nämlich durch eine Liebesgeschichte veranlaßt, auf die ich hier
ausführlicher eingehen will, um zu zeigen, wie ungenau alles
ist, was man auswärts und in Athen selbst über die Tyrannen
und jenes Ereignis erzählt.
gelangte nicht Hipparchos, wie man gewöhnlich glaubt, sondern
Hippias als ältester Sohn zur Regierung. i Harmodios war
damals ein bildschöner, junger Mann und Aristogeiton, ein
Bürger aus dem Mittelstande, sein begünstigter Liebhaber.
Hipparchos, Peisistratos' Sohn, aber machte ihm auch Anträge,
hatte damit jedoch kein Glück, und Harmodios verriet es dem
Aristogeiton. Der aber, der das, leidenschaftlich verliebt, wie
er war, sehr schmerzlich empfand und fürchtete, der mächtige
Hipparchos möchte Gewalt gegen ihn gebrauchen, nahm sich
gleich vor, alles dranzusetzen, um die Tyrannen zu stürzen. -
Hipparchos, der auch mit erneuten Anträgen bei Harmodios
keinen besseren Erfolg gehabt hatte und doch keine Gewalt
gegen ihn gebrauchen wollte, legte es nun darauf an, ihm bei
Gelegenheit in unauffälliger Weise, als ob es damit nichts zu
tun hätte, einen Schimpf zuzufügen. Auch sonst nämlich
machte er dem Volke gegenüber von seiner Macht keinen ge
hässigen Gebrauch, sondern suchte jeden Anstoß zu vermeiden.
Überhaupt gaben sich ja die Peisistratiden als Tyrannen alle
Mühe, gut und verständig zu regieren; sie erhoben von den
Athenern nur den Zwanzigsten vom Einkommen, führten ihre
Kriege, verschönerten die Stadt und ordneten ihre Festfeiern.
Auch im übrigen ließen sie es in Athen bei den bestehenden
Gesetzen und sorgten nur dafür, daß immer einer von ihnen
unter den Archonten war. Einer von diesen, welche das ein
jährige Archontenamt in Athen bekleideten, war auch Peisi
stratos, der den Namen seines Großvaters führende Sohn des
Tyrannen Hippias, welcher als Archon den Altar der zwölf
Götter auf dem Markte und den Altar deS Apollon beim
Pythion weihte. Als später das athenische Volt den Altar
auf dem Markte durch einen Anbau vergrößern ließ, ist die
Inschrift daran verschwunden, an dem beim Pythion aber ist
sie noch jetzt mit unleserlichen Buchstaben zu sehen und lautet:
„Hippias' Sohn, der Archon Peisistratos, weihte dies Denkmal
Phoibos dem pythischen Gott hier in des Tempels Bereich."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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