Völkern bewohnt, und gegen solch ein Land wollten die Athener
jetzt zu Felde ziehen, angeblich natürlich nur, um ihren Stammes
genossen und deren Verbündeten zu Hilfe zu kommen, in Wirklich
keit aber, um sich die ganze Insel zu unterwerfen. Zunächst
veranlaßt wurden sie dazu durch Gesandte aus Egesta, die nach
Athen gekommen waren und sie dringend um Hilfe baten.
DaS Gebiet von Egesta grenzt nämlich an das von Selinus,
und zwischen beiden Städten war es über gewisse Heiraten
und einen streitigen Landstrich zum Kriege gekommen, in
welchem Egesta von dem mit Syrakus verbündeten Selinus zu
Wasser und zu Lande schwer bedrängt wurde. Die Egester
erinnerten deshalb die Athener an das Bündnis mit Leontinoi
unter Laches im vorigen Kriege und baten sie, ihnen Schiffe
zu Hilfe zu schicken. Dabei wiesen sie namentlich auch darauf
hin, daß die Syrakuser, wenn man ihnen die Vertreibung der
Leontiner ungestraft hingehen lasse, auch die übrigen Bundes
genossen vernichten und die Herrschaft über die ganze Insel
an sich reißen würden; dann aber sei zu befürchten, daß sie
dermaleinst als Dorier auch ihren dorischen Stammesgenossen
und dem peloponnesischen Mutterlands mit großer Macht zu
Hilfe kämen, um der Herrschaft der Athener mit vereinten
Kräften ein Ende zu machen. Deshalb sei es geraten, solange
man noch Bundesgenossen habe, mit diesen den Syrakusern
entgegenzutreten, zumal sie ihrerseits das nötige Geld für den
Krieg beschaffen würden. Nachdem die Egester und deren
Gönner ihnen dies in den Volksversammlungen immer wieder
auseinandergesetzt hatten, beschlossen die Athener, zunächst Ge
sandte nach Egesta zu schicken, um sich zu überzeugen, ob dort
im Staatsschatze und in den Tempeln das nötige Geld auch
wirklich vorhanden sei, und sich zugleich darüber zu vergewissern,
wie es mit dem Kriege gegen Selinus stände.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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