man mir macht, ein Wort zu sagen, damit ihr meine Rede in
dieser gemeinsamen Angelegenheit nicht aus Mißtrauen gegen
mich ungünstig aufnehmt. Nachdem meine Voreltern aus
irgendeinem Grunde die alte Staatsgastfreundschaft mit euch
aufgegeben hatten, habe ich sie aus freien Stücken von neuem
übernommen und euch wiederholt, namentlich auch nach dem
Unfall von Polos, Freundesdienste geleistet. Trotz meiner euch
jederzeit bewiesenen Freundschaft aber habt ihr dann doch beim
Friedensschluß mit den Athenern die Verhandlungen durch
meine Gegner geführt und ihnen dadurch zur Macht verholfen,
mir dagegen Zurücksetzung zugezogen. Wenn ich infolgedessen
für die Mantineer und die Argeier eingetreten oder auch etwa
sonst mal euer Gegner gewesen bin und ihr den Schaden da
von gehabt habt, so dürft ihr euch darüber nicht beklagen.
Und wenn man mir das auch damals hier in eurer schlimmen
Lage schwer verdacht hat, so sollte man darüber doch jetzt ge
rechter urteilen und es mir nicht weiter nachtragen. Sollte
man etwa darum schlechter von mir denken, weil ich mich zur
Volkspartei gehalten, so braucht man sich auch in dieser Be
ziehung keine Sorge zu machen. Denn wir sAlkmäoniden! sind
von jeher Gegner der Tyrannen gewesen; unter dem Namen
Volk aber begreift man eben alles, was der Herrschaft eines
einzelnen widerstrebt, und so haben wir auch seit jener Zeit
immer an der Spitze der Volkspartei gestanden. Mit der fort
schreitenden Demokratisierung der Stadt sahen wir uns frei
lich vielfach genötigt, uns in die Zeit zu schicken, haben aber
doch im Gegensatz zu der eingerissenen Zügellosigkeit eine maß
volle Politik einzuhalten gesucht. Aber da waren andere Leute,
früher und jetzt, die den Pöbel zu Schlechtigkeiten verführten,
und die waren es auch, die mich aus Athen verdrängt haben.
Wir dagegen trieben die Geschäfte mit Rücksicht auf daS
Ganze, wünschten aber Änderungen der bestehenden Verfassung,
bei der die Stadt zu größter Macht und Freiheit gelangt war,
und der einmal hergebrachten Rechte eines jeden möglichst zu
verhüten. Denn kein verständiger Mensch wird die Vorzüge
einer demokratischen Verfassung verkennen, und niemand weniger
als ich, soviel Ursache ich auch habe, darauf zu schelten. Doch
wozu über Unverstand, den jeder einsieht, noch weiter Worte
machen. Und die Verfassung zu ändern, während ihr unS als
Feinde vor den Toren standet, hielten wir für bedenklich.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.