Dem Tissaphernes redete er zu, er solle sich doch nicht
allzusehr beeilen, den Krieg zur Entscheidung zu bringen, und nicht
durch Herbeirufung einer Phönikischen Flotte, welche er ausrüsten
ließ, oder durch Soldzahlungen an noch mehr Hellenen einer und
derselben Hellenischen Macht die Obmacht zu Land und zu Wasser
absichtlich in die Hände spielen; er möge vielmehr zwischen beiden
Parteien die Herrschaft gleich getheilt sein lassen; denn so habe der
König immer die Möglichkeit, wenn der eine Theil ihm lästig werde, den
andern gegen jenen aufzuhetzen. Würde aber die Herrschaft zu Land
und zu Wasser in Einer Hand vereinigt, so werde er in Verlegenheit
sein, mit .wessen Mithilfe er die Herrschenden bezwingen könne; er
müßte denn mit großen Kosten nnd unter großen Gefahren selber
auftreten und wieder einmal einen Entscheidungskampf wagen wollen.
Viel einfacher sei es, mit einem geringen Theil desselben Aufwandes
und zugleich mit vollkommener eigener Sicherheit die Hellenen sich
unter einander aufreiben zulassen. Vortheilhafter für den König sei eS
aber, wenn die Athener Theilhaber an seiner Herrschaft würden; denn
sie strebten weniger nach Eroberung des festen Landes, und der
ausgesprochene Zweck und die Art ihrer Kriegführung stimmten besser
zum Vortheil der Perser. Denn sie gingen darauf aus, sich selbst
einen Theil der Inseln zu unterwerfen und damit zugleich auch dem
Tissaphernes diejenigen Hellenen, welche in des Königs Gebiet
wohnten; jene aber seien im Gegentheil als Befreier gekommen, und eS
habe doch keine Wahrscheinlichkeit für sich, daß die Lakedämonier jetzt
Hellenen von der Herrschaft der Athener, die doch auch Hellenen seien,
befreien, und nicht auch von der der Barbaren freimachen, wenn nicht
gar einmal deren ganze Macht vernichten wollten. Er rieth ihm
also sür's Erste, beide Theile sich schwächen zu lassen und beide mög-
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lichst zu verkürzen, bis er schließlich auch die Peloponnefier selbst
wieder heimschicken könne. Und in der That stimmte dieß Alles zu den
Absichten des Tissaphernes,sofern wenigstens aus dem wirklich
Geschehenen darauf zu schließen ist. Er glaubte deßhalb auch, daß
AlkibiadeS in diesen Dingen ihm den besten Rath ertheilt habe, und im
Vertrauen auf ihn lieferte er den Peloponnesiern die Verpflegung nur
kärglich und ließ eS nicht nur nicht-zu einer Seeschlacht kommen,
sondern schadete ihnen auch dadurch, daß er fälschlich vorgab, die
Pbönikischen Schiffe würden kommen, und sie würden so mit
überlegener Macht kämpfen. Auf diese Weise benahm er der
peloponnesischen Seemacht/die bereits einen so großen Aufschwung genommen
hatte, die Möglichkeit, sich auf's Glänzendste zu entwickeln, und auch
im Uebrigen war seine lässige Theilnahme am Kriege viel zu
ausfallend, als daß es nicht hätte bemerkt werden sollen..