unermüdlich offen darauf ausging, die Demokratie zu stürzen.
Wer aber die ganze Sache eingefädelt und schon seit langer
Zeit bei sich erwogen hatte, wie man damit zum Ziel kommen
könne, war Antiphon, ein Mann, der unter seinen Zeitgenossen
in Athen an persönlicher Tüchtigkeit keinem nachstand, ein
ebenso scharfer Denker wie gewandter Redner. In der Volks
versammlung freilich und vor Gericht trat er nur ungern auf,
und die Leute hielten ihn für einen Schlaukopf, dem nicht zu
trauen. Denen aber, die vor Gericht oder in der Volks
versammlung eine Sache auszufechten hatten und ihn unter
vier Augen um Rat fragten, konnte er wie kein anderer in der
Regel nützliche Winke geben. Auch später, als das Blatt sich
gewandt und das Volk die Herrschaft der Vierhundert gestürzt
hatte und er als einer, der sie mit aufgerichtet, wegen Hoch
verrats angeklagt wurde, war unter allen den noch zu meiner
Zeit in dieser Sache gehaltenen Verteidigungsreden seine ent
schieden die beste. Besonders eifrig legte sich auch Phrynichos
für die Oligarchie ins Zeug aus Furcht vor Alkibiades, weit
er wußte, daß ihm bekannt geworden war, was er in Samos
mit Astyochos verhandelt hatte, und er es für unwahrscheinlich
hielt, daß eine oligarchische Regierung ihn zurückrufen würde;
auch zeigte sich, daß man sich auf ihn, nachdem er einmal bei
getreten war, in der Gefahr am sichersten verlassen konnte.
Einer der ersten, welche die Demokratie zu stürzen suchten,
war auch Theramenes, Hagnons Sohn, auch er ein Mann,
dem es weder an Verstand noch an Rednergabe fehlte. Und
eben weil so viel gescheite Männer sich daran beteiligten, wird
es begreiflich, daß das Unternehmen, so schwierig es war,
dennoch gelingen konnte. Denn es war keine Kleinigkeit, das
athenische Volk nahezu grade hundert Jahre nach der Ver
treibung der Tyrannen dahinzubringen, seiner Freiheit zu ent
sagen, während es seitdem nicht nur selbst frei, sondern mehr
als die Hälfte dieser Zeit über andere zu herrshcen gewohnt
gewesen war.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.