Syrakusern die erste Zeit mit großer Grausamkeit behandelt.
In enger, tiefer Schlucht massenhaft eingepfercht und nicht
unter Dach, litten sie erst entsetzlich von Sonne und Hitze;
dann wieder brachen infolge des mit dem Eintritt der kalten
Herbstnächte verbundenen Temperaturwechsels Krankheiten unter
ihnen aus, zumal sie bei der Enge des Raumes alles an dem
selben Orte verrichten mußten und die Leichen der an ihren
Wunden, den durch den Temperaturwehcsel verursachten Krank
heiten oder aus anderen Gründen Gestorbenen haufenweis da
lagen und einen unerträglichen Geruch verbreiteten. Außerdem
wurden sie von Hunger und Durst gequält; denn sie erhielten
acht Monate lang täglich jeder nur eine Kotyle Wasser und
. zwei Kotylen Mehl. Dazu kamen alle möglichen, mit einem
solchen Aufenthalt unausbleiblich verbundenen Beschwerden.
Auf diese Weise brachten sie an die siebzig Tage alle zusammen
zu. Dann behielt man nur die Athener und die sizilischen und
italischen Griechen, welche den Feldzug mitgemacht hatten, dort
zurück und verkaufte die übrigen als Sklaven. Im ganzen
betrug die Zahl der Gefangenen, wenn es auch schwierig ist,
sie genau festzustellen, doch mindestens siebentausend. Es war
dies das folgenschwerste Ereignis, von dem Griechenland nicht
nur in diesem Kriege, sondern meiner Ansicht nach im Verlauf
der griechischen Geschichte überhaupt jemals betroffen worden
ist, ebenso glänzend für die Sieger wie verhängnisvoll für die
Besiegten. Denn diese hatten in jeder Hinsicht eine vollständige
Niederlage und die schwersten Verluste erlitten und sozusagen
den letzten Mann, ihr Heer und ihre Flotte verloren. Auch
kamen von so vielen nur wenige wieder nach Hause. So viel
über die Ereignisse in Sizilien.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.