erneuern. Die Angriffe des Syrakusers nötigen uns aber,
auch über unsere Herrschaft ein Wort zu sagen, die wir denn
doch mit gutem Recht besitzen. Den besten Beweis dafür hat
er selbst schon angeführt, daß nämlich Jonier und Dorier
von jeher Feinde gewesen seien. Damit verhält es sich so:
Wir als Jonier mußten darauf bedacht sein, unsere Unab
hängigkeit gegenüber den uns an Zahl überlegenen Doriern
in unserer Nachbarschaft möglichst zu wahren, und nach den
Perserkriegen, als wir im Besitz einer Flotte waren, gelang
es uns auch, die Hegemonie der Lakedämonier abzuschütteln.
Hatten sie uns doch so wenig zu befehlen, wie wir ihnen, so
weit sie nicht eben ihre Übermacht damals dazu in den Stand
setzte. Nachdem wir den Oberbefehl über die bisherigen Unter
tanen des Königs übernommen hatten, haben wir ihn dann
auch weiter beibehalten in der Meinung, so im Besitz einer
Macht, die uns zum Widerstand befähigte, unsere Unabhängig
keit den Peloponnesiern gegenüber am besten behaupten zu
können und genau genommen auch die Jonier und Jnselvölker,
von denen die Syrakuser sagen, wir hätten sie unerachtet der
Verwandtschaft unterjocht, keineswegs mit Unrecht unter unsere
Herrschaft gebracht zu haben. Denn sie waren mit den Per
sern gegen uns, ihr Mutterland, zu Felde gezogen und hatten
nicht den Mut, sich von ihnen loszusagen und wie wir, als
wir unsere Stadt verließen, Hab und Gut preiszugeben,
sondern wollten lieber Knechte bleiben und auch uns dazu
machen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.