wieder eingetroffen. Sikanos freilich war es mit Akragas
nicht geglückt; denn während er noch in Gela war, hatte sich
die syrakusische Partei mit den Gegnern wieder vertragen.
Gylippos aber brachte aus Sizilien zahlreiche Verstärkungen
mit, insbesondere auch die im Frühjahr aus dem Peloponnes
auf Lastschiffen abgeschickten Hopliten, welche von Libyen in
Selinus angekommen waren. Diese waren nämlich nach Libyen
vershclagen, und man hatte ihnen in Kyrene zwei Trieren und
Lotsen mitgegeben. Nachdem sie unterwegs noch den von den
Libyern belagerten Enesperiten Hilfe geleistet und die Libyer
besiegt hatten, waren sie an der Küste weitergefahren nach '
Neapolis, einem karhtagischen Handelsplatze, von wo man auf
dem kürzesten Wege in zwei Tagen und einer Nacht Sizilien
erreichen kann, und von da nach Selinus herübergekommen.
Gleich nach ihrer Ankunft machten die Syrakuser Anstalt, die
Athener von neuem zu Wasser und zu Lande anzugreifen. Als
die athenischen Feldherren sahen, daß sie neue Verstärkungen
erhalten hatten, während ihre eigene Lage nicht besser, sondern -
von Tag zu Tage schlechter wurde, namentlich aber die Krank
heiten im Heere bedenklich zunahmen, bereuten sie, daß sie
nicht eher abgefahren waren. Da auch Nikias sich dem jetzt
nicht mehr widersetzte, sondern nur verlangte, daß es wenigstens
nicht öffentlich beschlossen würde, erteilten sie so heimlich wie
möglich der ganzen Flotte den Befehl, sich darauf einzurichten,
auf ein gegebenes Zeichen aus dem Lager auszukaufen. Aber
als alles bereit war und sie eben abfahren wollten, trat eine
Mondfinsternis ein; denn es war grade Vollmond. Und nun
verlangten die Athener in der Mehrheit von den Feldherren
aus Gewissensbedenken, sie sollten die Abfahrt vershcieben,
und auch Nikias, der überhaupt auf Prophezeiungen und der
gleichen zu viel gab, erklärte, von Aufbruch könne jetzt keine
Rede mehr sein, bevor man nach Weisung der Wahrsager
dreimal neun Tage gewartet. Infolgedessen wurde die Abfahrt
verschoben, und die Athener kamen nicht von der Stelle.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.