entsandten Abgeordneten erstatteten nach ihrer Ankunft in Athen
in der Volksversammlung einen kurzen Bericht über alles, waS
vorgefallen, wobei sie besonders hervorhoben, wenn man
Alkibiades zurückrufe und der Demokratie endlich ein Ende
mache, so könne man ein Bündnis mit dem Könige haben und
die Peloponnesier ausstechen. In betreff der Demokratie erhob
sich jedoch von vielen Seiten Widerspruch, und die Feinde des
Alkibiades schrieen um die Wette, es wäre doch heillos, wenn
er seine Rückkehr mit Hilfe eines Staatsstreiches durchsetzen
sollte; auch die Angehörigen der Priestergeschlechter des Eumol
pos und Keryx bezeugten feierlich, daß er ja grade wegen des
Mysterienfrevels in die Verbannung gegangen sei, und be
schworen die Athener, ihn nicht zurückzurufet. Da Peisandros
in der Versammlung vielfach auf so lebhaften Widerspruch
stieß, nahm er die Widersacher einzeln beiseite und fragte sie,
ob sie denn jetzt, wo die Peloponnesier so viel Schiffe auf
See und mehr Bundesgenossen hätten als sie und von Tissaphernes
mit Geld unterstützt würden, während hier die Kasten leer
seien, überhaupt noch hoffen dürften, den Krieg durchzuhalten,
wenn sich nicht jemand fände, der den König dazu brächte
sich auf ihre Seite zu schlagen. Und wenn sie dann seine,
Frage mit Nein beantworten mußten, so sagte er ihnen ins
Gesicht: „Darauf aber können wir doch unter keinen Umständen
rechnen, wenn wir nicht mit der tollen Wirtschaft hier auf
räumen und ein oligarchisches Regiment einführen, damit der
König Vertrauen zu uns faßt. Diesen Augenblick dürfen wir
nicht an unsere Verfassung, sondern nur daran denken, wie
wir glücklich durchkommen. Später können wir sie ja immer
wieder ändern, wenn wir etwas daran auszusegen haben.
Darum müssen wir Alkibiades zurückrufen, der jetzt unter allen
der einzige ist, der das kann."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.