihr jetzt besitzt, und noch
Ehre und Lob dazu gewinnet; und ihr dürft nicht über euch herein
1
2
ziehen, was denen begegnet, die ein ungewohnter Glücksfall trifft und
die nun voll guter Hoffnung immer nach Größerem trachten, weil auch
das gegenwärtige Glück ihnen wider Verhoffen zugeflogen ist. Ueber
wen aber schon mancher Wechsel gekommen ist, beides in Glück und
Unglück, der thut wohl daran, erst recht mißtrauisch zu sein gegen
Glücksgunst. In eurer Stadt sollte diese Ansicht in Folge eurer
Erfahrung herrschen, und bei uns versteht es sich wohl von selbst."