hielt es für gefährlich, wenn ein so zahlreiches Heer zu Lande
abzöge und sich irgendwo in Sizilien festsetzte, um von dort
den Krieg gegen Syrakus wieder aufzunehmen. Er wandte
sich deshalb an die Regierung und stellte ihr vor, man dürfe
die Athener nicht bei Nacht abziehen lassen, wie er das ja
vermutete, sondern die Syrakuser und ihre Verbündeten müßten
mit dem ganzen Heere ausrücken, ihnen die Wege durch Ver
haue sperren und die Pässe verlegen. Dort war man zwar
derselben Meinung und hielt es ebenfalls für zweckmäßig, so
zu verfahren, fürchtete jedoch, daß die Leute, welche froh wären,
sich nach der großen Schlacht erst mal auszuruhen, dafür
schwerlich zu haben sein würden, zumal grade Feiertag wäre.
(An dem Tage wurde nämlich das HerakleSfest in Syrakus
gefeiert.) Denn die säßen im Feste meist alle nach ihrem Siege
fröhlich beim Becher, und man würde ihnen wahrscheinlich
alles eher ansinnen können, als in diesem Augenblick das Ge
wehr aufzunehmen und auszurücken. Da die Herren von der
Regierung die Sache unter diesen Umständen nicht für aus
führbar hielten und auch Hermokrates nichts weiter bei ihnen
ausrichtete, verfiel er nunmehr seinerseits auf folgende List.
Weil er besorgte, die Athener möchten in der Nacht in aller
Stille abziehen und über die gefährlichsten Stellen glücklich
hinausgelangen, schickte er bei Eintritt der Dunkelheit einige
seiner Freunde mit einer Anzahl Reiter an das athenische Lager,
welche auf Sprechweite hinanritten. Hier riefen sie sich ein
paar Leute heraus, und da Nikias damals Freunde in der
Stadt hatte, die ihm von dort Nachrichten zutrugen, gaben sie
sich ihnen als Freunde der Athener zu erkennen und trugen
ihnen auf, Nikias zu sagen, er möge diese Nacht mit dem
Heere nicht aufbrechen, weil die Syrakuser die Wege besetzt
hätten, sondern damit lieber warten und bei Tage in guter
Ordnung abziehen. Nachdem sie ihnen das gesagt, ritten sie
wieder weg. Die Leute aber, denen sie es gesagt hatten,
meldeten es den Feldherren der Athener.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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