und Bundesgenossen, die Hoffnung dürfen wir darum nicht
aufgeben. Auch in schlimmeren Lagen ist mancher noch glück
lich durchgekommen. Auch über die Niederlagen und das un
verdiente Mißgeschick, das euch jetzt betroffen, braucht ihr euch
keine Vorwürfe zu machen. Ich selbst bin ja nicht besser dran
als einer unter euch; ihr seht ja, wie ich durch meine Krank
heit von Kräften gekommen bin. Während mich das Glück
bisher sowohl in meinen eigenen Angelegenheiten wie auch
sonst zu begünstigen schien, schwebe ich jetzt in derselben Gefahr
wie der geringste Mann. Und doch habe ich meine Pflichten
gegen die Götter nie verabsäumt und mich gegen meine Mit
menshcen stets rechtschaffen und vorwurfsfrei benommen. Des
halb sehe ich auch jetzt mit vollem Vertrauen in die Zukunft,
und unsere Unglücksfälle schrecken mich nicht so, wie sie sonst
wohl sollten. Auch werden sie gewiß bald ein Ende nehmen.
Denn die Feinde haben schon Glück genug gehabt, und wenn
wir etwa durch den Zug hier ins Land den Neid eines Gottes
erregt, so haben wir dafür bereits reichlich gebüßt. Sind doch
schon manche andere in fremde Länder eingefallen und, da das
eben menschlich, dabei leidlich weggekommen. Wir haben also
guten Grund zu hoffen, daß die Gottheit von nun an gnädiger
mit uns verfahren wird, da wir jetzt denn doch eher das Mit
leid als den Neid der Götter verdienen; und wenn ihr auf
euch selbst seht, wie ihr in Wehr und Waffen so zahlreich in
Reih und Glied eure Straße zieht, so braucht ihr euch wahrlich
nicht zu fürchten und nicht daran zu zweifeln, daß ihr, wo
immer ihr euer Lager schlagt, gleich selbst eine Stadt seid
und keine andere in Sizilien so leicht imstande sein wird, euren
Angriff aufzunehmen oder euch aus eurer Stellung zu vertreiben.
Nur müßt ihr selbst darauf halten, daß euer Marsch in guter
Ordnung vor sich geht, und alle davon durchdrungen sein, daß
jedem der Fleck Erde, wo er zu fechten gezwungen ist, wenn
er siegt, zur Stadt und Festung werden wird. Bei alledem
müssen wir unseren Weg ohne Aufenthalt Tag und! Nacht
fortsetzen; denn unsre Lebensmittel sind knapp. Haben wir
aber erst befreundetes Gebiet der Sikeler erreicht, die aus
Furcht vor Syrakus noch zu uns halten, so dürft ihr euch
bereits als geborgen ansehen. Wir haben ihnen auch schon
Befehl geschickt, uns entgegenzukommen und Lebensmittel mit
zubringen. So viel aber kann ich euch sagen, Leute, ihr müßt
alle euern Mann stehen; denn wolltet ihr Fersengeld geben, so
ist hier in der Nähe kein Ort, wohin ihr euch retten könntet.
Gelingt es euch aber durchzukommen, so werdet ihr alle das
wiedersehen, wonach euch das Herz steht; ihr aber, Athener,
werdet auch die jetzt schwer erschütterte Macht eurer Vaterstadt
wieder aufrichten. Denn Männer machen die Stadt, nicht
Mauern und leere Schiffe."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.