gekommen waren, berichteten sie, was Alkibiades ihnen gesagt,
wie er geraten, auszuhalten und den Feinden nicht nachzugehen,
auch daß er die beste Hoffnung habe, das Heer mit ihnen
auszusöhnen und die Feinde zu besiegen. Infolgedessen wurden
freilich alle die, welche schon bisher nur widerwillig mit der
Oligarchie gegangen waren und sie gern bei guter Gelegenheit
losgeworden wären, nun erst recht aufsässig. Sie hielten be
reits Zusammenkünfte und schalten auf die Regierung, ja selbst
angesehene Feldherren und Männer, die unter der Oligarchie
in Amt und Würden standen, wie Theramenes, Hagnons Sohn,
und Aristokrates, Skellias' Sohn, und andere, gaben dabei
den Ton an. Die waren zwar damals in hohen Stellungen,
fürchteten aber, wie sie sagten, einerseits Alkibiades und daS
Heer auf Samos, anderseits aber auch, daß die beständigen
Gesandtschaften nach Lakedämon hinter dem Rücken der Bürger
schaft der Stadt schlecht bekommen könnten. Sie sagten nicht
gradezu, daß sie diese Herrschaft einer so kleinen Minderheit
am liebsten loswären, aber doch, daß man die Fünftausend
nicht nur dem Namen nach, sondern wirklich zur Regierung
berufen und die Gleichheit der Bürger verfassungsmäßig mehr
zur Anerkennung bringen müsse. Es war jedoch bloße Redens
art, wenn sie sich scheinbar so für das Recht der Bürgerschaft
erwärmten; bei den meisten war es nur eigener Ehrgeiz, wenn
sie eine Politik einschlugen, wie solche ein aus der Demokratie
hervorgegangenes oligarchisches Regiment in der Regel zu Fall
bringt. Denn in dem Augenblick ist es keinem um die Gleich
heit aller zu tun, sondern jeder will eben selbst der Allererste
sein. In einer Demokratie nimmt man eine Wahlniederlage
weniger schwer, weil man darin keine Zurücksetzung durch seine
Standesgenossen erblickt. Den Ausschlag bei ihnen aber gab
die große Stellung, welche Alkibiades jetzt in Samos gewonnen
hatte, und die Überzeugung, daß die Oligarchie nicht von Be
stand sein werde. So strebten sie alle um die Wette, nach
Herstellung der Volksherrschaft selbst an die Spitze zu kommen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.